Hängepartie um Bonner Pantheon

Hängepartie um Bonner Pantheon

Von Wolfgang Zimmer

Der Umzug des Bonner Pantheon Theaters in die Beueler Schauspielhalle ist nach wie vor ungewiss. Eigentlich wurde für heute (Montag, 18.07.) eine Entscheidung erwartet, doch weder die Stadt Bonn noch die Pantheon-Besitzer haben sich bisher dazu geäußert. Am Wochenende (16./17.07.) fiel der vorerst letzte Vorhang.

Es war ein krönender Abschluss. Mit dem Varietéspektakel "La Fable" ist nach knapp 30 Jahren im Bonner Kabaretttheater Pantheon am Wochenende der letzte Vorhang gefallen. Wie es jetzt mit dem bundesweit bekannten Theater weitergeht, weiß niemand. Der lange geplante Umzug in die Beueler Schauspielhalle entpuppt sich mehr und mehr als Hängepartie. Auch wochenlange Verhandlungen haben bisher kein konkretes Ergebnis gebracht.

Dabei hätte alles so schön sein können: Nach den ursprünglichen Plänen, die zwischen Pantheon und Stadt Bonn ausgehandelt worden waren, sollte die Sommerpause verlängert und für den Umzug vom Bonn-Center am Bundeskanzlerplatz in die Schauspielhalle in Beuel – eine ehemalige Jutefabrik – genutzt werden. Da das Bonn-Center abgerissen wird, gab es dort für die Kabarettbühne keine Zukunft mehr.

Verträge waren schon unterschriftsreif

Ein Mann mit weiß-grauem Haar und Brille.

Für OB Ashok Sridharan kam die Kehrtwende unerwartet

Die Verträge lagen unterschriftsreif bereit. Doch dann kam die Absage von Theaterchef Rainer Pause, verbunden mit heftigen Vorwürfen an die Stadt Bonn. Immer wieder habe die Verwaltung den Pantheoniken Knüppel zwischen die Beine geworfen und den geplanten Start im November verzögert. Die Bauarbeiten, so die künstlerische Leiterin des Pantheons, Martina Steimer, hätten sich immer wieder verzögert. Der geplante Start im November sei dadurch unmöglich geworden. Allein die Absage der Novembertermine bedeuteten laut Steimer für das Pantheon Einkommensverluste im sechsstelligen Euro-Bereich.

Auch die Vertragsgestaltung erwies sich aus Sicht der Pantheonleitung als ausgesprochen schwierig. Immer wieder seien Punkte im Vertrag aufgenommen worden, die vorher nicht abgesprochen waren. Pantheonchef Rainer Pause zog schließlich die Reißleine und sagte den Umzug ab. Für Oberbürgermeister Ashok Sridharan kam die Kehrtwende völlig unerwartet. Die Stadt, so der OB, habe immer alles dafür getan, um das Pantheon in Bonn zu behalten.

Verhandlungsmarathon mit der Stadt

Rainer Pause bei der Stunksitzung

Rainer Pause müsste aus eigener Tasche 400.000 Euro investieren

Seit der Absage läuft hinter verschlossenen Türen ein Verhandlungsmarathon. Immer wieder trafen sich der Oberbürgermeister, der Kulturdezernent und die Pantheonleitung zu Gesprächen. Schließlich willigte Rainer Pause ein, seine Absage noch einmal zu überdenken. Ob das Pantheon aber wirklich in Beuel einen Neubeginn erlebt, weiß noch niemand. Für Rainer Pause ist das Risiko hoch. Der 69-Jährige, so sieht es der Vertrag vor, müsste 400.000 Euro aus eigener Tasche in die Neugestaltung der Schauspielhalle investieren. Außerdem müsste er eine Bürgschaft in Höhe einer halben Million Euro nachweisen.

Gesprächsinhalte streng geheim

Aus den Geheimgesprächen ist bislang nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Auch Kommunalpolitiker, die sich nach dem Inhalt der Gespräche erkundigen, haben bisher nichts erfahren. Sie werden- ebenso wie Lokaljournalisten - immer wieder von einem Tag auf den nächsten vertröstet. Einen ersten Lichtblick gab es beim Beueler Promenadenfest vor einer guten Woche, wo sich die Pantheonleitung an einem Plakat der "Beueler Kultur" beteiligte. Viele sahen das bereits als Bestätigung dafür, dass die Bühne jetzt in Beuel aktiv wird. Konkrete Informationen gibt es aber nicht, weder mündlich noch schriftlich.

Die Stadt Bonn will das bundesweit bekannte Kabaretttheater unbedingt halten. Derzeit weiß aber noch niemand, ob die Zukunft des Pantheons wirklich gesichert ist.

Stand: 18.07.2016, 13:04