Schlechte Verkehrsanbindungen kosten Unternehmen in Bonn/Rhein-Sieg Millionen

PKW und LKW stauen sich auf der A1 bei Wuppertal in einer Baustelle

Schlechte Verkehrsanbindungen kosten Unternehmen in Bonn/Rhein-Sieg Millionen

Von Anne Burghard

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg ist entsetzt. Im neuen Bundesverkehrswegeplan erhielten die wichtigsten Projekte im Rheinland nur einen geringfügigen Stellenwert. Die Folge: Weiterhin viele Staus und deshalb hohe Kosten für Unternehmer.

Vor allem mittelständische Betriebe leiden unter dem täglichen Verkehrsinfarkt, so die IHK. Zum Beispiel verbringen Handwerker viel Zeit in Staus. Zeit, die sie eigentlich für ihre Kunden nutzen wollen. Das koste viele Unternehmer täglich mindestens einen Auftrag, klagt die Kammer. Den Gesamtschaden beziffert sie in ihrer heute (24.03.2016) vorgestellten verkehrspolitischen Erklärung sogar noch höher: "Die Auswirkungen der Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur kosten die Unternehmen im IHK-Bezirk jährlich Millionen."

Neue Rheinbrücke Niederkassel-Wesseling bleibt ein Traum

Eine Grafik, welche eine zukünftige Straße zeigt.

Bis 2030 gibt es für die Brücke kein Geld

Am 16. März hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den neuen Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgestellt. Eine herbe Enttäuschung für das Rheinland, findet die IHK. Die seit langem die geplante Rheinbrücke zwischen Niederkassel und Wesseling/Köln-Godorf wurde wider Erwarten nicht als vorrangig eingestuft, sonder nur als "Im weiteren Bedarf mit Planungsrecht". Will heißen: Die Brücke ist verkehrspolitisch sinnvoll. Geld wird die Bundesregierung bis 2030 dafür aber nach bisherigem Stand nicht bereitstellen.

Kein Geld vom Bund für Südtangente

Eine Grafik, welches ein Autobahnnetz zeigt.

Die Bonner "Südtangente"

Auch die Bonner Südtangente bekam eine Abfuhr im Bundesverkehrswegeplan. Sie steht ebenfalls in der Rubrik "zum weiteren Bedarf" und hat damit bis zum Jahr 2030 keine Chance auf eine Realisierung. Nach Meinung der IHK ist besonders die Verzögerung für die Südtangente eine folgenschwere Fehlentscheidung: Vielen Unternehmen fehle eine Anbindung an die A 3 und damit an das Rhein-Main-Gebiet sowie die Möglichkeit, die Staus im Bonner Norden und im Rhein-Sieg-Kreis im Süden zu umfahren.

Ausbau von Strecken im Rhein-Sieg-Kreis

So soll Hennef-Uckerath endlich seine Umgehungsstraße erhalten. Sie ist im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft - ebenso der achtspurige Ausbau der A 59 bei Sankt Augustin und der Ausbau der Eisenbahnstrecke durch das Siegtal. Der Plan für zusätzliche Gleise auf der Siegtalstrecke sorgt allerdings für Aufregung in der Bevölkerung. Denn das Ziel der Bundesregierung ist: Mehr Güterverkehr auf der Schiene. Insbesondere die SPD hat sich dafür stark gemacht. Viele Anwohner befürchten aber eine deutlich höhere Lärmbelastung.

IHK: "Kommunalpolitik spricht mit gespaltener Zunge"

Dr.Hubertus Hille

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, geht deswegen hart mit dem Bonner Stadtrat ins Gericht. Die Kommunalpolitik spreche mit "gespaltener Zunge" und habe keine klare Position bezogen, so Hille: "Dadurch fehlt die gemeinsame regionale Positionierung, das regionale Interesse wird nicht eindeutig erkennbar und dann fallen solche Projekte nach hinten raus." Der Rhein-Sieg-Kreis hingegen habe sich ziemlich klar und eindeutig positioniert, dass er die Südtangente haben wolle.

Pläne sorgen für Kritik in der Bevölkerung

Der Plan für zusätzliche Gleise auf der Siegtalstrecke sorgt allerdings für Aufregung in der Bevölkerung. Denn das Ziel der Bundesregierung ist: Mehr Güterverkehr auf der Schiene. Insbesondere die SPD hat sich dafür stark gemacht. Viele Anwohner befürchten aber eine deutlich höhere Lärmbelastung. Auch die Bonner Südtangente steht in Teilen der Bevölkerung in der Kritik. Der Verein “Lebenswertes Siebengebirge“ hätte die Pläne am liebsten vom Tisch. Dass die Südtangente im Bundesverkehrswegeplan keine Priorität habe, bedeute keinesfalls, dass sie nicht weitergeplant und womöglich gebaut würde, befürchtet der Verein. Nadia Elisa Schoenen von der Bürgerinitiative "Ennertaufstieg Nein!" befürchtet, dass die Südtangente zu einer Stadtautobahn wird, die Umweltzerstörung mit sich bringt und Feinstaub, Smog und Lärm in Bonn drastisch erhöhen würde. Die Initiative glaubt, dass die IHK mit ihren Forderungen nur eine Minderheitsmeinung vertritt.

Stand: 24.03.2016, 11:35