Ausstellung der Bundesnetzagentur: Spione im Kinderzimmer

Ein Teddybär

Ausstellung der Bundesnetzagentur: Spione im Kinderzimmer

Von Sebastian Tittelbach

  • Bis August Ausstellung über verbotene Produkte in Bonn.
  • Behördenchef: Kontrolle des Internethandels schwierig.
  • Verbraucher sollen auf Kennzeichen und deutsche Anleitung achten.

Die Ausstellung zeigt seit Dienstag (18.07.2017) gefährliche Produkte, die die Behörde aus dem Verkehr gezogen hat.

Knuffig und brandgefährlich

Klein und knuffig ist der Teddybär: mit seinem braunen Fell und dem blauen Jäckchen. Damit kann man sogar den Handyakku laden. Süß sei der Teddy schon, gibt Uwe Saalmann zu, aber auch brandgefährlich: "Das sollte man nicht benutzen, weil das Fell und der Stoff Feuer fangen könnte." Saalmann ist bei der Bundesnetzagentur zuständig für die Marktüberwachung. Für Kinderhände sei der Teddy nichts, aber genau richtig für die Ausstellung der Behörde. Die Bundesnetzagentur hat ihre Asservatenkammer geöffnet, in der sich laut Behördenchef Jochen Homann einiges angesammelt hat: "Wenn Sie sich vorstellen, dass wir allein im vergangenen Jahr zusammen mit dem Zoll über eine Million Produkte aus dem Markt genommen haben, zeigt das schon, dass wir viel unterwegs sind."

Gefährliche Produkte nicht nur aus China

Ein Messgerät misst 120 Grad auf dem Griff eines Glätteisens

120 Grad werden es am Griff dieses Glätteisens

Die Zahl der aus dem Verkehr gezogenen Produkte hat sich damit seit 2014 mehr als verdoppelt. Darunter finden sich Ramschprodukte wie der Einbaustrahler aus einem China-Markt für 2,50 Euro. Sein Netzteil sendet Störfrequenzen, das Plastikgehäuse heizt sich auf. Aber längst nicht alles kommt aus Asien. Die elektrische Glättbürste aus den Niederlanden erhitzt nicht nur die Haare, sondern auch die Hände der Benutzerin auf 120 Grad. Die Retro-Glühbirne aus Dänemark stört den Radioempfang oder die Internetverbindung, wie Saalmann vorführt: "Über das Stromnetz breiten sich die Störungen aus und die Folge ist: Lampe an, Internet weg.

Auch einwandfreie Produkte können zum Störsender werden

Gefährliche Flugdrohnen, brennende Steckdosenleisten, verbotene Handystörsender oder Radiowecker, die den Polizeifunk stören, stecken in den Vitrinen. Was die Bundesnetzagentur nicht bei Testkäufen entdeckt oder der Zoll schon bei der Einfuhr gestoppt hat, spüren die Funkmesstrupps der Behörde auf. Messbeamter Norbert Neitzel und seine Kollegen treffen bei ihren Einsätzen mit dem Peilmesswagen oft auf überraschte Gesichter. Denn auch einwandfreie Geräte altern und können sich so in Störsender verwandeln: "Die Geräte verselbstständigen sich. Sie kaufen die im guten Glauben ein und irgendwann erzeugen die ein Störspektrum, das da nicht hingehört."

Bundesnetzagentur will Händler in den Fokus nehmen

Vor allem der Online-Handel bereitet der Bundesnetzagentur große Probleme. Ständig tauchen neue Händler mit dubiosen Produkten auf. Die will die Behörde nun stärker im Blick behalten, kündigt Jochen Homann an: "Im vergangenen Jahr ist der Bußgeldrahmen erhöht worden, den haben wir bisher nicht genutzt, weil wir die Händler und Hersteller in der ersten Phase eher beraten haben. Aber wir haben jetzt die Möglichkeit, auch strenger vorzugehen."

"Cayla" spioniert im Kinderzimmer

Unter den verbotenen Produkten sind auch Spionageartikel. Im Februar sorgte die Spielzeugpuppe "Cayla" für Schlagzeilen. Man konnte sich mit ihr unterhalten, allerdings konnten der Hersteller und auch Hacker mithören, was im Kinderzimmer passiert. Die Ausstellung soll Verbraucher auf solche Fälle aufmerksam machen, damit sie selbst besser hinschauen. Auch wenn es laut Uwe Saalmann immer schwerer werde, als Laie dubiose Produkte zu erkennen. Misstrauisch sollte man werden, wenn das "CE"-Kennzeichen oder die deutsche Bedienungsanleitung fehlt.  

Bis Mitte August ist die Ausstellung am Bonner Sitz der Behörde zu sehen. Danach geht es unter anderem nach Berlin und Mainz. 

Ausstellung der Bundesnetzagentur: Spione im Kinderzimmer

Von Sebastian Tittelbach

Die Bundesnetzagentur öffnet von Dienstag (18.07.2017) an ihre Asservatenkammer. Eine Ausstellung zeigt gefährliche Produkte, die die Behörde aus dem Verkehr gezogen hat. 

Ein Peilmesswagen der Bundesnetzagentur

Ein Peilmesswagen der Bundesnetzagentur.

Ein Peilmesswagen der Bundesnetzagentur.

Ein Störsender in Zigarettenschachtelformat.

Diese Weihnachtsbeleuchtung stört den Radioempfang.

Ein Messbeamter sucht die genaue Störquelle der Weihnachtsbeleuchtung.

Lauschangriff im Kinderzimmer - die Spionagepuppe "Cayla".

Ein Abhörgerät mit SIM-Karte.

Der Griff dieser Haarglättbürste heizt sich auf bis zu 120 Grad auf.

Behördenchef Jochen Homann will den Onlinehandel stärker überwachen - dort würden immer mehr dubiose Produkte verkauft werden.

Stand: 18.07.2017, 14:45