Kardinal Meisner findet letzte Ruhe im Kölner Dom

Der Sarg des verstorbenen Kardinals Joachim Meisner wird am 15.07.2017 in einer Prozession von der romanischen Basilika St. Gereon zum Dom in Köln geleitet

Kardinal Meisner findet letzte Ruhe im Kölner Dom

Von Jochen Hilgers

  • Meisner in Bischofsgruft im Kölner Dom beigesetzt.
  • 50 Kardinäle und Bischöfe unter Trauergästen.
  • Kardinal als "großer Apostelnachfolger" gewürdigt.

Allenfalls Stehplätze gab es noch, als im Kölner Dom bei einem Trauergottesdienst Abschied von Kardinal Joachim Meisner genommen wurde, der ehemalige Erzbischof des größten deutschen Bistums.

Die Predigt im Dom hielt ein enger Freund Meisners, der Primas von Ungarn, Kardinal Peter Erdö. Er erinnerte an die jahrzehntelange Verbindung Meisners nach Ost- und Mitteleuropa. Erdö zeigte sich in seiner Predigt beeindruckt vom Lebenswerk und dem festen Glauben Meisners. Er nannte ihn einen der großen Apostelnachfolger unserer Zeit.

Überraschende Auftritte

Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (l) nimmt am 15.07.2017 neben dem ehemaligen Bischof von Augsburg, Walter Mixa, an einer Prozession für den verstorbenen Kardinal Joachim Meisner in Kölnteil.

Ex-Bischof Tebartz-van Elst (li.) bei Trauerzug

50 Kardinäle und Bischöfe waren zur Beisetzung angereist, darunter auch der umstrittene, ehemalige Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Apostolische Delegat im Päpstlichen Rat hatte nicht auf der gestern vom Erzbistum veröffentlichten Gästeliste gestanden.

Ebenso überraschend meldete sich Papst Benedikt XVI. zu Wort - übermittelt in einem von Erzbischof Georg Gänswein verlesenen Grußwort. Benedikt erinnerte an Meisners "Liebe zu den Kirchen in den Nachbarländern im Osten, die unter der kommunistischen Verfolgung gelitten hatten". Es sei Meisner 2014 schwer gefallen, aus seinem Amt als Erzbischof von Köln zu scheiden. "Um so mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode seines Lebens loszulassen gelernt hat."

Die Gläubigen quittierten Benedikts Grußwort mit spontanem Applaus. Benedikt und Meisner waren sich über Jahrzehnte verbunden.

Letztes Geleit für Kardinal Meisner

Meisners Mitra auf seinem Sarg

Am Samstag (15.07.2017) wurde Kardinal Meisner im Kölner Dom zu Grabe getragen. Zur Trauerfeier kamen Dutzende von Erzbischöfen und Kardinälen, auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erwies Meisner die letzte Ehre.

Am Samstag (15.07.2017) wurde Kardinal Meisner im Kölner Dom zu Grabe getragen. Zur Trauerfeier kamen Dutzende von Erzbischöfen und Kardinälen, auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erwies Meisner die letzte Ehre.

Joachim Meisner war am 5. Juli im Alter von 83 Jahren während eines Urlaubs im niederbayerischen Bad Füssing gestorben. Der gebürtige Breslauer wirkte lange in der DDR und war Bischof von Berlin, ehe er von Papst Johannes Paul II. als Erzbischof an den Rhein entsandt wurde. Meisner vertrat konservative Positionen und eckte damit oft an - in der Domstadt, aber auch bei seinen Amtskollegen.

Die Kölner durften schon vor der offiziellen Trauerfeier Abschied von ihrem einstigen Hirten nehmen: Meisners Leichnam wurde mehrere Tage lang in der romanischen Basilika St. Gereon aufgebahrt, der "Heimatpfarrei" der Kölner Erzbischöfe.

Meisner liegt in einem Sarg aus schlichter Eiche und ist in sein violettes Messgewand gekleidet, das er zur Priesterweihe geschenkt bekommen hatte und immer wieder flicken ließ. Auf der Brust trägt er ein Kreuz aus Holz, in das ein Nephrit eingearbeitet ist - eine Erinerung an seine schlesische Heimat.

Von der Innenstadt-Kirche Sankt Gereon aus wurde der Sarg am frühen Samstagmorgen in einer feierlichen Prozession zum Hohen Dom gebracht. Begleitet wurde der Leichenwagen von Angehörigen des Malteser-Ordens und Rittern vom Heiligen Grab.

Meisners langjähriger Fahrer folgte dem Wagen mit der Mitra in der Hand. Ein weiterer enger Mitarbeiter trug den Bischofsstab mit der Krümme nach unten.

Auch kirchliche Vereine, Verbände und - in Köln nicht zu unterschätzen - Karnevalsvereine gaben Meisner mit ihren farbenprächtigen Fahnen das Geleit.

Fast 50 geistliche Würdenträger - Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle - folgten dem Sarg zum Dom ...

... darunter Georg Gänswein, Privatsekretär des früheren Papstes Benedikt XVI. Der hatte Gänswein ein ganz persönliches Grußwort mitgegeben, das später im Dom für eine Überraschung sorgte.

Auch Franz-Peter Tebartz-van Elst, einst umstrittener Bischof von Limburg, gab seinem Glaubensbruder die Ehre.

Als der Sarg am Kölner Dom eintraf, war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Gläubige blieben während des anderthalbstündigen Trauergottesdienstes draußen vor den Pforten stehen.

Den Ablauf hatte Meisner selbst genau geplant, sich die Lieder "Adeste fidelis" und "Segne du Maria" ausdrücklich gewünscht. Nur der "Dicke Pitter" blieb stumm: Die große Glocke muss repariert werden.

Der jetzige Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, leitete den Gottesdienst. Eigentlich hätte er auch die Predigt halten dürfen. Diese Ehre überließ er aber einem langjährigen Freund Meisners: Peter Erdö, dem Erzbischof von Esztergom-Budapest und Primas von Ungarn.

Erdö ging in seiner Predigt vor allem auf die Verdienste Meisners für die Kirchen Ost- und Mitteleuropas ein. Als Bischof von Berlin habe er in den 80er-Jahren "einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung geleistet", so Erdö.

Darin erinnerte auch Benedikt XIV in seinem Grußwort, das sein Privatsekretär Gänswein verlas. Ratzinger fand aber auch sehr persönliche Worte für den Mann, dem er über Jahrzehnte verbunden war. Der frühere Papst wusste, wie schwer es Meisner 2014 fiel, aus dem Amt zu scheiden. "Um so mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode loszulassen gelernt hat", las Gänswein vor. Eine Botschaft, mit der niemand gerechnet hatte, die aber mit viel Applaus bedacht wurde.

Nach dem Gottesdienst wurde Meisner in der Gruft der Kölner Erzbischöfe beigesetzt, inmitten einiger seiner Vorgänger. Meisner hatte sich dafür einen Platz gleich gegenüber von Kardinal Frings gewünscht, dem bei den Kölnern sehr populären geistlichen Oberhirten.

Ein fast schon intimer Moment, der der Geistlichkeit vorbehalten blieb - und Meisners Familie.

Den Trauergottesdienst zelebrierte Meisners Nachfolger Kardinal Rainer Maria Woelki. In der WDR-Morgenandacht hatte er gesagt, dass Meisner an das ewige Leben glaubte. "Wir sehen uns im Himmel", schloss Woelki seine Andacht.

Karnevalisten führten Prozession an

Zuvor gab es eine feierliche Prozession von der Basilika St. Gereon zum Kölner Dom mit dem Sarg. Die Prozession wurde angeführt von Standartenträgern aller dem Festkomitee angeschlossenen Kölner Karnevalsgesellschaften; das sind mehr als hundert.

Hans Kölschbach vertrat dabei die Altstädter und verwies dem WDR gegenüber auf das sehr gute Verhältnis von Kirchen und Karneval. Meisner hatte in seiner Amtszeit 25 Dreigestirne empfangen.

Beisetzung in der Bischofsgruft

Im unmittelbaren Anschluss an den Trauergottesdienst wurde Meisner am Mittag in der Bischofsgruft des Kölner Doms beigesetzt. Dort findet er seine letzte Ruhe zwischen zehn von seinen Vorgängern aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Kardinal Meisner war "eine beeindruckende Persönlichkeit"

WDR 5 Morgenecho - Interview | 15.07.2017 | 05:04 Min.

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Stand: 15.07.2017, 11:48