Bonn-Center: Der Sprengmeister bleibt zu Hause

Bonn-Center

Bonn-Center: Der Sprengmeister bleibt zu Hause

Von Jürgen Kleikamp

Das Bonn-Center, eines der Wahrzeichen der Bundesstadt, wird aller Voraussicht nicht gesprengt. Das Gebäude wird ab sofort (28.09.2016) Etage für Etage abgetragen. In dem Flachbau wurde mit der Entkernung und der Demontage begonnen, frühestens ab November ist das Hochhaus fällig.

Pünktlich zum Beethovenjahr 2020 soll der neue Bürokomplex an dieser Stelle fertig sein. Das Abrissunternehmen hatte zunächst mit einer Sprengung geliebäugelt, weil diese deutlich schneller und deutlich preiswerter über die Bühne gegangen wäre. Aber eben auch gefährlicher ist. Nicht zuletzt die am Bonn-Center gelegene Bahnstrecke stellt für eine Sprengung Probleme dar.

Risiko an der Bahnstrecke zu hoch

Bonn-Center

Eine Sprengung des Gebäudes ist riskant

Eine Stunde, so lange hätte die Sprengung gedauert, hätte man die Bahnstrecke sperren können. Ein bezahlbarer Plan. Aber wenn durch herabstürzende Gebäudeteile das Gelände der Bahn länger, gar über mehrere Tage, hätte gesperrt werden müssen, könnte das unübersehbare finanzielle Folgen haben.

Thomas Leise, Projektverantwortlicher der Art-Invest im Gespräch mit dem WDR-Studio Bonn: "Bei solchen Bauvorhaben wird natürlich jede Option geprüft. Auch eine Sprengung. Wir wollen einfach kein Risiko eingehen, schließlich liegt das Bonn-Center nicht nur an einer Bahnstrecke, sondern auch noch in einem Wohngebiet. Daher wäre eine Sprengung nur unter extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen denkbar."

60.000 Quadratmeter Bürofläche im Beethovenjahr fertig

Bonn-Center

Das Bonn-Center mit dem Mercedes-Stern

Auch wenn nun Etage für Etage abgetragen werden muss, soll der neue Gebäudekomplex am Bundeskanzlerplatz pünktlich eröffnet werden. Thomas Leise: "Wir wollen pünktlich zum Beethovenjahr 2020 fertig sein. Die unverzichtbare Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn funktioniert von Beginn an sehr gut, so dass wir auch optimistisch sind, den Termin halten zu können. Unwägbarkeiten gibt es bei einem solchen Großprojekt natürlich auch häufig, aber wir realisieren so etwas ja nicht zum ersten Mal." Das bedeutet, dass 60 000 Quadratmeter neue Bürofläche im Beethovenjahr neu bezogen werden sollen. Wer den Komplex dann nutzen wird, ist noch offen.

Symbolträchtiger Stern hat noch keine klare Zukunft

Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich auch, was mit dem weit über die Stadtgrenzen hinaus leuchtenden Mercedes-Stern auf dem 1969 fertig gestellten Bonn-Center wird. Schließlich war er nicht nur ein Werbeträger für den Autokonzern, er sollte auch die Solidarität der damaligen Bundeshauptstadt zur damals noch geteilten Stadt Berlin symbolisieren. So diente das Bonn-Center quasi als Gegenstück zum Berliner Europa-Center, auf dem sich auch ein Mercedes-Stern drehte. Aber auch die Zukunft des symbolträchtigen Sterns ist noch völlig ungeklärt.

Das Europa-Center in Berlin

Das Europa-Center in Berlin

Thomas Leise erklärt dazu: "Mercedes hat nur die Dachfläche gemietet, der Stern selbst gehört dem Autokonzern und selbstverständlich kann er darüber frei verfügen." Möglicherweise könnte der Stern ja auch anderswo in Bonn ein nettes Plätzchen finden. Sozusagen als kleine Gegenleistung. Die Bundeshauptstadt Berlin zeigt so ihre Solidarität mit der Bundestadt Bonn, deren Status von diversen Bundesministern immer mehr zerpflückt wird. Häppchen für Häppchen. So wie jetzt das Bonn-Center.

Stand: 28.09.2016, 15:05