Deutsches Lehrerforum: Schule im digitalen Zeitalter

Mit einem speziellen Tablet arbeitet am 20.02.2015 ein Schüler am "Tag des digitalen Lernens" am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg

Deutsches Lehrerforum: Schule im digitalen Zeitalter

Von Henning Hübert

  • 3. Deutsches Lehrerforum in Königswinter.
  • Forderung: Digitalisierung für sämtliche Schulformen.
  • Lernvideos für individuelleren Unterricht.
  • selbstorganisiertes Lernen per Laptop.

Oft tut Schule noch so, als gäbe es keine Smartphones samt Youtube-Tutorials oder WhatsApp-Gruppen zur gegenseitigen Hausaufgabenerledigung. Beim 3. Deutschen Lehrerforum in Königswinter stellen sich engagierte und netzaffine Lehrer und Referendare den Problemen der Digitalisierung für sämtliche Schulformen. Es geht um funktionierende Lernkanäle, digitale Selbstorganisation und um die Vermittlung von Lebenspraxis, trotz oder wegen der Einbindung des Internets.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, versteht die Skepsis nicht so recht: Warum nur jeder vierte Lehrer glaubt, dass die Digitalisierung und Smartphones im Unterricht auch die Lernergebnisse der Schüler verbessern.

Traum von individueller Förderung

Dräger glaubt nicht mehr an das alte Konzept, dass ein Lehrer vor einer großen und möglichst homogenen Lerngruppe steht und seinen Stoff durchbringt. Stattdessen träumt er davon, "das einzelne Kind mit dem richtigen Lern- und Lehrmaterial zusammenzubringen und dem Lehrer auch mehr Zeit für das Wesentliche zu geben." Den Satz des Pythagoras zurechtschneiden auf das Kind – das könne ein Lernvideo, das könne die Software.

Digitale Dividende möglich

Selbstorganisiertes Lernen per Laptop soll wieder Räume für die Wissensvermittlung schaffen, die verloren gegangen waren. Von der Möglichkeit, eine digitale Dividende zu erzielen, ist zum Beispiel Lehrer Jörg Witthauer überzeugt. Auch er bemerkt bei seinen Berufsschülern von der Berliner Ernst-Litfaß-Schule für Medienberufe: Die Bandbreite beim vorhandenen Wissen ist riesengroß. Er reagiert darauf etwa in Mathematik mit dem Einsatz des intelligenten Lernsystems "bettermarks". Das Onlineprogramm führt durch jede Aufgabe, gibt direkte Rückmeldungen und unterstützt mit zusätzlichen Hilfestellungen.

Witthauer hat Beispiele: "Ich hab Schüler, die wissen nicht, was eine gerade Zahl ist. Da geht es los. Und es gibt Schüler, die können schon super mit Sinus / Cosinus arbeiten. Das ist die Realität. Und die Heterogenität der Schülerschaft erfordert es, dass ich da intelligente Software einsetze. Ich kann jetzt tatsächlich wieder Schüler unterrichten statt Fächer."

Zuhörer beim Deutschen Lehrerforum 2017 in Königswinter

Das Deutsche Lehrerforum 2017 in Königswinter

Auch Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband Bildung Wissenschaft Innovation will Schule nicht mehr abschirmen vor der digitalen Welt. Auch wenn er bestätigt, dass sich bei Schülern mit sehr viel Onlinezeit die Aufmerksamkeitsspanne verringert. Volker Meier-Guckel glaubt, sie wieder erhöhen zu können: "Weil die Kinder, die in der Schule im Wesentlichen Rezipient von Wissen sind, zum Produzent von Wissen werden. Und dann wird es spannend: Wer selber anderen erklären darf, möglicherweise über digitale Tools, was ich gerade mache, dann wächst auch die Aufmerksamkeit."

Ah, ein Fehler! Ist besser als Oh, ein Fehler!

Experten auf dem Deutschen Lehrerforum warnten vor radikalen Veränderungen im Umgang mit Fehlern: Früher hätten sich Schüler unbekümmert ausprobieren können. Heute analysierten Programme permanent digitale Datenspuren, so dass schon jedes Zögern beim Ankreuzen von Lösungen negativ bewertet werden könnte.

Problem Mobbing

Devojčica užasnuto gleda u smartfon, dok se dve devojčice smeju njoj iza leđa

Cybermobbing: Ein großes Problem in Schulen

Gefordert wurde die Schaffung guter Voraussetzungen für Online-Lerneinheiten. Ob mit WLAN, LTE-Mobilfunkrouter oder Freifunk – alles wurde diskutiert. Die Lehrer warnten aber auch vor der Kehrseite des Internets: Viel zu viel Mobbing in Whatsapp-Gruppen – gerade unter den jüngeren Schülern. Da sollen ältere Mitschüler als Medienscouts helfen: Nicht nur beim Anschließen und der Wartung von Beamern, sondern mit Tipps für einen fairen Umgang untereinander auch beim Tippen von Nachrichten.

Stand: 15.09.2017, 17:05