Bonn-Center wird beim Straßenbau wiederverwertet

Bonn-Center wird beim Straßenbau wiederverwertet

Von Jochen Hilgers

  • 35.000 Tonnen Bauschutt
  • Neues Hochhaus bis 120 Meter Höhe
  • Baubeginn frühestens 2018

Nach der Sprengung des Bonn-Centers geht es jetzt ans Aufräumen. Das wird Wochen dauern. Obwohl auch das Abtransportieren des Schutts sehr präzise geplant ist. Das Bonn-Center verschwindet dann komplett von der Bildfläche – aber keineswegs ungenutzt.

Das Bonn Center einen Tag vor seiner Eröffnung 1969

Das Bonn Center einen Tag vor seiner Eröffnung 1969.

Fast 49 Jahre drehte sich ein meterhoher Mercedes-Stern Tag und Nacht auf seinem Dach. Ein edles Hotel, ein Theater, eine Bowlingbahn, zahlreiche Geschäfte und Büros für Korrespondenten, Politiker und Praxisräume für Ärzte waren dort im Laufe der Jahre untergebracht. Nach der Sprengung wird jetzt erst einmal aufgeräumt.  In den kommenden Monaten müssen fast 35.000 Tonnen Schutt abtransportiert werden.

Wiederverwertung ist Trumpf

Nur ein Haufen Schutt ist am 19.03.2017 in Bonn nach der Zündung einer kontrollierten Sprengladung vom Bonn-Center zu sehen.

Fast 35.000 Tonnen Schutt müssen abtransportiert werden.

Zunächst werden die Stahlteile aussortiert, da die gesondert wiederverwertet werden. Der Bauschutt wird zerkleinert und später als Untergrund zum Straßenbau verwendet, sagt Architekt Olaf Drehsen. Drehsen ist Gesellschafter eines renommierten Kölner Architekturbüros JSWD, das den Neubau plant. Von jetzt an wird es mehr als anderthalb Jahre bis zum Baubeginn des neuen sogenannten Stadtquartiers Bundeskanzlerplatz dauern. Auf dem Gelände des Bonn-Center entstehen mehrere Gewerbeimmobilien. Untergebracht in drei Baukörpern und einem Hochhaus, das bis zu 120 Meter hoch sein könnte. Zum Vergleich: der Post-Tower ist 162,5 Meter hoch, der "Lange Eugen" 115 Meter. Über die genaue Höhe verhandeln Stadt Bonn und Investor allerdings noch. In dem neuen Komplex wird es Büros, Restaurants, Läden und möglicherweise ein Hotel geben.

Bonn boomt weiter

Bonn Center

Das Bonn-Center ist Geschichte.

Bonn verändert damit immer weiter sein Gesicht. 2003 wurde das an der B9 gelegene Konrad-Adenauer-Haus, die frühere CDU-Parteizentrale gesprengt. Jetzt das Bonn-Center. Die Erinnerungen an die Bonner Republik werden damit Stück für Stück weniger. Die B9, die ehemalige Diplomatenrennstrecke, ist mittlerweile gesäumt von großen, exklusiven Bürogebäuden. Genutzt werden die nicht nur von Telekom, Post und Postbank. Auch Kanzleien und Unternehmensberater haben sich dort niedergelassen. Mit dem Neubau auf dem Gelände des Bonn-Centers wird sich die Gewerbefläche weiter deutlich erhöhen, ohne dass die Investoren ein Überangebot fürchten.

Drei, zwei, eins - und weg!

Von Katja Goebel (Text) und Anke Westermann (Fotos)

Das Bonn-Center am Bundeskanzlerplatz ist nun Geschichte. 18 Stockwerke rauschten auf Knopfdruck in nur rund vier Sekunden in die Tiefe. Übrig blieb ein Schutthaufen in einer riesigen Staubwolke.

Gebäude vor der Sprengung

Bonn muss künftig auf eines der zentralen Gebäude der Bonner Republik verzichten: Das Bonn-Center am Bundeskanzlerplatz wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das Bild zeigt den letzten Blick auf das Gebäude - Sekunden vor der Sprengung.

Bonn muss künftig auf eines der zentralen Gebäude der Bonner Republik verzichten: Das Bonn-Center am Bundeskanzlerplatz wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das Bild zeigt den letzten Blick auf das Gebäude - Sekunden vor der Sprengung.

Die Straßen rund um das altersschwache Hochhaus wurden weiträumig gesperrt. Auch eine nahe Bahnstrecke musste lahm gelegt werden. (Foto: dpa)

Erst ertönte eine Hupe der Feuerwehr. Kurze Zeit später wurde eine 400 Meter lange Zündschnur elektronisch von Sprengmeister Eduard Reisch gezündet. Innerhalb von rund vier Sekunden brach das Gebäude in sich zusammen. Die nahe Bahnbrücke vibrierte unter der gewaltigen Detonation.

Das 60 Meter Hochhaus mit seinen 18 Stockwerken war zunächst entkernt worden. Erst wurden die unteren Stützen gesprengt, dann gab es eine zweite Sprengung und der Koloss rutschte in das Fallbett hinein.

Für die 250 Kilo Sprengstoff wurden 1.500 Löcher in den Rohbau gebohrt. Solche Ladungen können nur mit einer speziellen Vorrichtung gezündet werden.

Bewohner von sieben Häusern mussten ihr Heim während der Sprengung verlassen. Aus sicherer Entfernung von 200 Metern durfte aber zugeschaut werden. Die Sprengung wurde monatelang vorbereitet, bevor sie schließlich zum Publikumsmagneten wurde. (Foto: dpa)

Nach dem großen Knall applaudierten die Zaungäste.

Die Feuerwehr hatte zuvor mit Wasser eine bis zu zwölf Meter hohe Nebelwand gegen die riesige Staubwolke errichtet, die für Minuten den Ort einhüllte.

Jetzt muss der Schutt und die Baugrube weggeräumt werden – dann erinnert gar nichts mehr an das einstige Hochhaus.

Ab Anfang 2018 soll an derselben Stelle ein bis zu 120 Meter hohes Bürogebäude entstehen, 2020 soll es fertig sein. Das Bauprojekt nennt sich "Der neue Kanzlerplatz". Der Turm soll das drittgrößte Gebäude Bonns werden. (Foto: dpa)

Jetzt schon Interessenten für das neue Veedel

Architekt Drehsen hält Bonn nach wie vor für einen überaus attraktiven Standort. Das würde auch die Nachfrage belegen, die der Investor „Art-Invest“ jetzt schon für das Projekt habe, obwohl es noch einige Jahre dauern wird, bis es fertiggestellt ist.

Bauschutt vom einem gesprengten Gebäude, im Hintergrund Häuser und Menschen mit gelben Warnwesten.

Bonn befindet sich im stetigen Wandel.

In Bonn drehen sich die Kräne wie in den achtziger Jahren. Da entstanden die meisten Ministeriumsneubauten, die schon kurz darauf gar nicht mehr in dem Maße gebraucht wurden. Die Sprengung, die Bonn am Sonntag für Sekunden erschütterte, ist also kaum etwas anderes als die akustische Begleitung des steten Wandels. 

Stand: 20.03.2017, 13:36