Das Diesel-Fahrverbot und die Bedeutung für Bonn

Verbotsschild und Autoauspuff mit Abgasen Diesel Fahrverbot

Das Diesel-Fahrverbot und die Bedeutung für Bonn

Von Sebastian Tittelbach

  • Verwaltungsgericht entscheidet 2019.
  • Jeder zweite Autofahrer betroffen.
  • Verkehrsexperte: ÖPNV würde überfordert.

Bernd Schöllgen sitzt mit seinem Haustechnik-Betrieb in Alfter, er hat 40 Mitarbeiter, einen großen Fuhrpark und ein großes Problem: Das drohende Diesel-Fahrverbot in Bonn. "Wir haben viele Kunden in Bonn. Wenn meine Monteure nicht mehr zu ihnen kommen können, dann geht das an die Existenz." 

Montage: Feinstaub-Messgerät, Stau

Solche Feinstaub-Messgeräte messen die Stickstoffdioxid-Belastung in der Luft

Das ganze Dilemma lässt sich an einer kleinen Dose festmachen. Die hängt an einem Mast an der Bonner Reuterstraße und misst die Stickstoffdioxid-Belastung. Seit zehn Jahren pendelt der Wert um 55 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

118.000 Diesel in Bonn zugelassen

Deswegen könnte das Diesel-Verbot in Bonn - wie es die Deutsche Umwelthilfe einklagt - schnell kommen. Das Verwaltungsgericht Köln wartet zurzeit eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ab, aber nächstes Jahr will es selbst urteilen. Von den 245.000 zugelassenen Autos in Bonn sind 118.000 Diesel, das Urteil könnte also fast jeden zweiten Bonner Autofahrer treffen.

Nicht nur private Autos schlucken Diesel, auch die Feuerwehr fährt Selbstzünder, genauso wie die Müllabfuhr. Selbst den Bussen der Bonner Stadtwerke könnte ein Fahrverbot drohen.

Ein Linienbus der SWB

Auch die Busse der SWB könnten von dem Fahrverbot betroffen sein

Werner Schui, Sprecher der Bonner Stadtwerke, spricht von einem "Bärendienst", wenn ausgerechnet Busse ausgesperrt werden, um die Luft zu verbessern. Konkrete Pläne, wie die Stadtwerke mit einem Fahrverbot umgehen würden, gibt es nicht.

Unternehmen hoffen auf Ausnahmegenehmigungen

Aber selbst wenn die städtischen Busse eine Ausnahmegenehmigung bekämen, drohe Bonn eine Verkehrschaos, prognostiziert Rolf Beu, Verkehrsexperte in der Grünen-Fraktion: "Der Bonner ÖPNV könnte kurzfristig höchstens zehn Prozent mehr Fahrgäste verkraften, da können gar nicht alle Dieselfahrer umsteigen."

Bernd Schöllgen hofft auch auf eine Ausnahmegenehmigung: "Die Feuerwehr muss zum Brand und wir müssen schnell zum Gasleck oder zur defekten Heizung." Privat geht er auf Nummer sicher. Statt eines Diesels hat er einen Plug-in-Hybrid bestellt. 

Stand: 06.09.2017, 16:04