Seilbahn-Idee für Bonn wird konkret 

Bürgerinfo zur Bonner Seilbahn

Seilbahn-Idee für Bonn wird konkret 

  • Machbarkeitsstudie: Bedarf für 7.000 Personen pro Tag 
  • Geteiltes Echo bei Bürgerinformation
  • Fertigstellung frühestens 2021 denkbar

Die Stadt Bonn hat am Dienstagabend (16.05.2017) eine Machbarkeitsstudie zu einer Seilbahn in Bonn vorgestellt. Das Echo der Besucher zu den Plänen war geteilt.

Noch schweben keine Gondeln über der Stadt, doch laut einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadtverwaltung lohnt sich das Millionenprojekt. 

Gutachter schlagen 4,3 Kilometer lange Trasse vor

Was es von der Seilbahn zu sehen gibt, ist nur eine Menge Papier. Anderthalb Jahre haben Gutachter geplant und gerechnet. Das Ergebnis stimmt den Bonner Stadtbaurat Helmut Wiesner optimistisch. Demnach sei die Seilbahn technisch machbar, nicht so teuer wie gedacht und betriebswirtschaftlich sinnvoll.

Bürgerinfo zur Bonner Seilbahn

Gutachter Thomas Baum rechnet mit 7.000 Fahrgästen täglich

Die Gutachter haben mehrere Routen überprüft und empfehlen die so genannte Nordtrasse. Von den Unikliniken auf den Venusberg geht es bergab bis ins ehemalige Regierungsviertel. Möglich ist eine Verlängerung über den Rhein. 4,3 Kilometer wäre die Trasse lang, die Fahrzeit beträgt eine knappe Viertelstunde. Und laut Gutachter Thomas Baum werden etwa 7.000 Fahrgäste pro Tag die Seilbahn nutzen: "Unsere Verkehrsmodellrechnungen weisen auf ein großes Umstiegspotenzial hin, weil eben viele Leute nur sehr ungünstig zum Venusberg kommen können."

42 Millionen Euro werde die innerstädtische Seilbahn kosten, 90 Prozent soll das Land NRW zahlen. Für den Betrieb sei dann noch einmal ein jährlicher Zuschuss von unter einer Million Euro nötig, rechnen die Gutachter vor. 

Bürgerinitiative bestreitet Verkehrsprobleme am Venusberg

Auf einer Bürgerinformation zu der Seilbahn gehen die Meinungen über das Projekt auseinander. Ein Medizinstudent hofft, durch die Seilbahn noch während seines Studiums dem täglichen Stau zu entkommen. Eine Anwohnerin will keine Baustelle mit ungewissem Ausgang. 

Die Idee für die Bonner Seilbahn ist schon mehrere Jahrzehnte alt. Mit ihr sollen unter anderem Mitarbeiter, Patienten und Besucher ohne Stau die Unikliniken auf dem Venusberg erreichen. Doch Gundolf Reichelt von der Initiative "Bonn bleibt Seilbahnfrei" bestreitet diese Verkehrsprobleme. Zwar gebe es ein Parkplatzproblem, "aber das kann man mit einer Seilbahn sicher nicht lösen." Außerdem sei die Seilbahn unwirtschaftlich, helfe nicht beim Klimaschutz und Anwohner müssten entlang der Trasse Lärm, Schatten und neugierige Blicke von oben befürchten.

Planungsamt der Stadt sieht mehr Vorteile als Nachteile

Dennoch hält Helmut Haux vom städtischen Planungsamt an der Seilbahn fest: "Die Einwohnerzahl wird wachsen, die Mobilität wird zunehmen. Mehr Busse können da nicht helfen, weil die auch im Stau stehen. Da ist natürlich die Seilbahn ein gutes Mittel, die Situation verbessern."

Die Gutachter sehen Gondeln für bis zu zehn Personen vor, in die auch Fahrräder und Rollstühle passen. Doch die Bonner werden laut Stadtbaurat Wiesner noch warten müssen, bis sie einsteigen können. Das Planfeststellungsverfahren dauere drei bis fünf Jahre, die Bauzeit noch einmal ein Jahr. Kommenden Monat ist eine weitere Bürgerinformation geplant. Das letzte Wort zu dem Projekt hat der Stadtrat.

Stand: 17.05.2017, 08:46