Wattenscheid: Keine Gänse beim Gänsereiten

Demonstranten in Bochum mit Plakaten gegen Gänsereiten

Wattenscheid: Keine Gänse beim Gänsereiten

Wegen des vom Deutschen Tierschutzbüro in Bonn erwirkten Beschlusses des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen will die Stadt Bochum nun den Gänsereiter-Clubs die Verwendung von Attrappen statt echter Gänse vorschreiben. Richter erkannten den Vorwurf des Deutschen Tierschutzbüros an, dass die Gänse vornehmlich für den Wettstreit und nicht für den Verzehr getötet werden.

Im vergangenen Monat beantragte das Deutsche Tierschutzbüro eine einstweilige Verfügung (16 L 221/16) gegen das Gänsereiten in Bochum-Wattenscheid. Bei diesem Reiterwettstreit wird einer zuvor getöteten Gans vor den Augen der Zuschauer der Kopf abgerissen. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen lehnte den Antrag des Tierschutzvereins zwar mit der Begründung ab, dass dieser zu kurzfristig (vor der Veranstaltung) einging und das Gänsereiten fand wie gewohnt statt.

Richter stimmen Tierschutzbüro zu

Tierschützer protestieren auf der Straße gegen das Gänsereiten

Protestaktion gegen das Gänsereiten

Die Richter in Gelsenkirchen bestätigten aber in der Begründung ihres Beschlusses die Einschätzung des Deutschen Tierschutzbüros, dass die Tötung der Gänse vor dem Gänsereiten "wohl nicht in erster Linie" dem späteren Verzehr dient, sondern der Reitwettstreit "wohl der eigentliche Kern der Veranstaltung" ist. Das bedeutet, dass kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes die Tötung der Gans rechtfertigt.


Rechtsanwalt Rolf Kemper, der das Deutsche Tierschutzbüro aus Bonn vertritt, beantragte in dieser Angelegenheit nun beim Ordnungsamt der Stadt Bochum Akteneinsicht. Daraufhin gab dieses bekannt, dass die Stadt aufgrund des Beschlusses des Verwaltungsgericht Gelsenkirchen das Gänsereiten im kommenden Jahr in der bisherigen Form verbietet.

Ein Mann packt einer Gans, die kopfüber an einem Seil hängt, an den Hals, während er auf einem Pferd reitet

Das Gänsereiten ist ein Brauchtum im Karneval

"Damit folgt das Ordnungsamt nun endlich unserer Forderung" so Jan Peifer, Gründer Deutsches Tierschutzbüro."Ich hab schon vor 20 Jahren gegen dieses barbarisches Spektakel Tiere zu töten, demonstriert, der lange Atem hat sich gelohnt, nun endlich wird es verboten. Wir alle freuen uns außerordentlich über diesen tollen Erfolg" so sagte Peifer im Gespräch mit dem WDR.


Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. mit seinem Vereinssitz in Bonn hat als einer der ersten Organisationen das Verbandsklagerecht in NRW zugesprochen bekommen. Basierend auf diesem Recht kann der Verein auf dem juristischen Weg für den Tierschutz klagen und auch gegen Veterinärämter vorgehen.

Hintergrund des Gänsereitens

Das Gänsereiten gehört in Bochum-Wattenscheid zum Brauchtum im Karneval. Die Reiterwettstreite finden immer am Rosenmontag bzw. dem Karnevalswochenende statt und sind mit einem Karnevalsumzug verbunden. Der Gänsereiterkönig ist vergleichbar prominent mit einem Karnevalsprinzen.

Die mindestens 400 Jahre alte Tradition stammt vermutlich aus dem spanisch-holländischen Krieg. Dabei wird eine Gans an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Gänse-Reiterkönig wird, wer es schafft, der Gans in vollem Galopp den Kopf abzureißen. Seit mehr als 200 Jahren wird die Gans vor dem Wettstreit getötet.

"Hahnenköppen" im Rheinland schon lange verboten

Das "Hahnenköppen" ist ein alter Brauch, der vor allem im Bergischen Land, in der Eifel, in der Gegend um Bonn gepflegt wurde. Zu Kirmessen, Erntedank- oder Oktoberfesten gabe es einen öffentlichen Wettbewerb, bei dem einem vorher getöten Hahn der Kopf abgeschlagen wurde. Hahnenkönig wurde derjenige, dem das zuerste gelang. Auch dieser Brauch ist seit Jahrzehnten aus Tierschutzgründen verboten.

Stand: 15.03.2016, 10:28