Cyber-Mobbing: Zahl der Opfer steigt stündlich

Junge sitzt mit verschränktem Kopf vor Facebook

Cyber-Mobbing: Zahl der Opfer steigt stündlich

Von Sebastian Tittelbach

  • Studie ein einziges Alarmsignal
  • Technische und persönliche Hilfe
  • Eltern die wichtigsten Ansprechpartner

In einer Studie hat die Telekom festgestellt, dass immer mehr Internetnutzer Opfer von Cyber-Mobbing werden. Die Zahl der Geschädigten erhöht sich quasi stündlich. Pünktlich zum Safer-Internet Day (am 7. Februar) bietet der Bonner Kommunikations-Konzern Hilfe an: technische, um Mobbing-Mails wieder entfernen zu können, und persönliche. Psychologen betreuen gezielt Opfer des Cyber Mobbings.

Cybermobbing gnadenlos und aggressiv

Eine einsame Person sitzt traurig vor einer Wand

Cybermobbing ist weit verbreitet.

"Wir wünschen dir, dass du bald stirbst. Viele Grüße, die Klasse 8a" - Cybermobbing kann gnadenlos aggressiv oder sehr subtil sein. Und die Angst vor solchen Attacken wächst. 44 Prozent aller Eltern in Deutschland sind besorgt, dass sie oder ihre Kinder Opfer von Cyber-Mobbing werden, heißt es in einer repräsentativen Studie der Deutschen Telekom. Bei jungen Eltern ist die Furcht sogar noch höher.

Telekom hält Werte für alarmierend

Thomas Mett-Winter, bei der Telekom zuständig für die Computerhilfe, nennt diese Werte alarmierend und sagt im Gespräch mit dem WDR: "Wir haben dann weiter gefragt, kennen Sie Opfer von Cyber-Mobbing, und da hat jeder Vierte gesagt, sie kennen im persönlichen Umfeld Opfer, und bei sieben Prozent der Eltern waren sogar die eigenen Kinder betroffen. Wenn man das bundesweit hochrechnet, sind das erschreckende Zahlen."  

Kleine Streiche mit großen Auswirkungen

Cyber-Mobbing

"Du kriegst keinen Freund, weil du dick bist und Pickel hast!"

Kurze Beleidigungen im Chat, gezielte Falschinformationen,  Identitätsraub oder der Ausschluss aus Gruppenchats. Von Cybermobbing gibt es viele Varianten. Die 13jährige Elisabeth wurde von ihren Mitschülern in Chats gehänselt. Sie beschreibt das so: "Dann wurde ich beleidigt mit: Du kriegst keinen Freund, weil du Pickel hast und weil du dick bist. Das hat mich schon irgendwie verletzt."

Im Netz niedrige Hemmschwelle

Ihre Geschichte hat Elisabeth bei „Klicksafe“ erzählt, einer Initiative der Europäischen Union, die über den sicheren Umgang mit dem Internet aufklärt.  "In Real-life würde man das der Person gar nicht ins Gesicht sagen, im Internet ist man vorlaut und fies.. Da ist die Hemmschwelle deutlich niedriger."

Verlagerung vom Schulhof ins Netz

Teaserbild Facebook und Instagram

Wie verletzend die Attacken sein können, wissen viele Täter nicht.

Das bestätigt auch Thomas Mett-Winter. 72 Prozent der Mobbing-Attacken erfolgen laut der Studie über Netzwerke wie Facebook oder Instagram. Seine weiter Erkenntnis: "Früher hat man sich in der Clique auf dem Schulhof geneckt, jetzt verlagert sich das ins Internet. Es werden Videos oder Fotos hochgeladen, es werden diffamierende Inhalte verbreitet, und dadurch dass das Opfer und der Mobber nicht mehr face to face sind, wird das auch immer heftiger."

Eltern haben die wichtigste Schutzfunktion

Beim Schutz vor Cybermobbing haben Eltern aus Sicht der Experten eine wichtige Rolle. Sie sollten über das digitale Leben ihrer  Kinder Bescheid wissen, könnten die Sicherheitseinstellungen beispielsweise von Facebook überprüfen, und sollten sofort da sein, wenn Kinder von Attacken berichten. "Wichtig ist, Screenshots machen, um nachher auch einen Beweis zu haben, dass es passiert ist. Das Internet ist flüchtig, viele Sachen können auch verschwinden. Hilfe holen: Entweder eine Anzeige erstatten oder auf die Lehrer zugehen oder auf die Täter und deren Eltern. Auf jeden Fall öffentlich machen und los laufen", sagt der Telekom-Experte

IT-Firmen und Versicherungen treten gegen Cyber-Mobbing an

Hände tippen auf Tastatur von Notebook.

Cybermobbing ist einfach. Daher gibt es auch so viele Opfer.

Inzwischen wollen auch IT-Firmen, Versicherungen und Telekommunikationskonzerne Geld mit der Bekämpfung von Cyber-Mobbing verdienen. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass die Mobbing-Einträge aus den sozialen Netzwerken verschwinden, spüren die Verursacher auf oder übernehmen die Anwaltskosten.

Psychologische Erstbetreuung

"Und es geht sogar soweit, dass wir eine psychologische Erstintervention bei Bedarf bereitstellen." beschreibt Thomas Mett-Winter das Angebot des Bonner Telekommunikations-Konzerns. Elisabeth, die ihren Fall öffentlich gemacht hat, hält Aufklärung für besonders wichtig, auch damit es weniger Nachahmer gibt. "Die Gefahr, dass die Leute sich nicht bewusst sind, was sie damit anrichten können und wie verletzend das für eine Person ist, ahnen die meisten gar nicht."

Hohe Schmerzensgelder auch gegen Minderjährige

Auf der Richterbank im Gerichtssaal liegt ein Holzhammer. Im Hintergrund ist der Richter.

Wer mobbt, macht sich strafbar.

Und Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt. Auch wenn die Täter minderjährig sind, können sie zu hohen Schmerzensgeldern verurteilt werden.

Stand: 06.02.2017, 09:40