Bonner Kransturz: Polizei prüft Baugefährdung

Ein Gebäude, das abgerissen wird, neben dem Bonner Hauptbahnhof.

Bonner Kransturz: Polizei prüft Baugefährdung

Von Christoph Hensgen

  • Spontane Straßensperrung verhindert Katastrophe
  • Sachverständige erforschen Unglücksursache
  • Nur Schutt darf weiter abgefahren werden

Zwei Tage nach dem spektakulären Kran-Unfall am Bonner Hauptbahnhof steht die Ursache offenbar fest: Vermutlich hat ein Bagger-Fahrer aus Versehen dafür gesorgt, dass der mobile Kran umgekippt ist. Sicher ist: dass am Samstag (17.06.2017) niemand auch nur verletzt wurde, ist riesiges Glück.

Die Abriss-Arbeiten auf der Baustelle sind vorerst gestoppt – auch wenn dort weiter Bauschutt weggeräumt wird. Das Amt für Arbeitsschutz hat Ermittlungen aufgenommen. Außerdem prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft, ob der Unfall strafrechtliche Konsequenzen haben könnte.

Straße kurz zuvor gesperrt

Eine Baustelle neben dem Bonner Hauptbahnhof.

Die Fahrbahn war zum Glück komplett gesperrt

Es passiert am Samstag, gegen 14.30 Uhr. Die Abrissarbeiten an der Südüberbauung sind in vollem Gange. Nach ersten Erkenntnissen ist der Fahrer eines Baggers mit Greifarm gerade dabei, ein mehrere Tonnen schweres Betonteil von der Baustelle zu entfernen. "Weil bei den komplizierten Arbeiten schon etliche Schuttteile auf die Fahrbahn vor dem Hauptbahnhof geschleudert wurden, ist die Straße dann sicherheitshalber ganz gesperrt worden", erklärt Robert Scholten, Sprecher der Bonner Polizei.

Betonteil fällt in Schutzmatte und zieht Kran nach vorne

Kran am Bonner Hauptbahnhof

Der Baukran kippte auf das Vordach des Bahnhofsgebäudes

Weder Autos, noch Busse und Bahnen oder Fußgänger dürfen zwischen Baustelle und Hauptbahnhof lang – diese Entscheidung rettet möglicherweise sogar Menschenleben. Denn als das Betonteil am Bagger hängt, soll der Arbeiter die Kralle seines Baggers aus Versehen geöffnet haben. Die tonnenschwere Last kippt genau in eine rund 15 Meter hohe Schutzmatte, die an dem großen Baukran befestigt ist. Dadurch wird der Baukran nach vorne gezogen. Er kippt auf das Vordach des Bahnhofsgebäudes.

Oberleitungen der Straßenbahn abgerissen

Ein Mitarbeiter von der DB Sicherheit vor der Unfallstelle.

Der Kran riss auch Stromleitungen herunter

Besonders gefährlich: der Kran reißt auch die Oberleitungen der Straßenbahnlinie herunter. Zum Glück wird auch von den Stromleitungen niemand getroffen. Sofort wird der Sicherheitsbereich noch einmal erweitert. Auch weil die Feuerwehr befürchtet, dass der Kran bei der Bergung in die falsche Richtung kippen könnte.

Hauptbahnhof und andere Gebäude evakuiert

Eine Baustelle neben dem Bonner Hauptbahnhof.

Hier ging bis zum Abend gar nichts mehr

Der komplette Hauptbahnhof sowie die angrenzenden Gebäude in Richtung Innenstadt, wo unter anderem ein McDonalds-Restaurant und die VR-Bank untergebracht sind, werden komplett evakuiert. Der Zugverkehr der Deutschen Bahn muss während der Bergung eingestellt werden. Bis zum Abend geht an der Unglücksstelle gar nichts mehr. Gegen 20 Uhr haben drei Zusatzkräne den mobilen Kran wieder aufgerichtet. Dann wird er abgebaut. Die Arbeiten der Bonner Stadtwerke an der auf einer Länge von 500 Metern beschädigten Oberleitung dauern sogar bis 23:30 Uhr.

Abriss vorerst gestoppt

Umgekippter Kran am Bonner Hauptbahnhof

Es wird geprüft ob der Unfall auch strafrechtliche Konsequenzen hat

Heute (19.06.2017) wird auf der Baustelle weiter Schutt weggeräumt – der Investor hat aber den Abriss des Gebäudes bis auf weiteres unterbrochen. Das Bauordnungsamt der Stadt lässt sich über die weiteren Schritte auf der Baustelle informieren. Das tun auch Polizei und Staatsanwaltschaft: "Unsere Ermittler aus dem Kriminalkommissariat 11 prüfen zusammen mit der Staatsanwaltschaft, ob der Unfall auch strafrechtliche Konsequenzen hat", erklärt Polizeisprecher Robert Scholten. "Denkbar wäre der Verdacht der Baugefährdung."

Ein Kran, der in ein Dach gekippt ist.

Die Beschädigungen halten sich in Grenzen

Im Verlaufe des Tages wird ein Gutachter das Dach des Hauptbahnhofes unter die Lupe nehmen. Allerdings scheint der Schaden dort nicht besonders groß zu sein. "Die Dachhaut ist natürlich beschädigt – aber im Endeffekt halten sich die Beschädigungen in Grenzen", sagte eine Bahnsprecherin dem WDR.

Stand: 19.06.2017, 13:52