Hotpants an Neusser Berufskolleg nicht erwünscht

Bildschirm im Treppenhaus des Erzbischöflichen Berufskollegs Marienberg

Hotpants an Neusser Berufskolleg nicht erwünscht

Am Erzbischöflichen Marienberg-Berufskolleg in Neuss hatte eine Anzeigetafel für Aufsehen gesorgt, die die Schülerinnen darauf hinwies, sich angemessen zu kleiden.

Stein des Anstoßes war ein Info-Bildschirm im Flur der Schule, auf dem bisher zwei Bilder zu sehen waren: Eine Frau mit bauchfreiem T-Shirt und eine mit Hotpants - beide Abbildungen jeweils rot durchgestrichen. Dazu hieß es auf der digitalen Anzeigetafel: "Als stilsichere Marienbergerinnen sollten Sie durch die Schönheit Ihres Charakters überzeugen und nicht durch die Schönheit Ihres Körpers". Sprich: Die Schülerinnen des katholischen Berufskollegs - einer reinen Mädchenschule - sollen in der heißen Jahreszeit auf zu kurze Hosen und bauchfreie Oberteile verzichten.

"Eigenverantwortlicher Umgang mit dem äußeren Auftreten"

"Normalerweise sprechen wir an den ersten warmen Tagen im Jahr mit den Schülerinnen persönlich über das Thema Kleidung", erklärte Abteilungsleiter Matthias Holländer am Freitag (19.05.2017) dazu. Als berufsvorbereitende Schule wolle man den eigenverantwortlichen Umgang der Schülerinnen mit ihrem äußeren Auftreten stärken. Durch zahlreiche Krankheitsfälle seien die Gespräche in diesem Jahr aber nicht leistbar gewesen, daher der schriftliche Hinweis per Info-Screen. "Wir schreiben nichts vor, wir sanktionieren auch niemanden", so Holländer, es gebe auch keine Vorgaben seitens des Schulträgers, dem Erzbistum Köln.

Anweisung ärgerte Gymnasiastinnen der Nachbarschule

Eingangstür des Erzbischöflichen Berufskollegs Marienberg

Zwei erzbischöfliche Schulen teilen sich das Treppenhaus

Nach Angaben der Schulleitung sei der Hinweis auf eine angemessene Kleidung seit vielen Jahren üblich. Dass die Aufforderung in diesem Jahr für Verwirrung sorgt, liege daran, dass die Anzeigetafel in einem Treppenhaus hängt, das auch Schülerinnen des benachbarten Gymnasiums nutzen. Von dort war offenbar Kritik zu hören, weil man sich die Kleidung nicht vorschreiben lassen wolle. Abteilungsleiter Holländer beteuerte, am Berufskolleg bislang nichts Negatives dazu gehört zu haben. Mittlerweile ist der Kleidungshinweis von der Anzeigetafel gelöscht.

Kleiderordnung an NRW-Schulen ungesetzlich

Schulen in Nordrhein-Westfalen dürfen keine verbindlichen Kleiderordnungen für ihre Schüler vorgeben. Über einheitliche Schulkleidung könnten Einrichtungen innerhalb von Schulkonferenzen mit Lehrern, Schülern und Eltern entscheiden, sagte eine Sprecherin des Schulministeriums. Auch diese seien aber nicht verbindlich und nur als Empfehlungen zu sehen. Letztlich bleibt es dabei: Jeder kann tragen, was er möchte.

Stand: 19.05.2017, 16:00