Rentner soll Haribo und Kaufland erpresst haben

Haribo

Rentner soll Haribo und Kaufland erpresst haben

Von Christoph Hensgen

  • Haribo und Kaufland sollten je eine Million zahlen
  • Lebensmittel sollten mit Zyanid vergiftet werden
  • Der Tatverdächtige gibt Armut als Motiv an

Der Bonner Süßwaren-Konzern Haribo soll erpresst worden sein. Wie der WDR erfuhr, soll ein 74-Jähriger aus Dortmund gedroht haben, Süßigkeiten mit Zyanid zu vergiften, wenn man ihm nicht eine Million Euro zahlen würde. Zeitgleich soll der Mann auch die Lebensmittel-Einzelhandelskette "Kaufland" erpresst und ebenfalls eine Million Euro gefordert haben.

Ermittlungsbehörden bestätigen WDR-Recherchen

Polizei und Staatsanwaltschaft haben entsprechende WDR-Recherchen bestätigt. "Es gibt ein entsprechendes Ermittlungsverfahren", sagte Sebastian Buß, Sprecher der Staatsanwaltschaft dem WDR-Studio Bonn. "Mehr können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen – um unsere Ermittlungen nicht zu gefährden."

„Vorsicht Gift“: Warn-Hinweise auf Goldbären und Pizza

In dieser Filiale in Witten soll der Rentner angeblich vergiftete Käsestangen deponiert haben.

In dieser Filiale in Witten soll der Rentner vergiftete Käsestangen deponiert haben

Wie der WDR erfuhr, soll der Rentner sogar Produkte der beiden Unternehmen mit Warn-Hinweisen "Vorsicht Gift" beklebt und in mehreren Supermarkt-Filialen deponiert haben. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Erpresser aber ermitteln und festnehmen.

Mann soll gedroht haben, Produkte mit Zyanid zu vergiften

Am 9. Dezember soll der gebürtige Gelsenkirchener in einer Postfiliale in Eschweiler (bei Aachen) zwei Einschreiben aufgegeben haben. Das eine an die Geschäftsführung von Haribo, das andere an die Kaufland-Zentrale in Neckarsulm. Wortlaut der Erpresser-Briefe: "Entweder ihr zahlt mir innerhalb der nächsten zehn Tage eine Million Euro in Bitcoins (Anm. der Redaktion: eine Internet-Währung) oder ich vergifte eure Produkte mit Zyanid." Dieses tödliche Gift soll der Mann sogar auch  im Darknet bestellt und bezahlt – allerdings nie bekommen haben.

Warnhinweise auf Goldbären und Käsestangen

Zu sehen ist eine Tiefkühlpizza aus einer Kaufland Filiale.

Eine Kaufland Pizza versah der Rentner mit einem Warnhinweis

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, besorgte er sich Ermittlungen der Polizei zufolge von Haribo "Goldbären" und "Konfekt“ und von Kaufland Pizza und Käsestangen. Auf die klebte er Warnhinweise und deponierte sie unter anderem in zwei Kaufland-Filialen. Dann soll er weitere Droh-Mails an die Unternehmen geschickt haben.

Kripo ermittelt Verdächtigen: Festnahme an Heiligabend

Was der Mann nicht ahnt: Die Ermittler sind ihm zu diesem Zeitpunkt schon dicht auf den Fersen. Die Unternehmen haben sofort die Polizei eingeschaltet. Der Kripo gelingt es, die Einschreiben zurück zu verfolgen. Bis in die Post-Filiale in Eschweiler. Dort ist der mutmaßliche Erpresser von Überwachungs-Kameras gefilmt worden. Zudem findet die Polizei heraus, von welcher IP-Adresse die Droh-Mails geschickt wurden. Der mutmaßliche Täter wird schließlich an Heiligabend in Würzburg festgenommen.

Geständnis im Polizei-Verhör

Der Bonner Rechtsanwalt Thomas Ohm an seinem Schreibtisch.

Rechtsanwalt Thomas Ohm: Seine Haftbeschwerde hatte Erfolg

In seinen Vernehmungen gesteht er die versuchten Erpressungen. Und nicht nur die: er gibt sogar zu, dass er zuvor sogar schon vergeblich versucht hat, die Supermarktkette Lidl zu erpressen. Sein Motiv: chronischer Geldmangel. "Mein Mandant bekommt eine Rente von knapp 180 Euro, die seiner Frau liegt bei 900 Euro. Das hat vorne und hinten nicht zum Leben gereicht", sagt Rechtsanwalt Thomas Ohm. Er vertritt den Beschuldigten. "Als der nach einem Arzt-Besuch noch nicht einmal mehr genug Geld hatte, um sich in der Apotheke Medikamente zu kaufen, war er so verzweifelt, dass die Erpressungen für ihn der letzte Ausweg waren. Er hatte aber nie vor, Menschen zu verletzen", versichert Ohm.

Haftbeschwerde hat Erfolg

Wegen Fluchtgefahr kam der Mann in die JVA Köln. Dort saß er bis gestern (16.02.2017). Sein Verteidiger legte Haftbeschwerde ein – und die hatte Erfolg: Der 74-Jährige kam unter strengen Auflagen frei: er muss sich regelmäßig auf einer Polizeiwache melden. Nach WDR-Informationen wird die Staatsanwaltschaft den Rentner schon in Kürze wegen räuberischer Erpressung anklagen.

Stand: 17.02.2017, 07:27