Geo-IT-Experten aus der ganzen Welt in Bonn

Gefüllter Plenarsaal

Geo-IT-Experten aus der ganzen Welt in Bonn

Rund 900 Geo-IT-Experten aus der ganzen Welt treffen sich noch bis zum Wochenende (26.08.2016) in Bonn und tauschen sich auf der FOSS4G über die neuesten Entwicklungen bei der Nutzung von Geodaten aus.

Ein guter Riesling-Wein und das europäische Satellitenprogramm Copernicus haben eigentlich nichts gemeinsam. Aber schon bald könnte mancher Winzer auf Copernicus setzen, um den idealen Zeitpunkt für die Lese der Trauben zu berechnen.

Mann mit Brille und kariertem Hemd

Markus Neteler, Geo-IT-Experte

Denn die Satelliten liefern eine Unmenge an aktuellen Daten wie Wetter oder Bodenbeschaffenheit, aus denen mit der richtigen Software ohne Probleme spannende  Vorhersagen möglich werden: "Der ideale Termin für die Ernte bei bestimmten Zuckerwerten, die hier zum Beispiel erreicht werden sollen, ist in drei Wochen – von heute an," erklärt Markus Neteler, der Geschäftsführer einer Firma für Geoinformationssysteme.

"Maps are cool!"

Nicht weit von seinem Büro entfernt findet gerade in Bonn die FOSS4G-Konferenz statt, das weltweite Treffen der Geo-IT-Experten für Open Source Anwendungen – nach Städten wie Kapstadt, Sydney, oder Soul jetzt also zum ersten Mal in Deutschland.

Der Bonner Konferenz-Vorsitzende Till Adams freut sich über Besuch aus der ganzen Welt am Rhein. Rund 900 Teilnehmer "from Afghanistan, Australia, Austria, Bolivia, Danmark, Finland, France, Iraq, Ivory Coast, Japan, Reunion, Ruanda, Serbia, Singapore, Uganda, Ukraine – you’re here. And we all agree in one sentence: Maps are cool!", meint er auf der Konferenz.

Modernste Satellitentechnik macht vieles möglich

Karten sind cool – diesen Satz unterschreiben wohl wirklich alle Konferenzteilnehmer, denn mit den heutigen Karten, die dank modernster Satellitentechnik möglich sind, lässt sich vieles machen.Sie beantworten dem Winzer nicht nur die Frage, wie es seinen Weintrauben geht.

Satelliten-Bilder auf einem Monitor

Karten helfen bei der Beantwortung vieler Fragen

Wer wissen will, ob und wann die berüchtigte Tigermücke, die das Dengue-Fieber übertragen könnte, vielleicht auch in der eigenen Region heimisch werden will, kann auch das vorhersagen – indem man unter anderem die Entwicklung der Vegetation über einen längeren Zeitraum per Satellit beobachtet.

Markus Neteler erklärt: "Dadurch, dass wir diese Zeitreihenanalyse machen können, können wir ziemlich genau sagen: Hier besteht Gefahr, dass die Tigermücke sich weiter ausbreitet, dort nicht. Und entsprechend kann man dann die Kontrollmaßnahmen quasi fokussieren, denn das ist natürlich auch eine kostspielige Geschichte."

Experten arbeiten an Open-Source-Software

Gelbfiebermuecke

Wie verbreiten sich die Überträgermücken von Zika?

Genauso lässt sich auch vorhersagen, wie sich die Überträgermücken des Zika-Virus ausbreiten könnten. Spannend an den Experten, die sich in Bonn treffen, ist unter anderem auch die Tatsache, dass sie alle an freier und Open-Source-Software arbeiten. Das heißt, die Lizenzen gibt es im Regelfall nicht nur kostenlos, sondern auch jeder kann die Quelltexte lesen.

Anders als bei Google, Microsoft, Oracle und Co. Dadurch entstehe ein großer Ideenbasar, auf dem jeder zusteuern, aber auch von ihm profitiere könne, schwärmen die Entwickler. Natürlich gibt es auch hier Konkurrenz, aber die werde nicht so verkrampft wahrgenommen, schmunzelt Till Adams: "Ich hab das erlebt, es gibt hier zwei Entwickler – ein Italiener, der andere Kanadier – und die treffen sich hier auf der Konferenz. Und dann sagt der eine zum anderen: Du, da war doch das Problem mit dem Datenformat und so – wir haben das gelöst. Und dann sagt der andere: Boah, das ist ja toll, wie hast Du das gelöst? Und dann erklärt der dem das, damit der das auf seiner Software auch machen kann. Und das ist wichtig, dafür trifft man sich."

Viele Anwendungsbereiche - auch in der EU

Auch wenn es natürlich für jeden einzelnen ums Geschäft geht, arbeiten sie trotzdem auch Hand in Hand – nur so funktioniert Open Source-Software, mit der Till Adams dann aber natürlich auch ganz konkret Geld verdient. Sei es zum Beispiel die Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes Rheinland-Pfalz, die mit seiner Software die Wasser- und Umweltdaten verwalten kann und dabei auf die immer aktuellsten Karten zurückgreift, in denen das ganze Netz von der einzelnen Wasserentnahmestelle bis zu großen Deichen verzeichnet wird.

EU-Fahne in der Sonne

Die EU kann profitieren

Die Ideen für Anwendungsmöglichkeiten der Geodaten sprudeln derzeit geradezu nur so. Das merke man auch bei der EU, erzählt einer der Copernicus-Experten, Andreas Veispak. Nicht ganz unproblematisch, denn schon bald rede man über viele Millionen von Gigabyte, die an Daten vorliegen.

Was ist in Zukunft möglich?

Man kämpfe mit diesen Datenmengen derzeit, gibt Andreas Veispak zu, und man habe auch nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen die Daten tatsächlich nutzen würden. Und es dürften noch viel mehr werden, denn schon jetzt zerbrechen sich die Entwickler den Kopf, was noch alles möglich ist. Da kann das schnelle Katastrophenmanagement nach einem Erdbeben genauso wie die Entwicklung ausgetrockneter Böden auf dem Land oder von Wärmeinseln in Städten möglich sein. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Stand: 24.08.2016, 14:52