So wird Kardinal Meisner beigesetzt

Archiv: Kardinal Joachim Meisner

So wird Kardinal Meisner beigesetzt

Von Theo Dierkes

  • Beisetzung von Kardinal Meisner am Samstag (15.07.2017).
  • Trauerzeremonie wird der seiner Vorgänger ähneln.
  • Dom ab 8.30 Uhr geöffnet.
  • WDR mit umfangreicher Berichterstattung.

Die Beisetzung eines Kölner Erzbischofs ist wahrscheinlich das aufwändigste liturgische Geschehen im Erzbistum: wie eine Kombination aus Fronleichnamsprozession und Bischofsweihe.

Die Aufbahrung in der Kölner Innenstadt-Kirche St. Gereon, die Prozession mit großem Gefolge zum Kölner Dom und die Beisetzung in der Bischofsgruft unter dem Hochchor verlaufen wie bei den beiden letzten großen Bestattungen 1978 und 1987.

50.000 Menschen sollen den volkstümlichen und überaus beliebten Kardinal Frings an seiner Aufbahrungsstätte besucht haben. Auch bei Kardinal Höffner sollen Zehntausende gekommen sein, allein 15.000 standen bei ihm am Weg des Sarges von St. Gereon zum Dom.

Der verstorbene Erzbischof Kardinal Meisner ist bereits in einen schlichten Sarg aus Eiche gelegt worden. Dabei trägt er weiterhin sein violettes Messgewand, das er zur Priesterweihe geschenkt bekam und immer wieder flicken ließ.

Kardinal Meisner war "eine beeindruckende Persönlichkeit"

WDR 5 Morgenecho - Interview | 15.07.2017 | 05:04 Min.

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Die Grabbeigaben: Spiegel seines Lebens

Verabschiedung von Kardinal Meisner

Abschied in St. Gereon

Außerdem trägt er seinen Bischofsring und das Pallium. Das ist eine schmale Wollstola, die Erzbischöfen und Kardinälen vom Papst verliehen wird, Ausdruck also des Amtes. Auch die Mitra wurde mit in den Sarg gelegt, die er während der Aufbahrung auf dem Kopf trug.

Dass das Brustkreuz, das Kardinal Meisner selbst für die Bestattung bestimmt hat, ein schlichtes Holzkreuz ist, würde Papst Franziskus gefallen, der gegen zu viel Gold und Prunk bei Geistlichen predigte.

Das Kreuz ist aber auch eine Erinnerung an Meisners Heimat. Nach Angaben des erzbischöflichen Presseamtes wurde in das Kreuz ein Nephrit, ein Mineral aus Schlesien eingearbeitet.

Und wie hoch der Kardinal sein Leben in der katholischen Kirche schätzte, ist an weiteren Grabbeigaben zu sehen: Kopien von Urkunden von seiner Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweihe. Meisner hatte diese Urkunden Zeit seines Lebens in einem Kästchen aufbewahrt, das er "seine Bundeslade" nannte und von der er häufig erzählte.

Kardinal Joachim Meisner - ein Nachruf in Bildern

Kardinal Joachim Meisner ist tot. Der in Breslau geborene Meisner war zunächst Bischof von Berlin und wurde dort 1983 Kardinal. 1989 übernahm er das Amt des Erzbischofs von Köln. Ein Nachruf in Bildern.

Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, spricht bei der Vorstellung seines Buches "Froh in der Gnade Gottes" (16.11.2005)

Er selbst sah sich als "Wachhund der katholischen Kirche", als "Widerstandskämpfer Gottes" - Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, starb am Mittwoch (05.07.2017). Er wurde 83 Jahre alt.  

Er selbst sah sich als "Wachhund der katholischen Kirche", als "Widerstandskämpfer Gottes" - Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, starb am Mittwoch (05.07.2017). Er wurde 83 Jahre alt.  

Mit erhobenem Zeigefinger erlebten ihn die Kölner nicht nur bei seinen Predigten im Dom: Meisner war scharfzüngig, ein Freund klarer Worte. Mit seinem Einsatz gegen alles, was er als gottlos empfand - Homosexualität, Abtreibung, Frauenpriestertum - brachte er liberalere Christen gegen sich auf.

Weder wollten die Kölner ihn zum Erzbischof, noch wollte der Kirchenmann selbst nach Köln. Papst Johannes Paul II. war es, der seinen Freund Joachim Meisner 1989 zum Kölner Erzbischof machte - gegen den Willen des Domkapitels.

Am 10. Februar 1989 leistete Meisner seinen Amtseid vor Vertretern der Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und NRW, den beiden Ländern, über die sich das Erzbistum Köln erstreckt. Er versprach, aus der Muss-Ehe eine Liebes-Ehe zu machen.

Joachim Meisner wurde Nachfolger des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Höffner (links), hier ein Bild aus dem Jahr 1983. Zuvor war er Bischof in Berlin und Erfurt. Der 1933 in Schlesien geborene Meisner, der mit seiner Familie nach Thüringen übersiedelte, hatte zunächst Bankkaufmann gelernt, bevor er seine kirchliche Karriere begann.

Der linientreue Kirchenmann hatte nicht nur gute Beziehungen zu Papst Johannes Paul II., sondern auch zu Benedikt XVI., den er kurz nach seinem Amtsantritt zum Weltjugendtag 2005 in Köln begrüßen konnte. 

Im Jahr 2007 war Köln Gastgeber für den 31. Evangelischen Kirchentag. Meisner feierte zusammen mit dem Metropolit Augoustinos und dem Präses der rheinischen evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, im Kölner Dom einen ökumenischen Gottesdienst. Ansonsten war Meisner ökumenisch eher zurückhaltend: Ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten etwa lehnte er strikt ab.

Der Kardinal blieb auch Hardliner beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Die Abtreibungspille RU 486 bezeichnete er als "ein Tötungsinstrument" und verglich sie mit Zyklon B. Im Jahr 2005 karikierte der Düsseldorfer Rosenmontagszug den Kardinal als Hexenverbrenner.

Meisner-Schlagzeilen gab es auch 2007, als der Künstler Gerhard Richter ein abstraktes Dom-Fenster schuf und der Kardinal äußerte, es passe eher in eine Moschee und er hätte lieber ein Heiligenbild gehabt.   

Joachim Meisner stand extrem konservativen Strömungen nah, die bei liberalen Katholiken umstritten sind. Dazu gehört die Bewegung Neokatechumenaler Weg und die Laienorganisation Opus Dei.

In kein Gebiet hat der Kardinal nach eigener Aussage so viel Kraft und Energie investiert wie in den Priesternachwuchs. Und auf keinem Gebiet sei er so erfolglos geblieben. Wenn Priester zu ihm gekommen seien, die nicht mehr Priester sein wollten, hätten sie ihn an seiner "verwundbarsten Stelle" getroffen: "Das nimmt mir das Mark aus den Knochen."

Kardinal Meisner wurde von seinen Fans bejubelt und von seinen Kritikern harsch angegriffen. Er fand Kraft bei den Familien seiner drei Brüder und tröstete sich mit einem Bibelvers über die, die um Gottes Willen geschmäht oder verfolgt werden. In einem Interview sagte er einmal fast trotzig: "Ich habe immer für die Sache Gottes den Kopf hingehalten."

Der Trauerzug ist durchaus sehenswert. Die Prozession setzt sich um 9.15 Uhr an St. Gereon in Bewegung. Nach einer Gruppe Ministranten folgt eine große Zahl von Fahnenträgern, die für kirchliche Vereine und Verbände stehen.

Dann folgt die Geistlichkeit in liturgischen Gewändern, geordnet nach Rang: Seminaristen, Diakone, Priester, das Domkapitel, dann die Bischöfe, schließlich Erzbischöfe und Kardinäle. Direkt vor dem Sarg geht der derzeitige Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.

Der Trauerzug: Ritterheer und Fahnenmeer

Der Leichenwagen wird von den Malteser- und Grabesrittern begleitet, ebenfalls eindrucksvoll gekleidet, die Ritter vom Heiligen Grab etwa in weißen Mänteln mit großem roten Jerusalemkreuz, die Malteser in schwarzem Talar. Dazu kommen Vertreter des Deutschritterordens, in schwarzen Samtmänteln mit schwarzem Kreuz auf weißem Schild.

Direkt hinter dem Leichenwagen gehen zwei der engsten Mitarbeiter Meisners. Sein letzter Sekretär Monsignore Oliver Boss wird den Bischofsstab mit der Krümme nach unten tragen.

Sein langjähriger Fahrer Roman Dolecki trägt eine weitere Mitra. Ihnen schließen sich die Familienangehörigen des verstorbenen Kardinals und Vertreter des politischen und gesellschaftlichen Lebens an.

Der Trauergottesdienst: Von Meisner geplant

Den Trauergottesdienst leitet selbstverständlich der gegenwärtige Erzbischof von Köln, Kardinal Woelki. Ihm stünde auch die Predigt zu.

Nach zahlreichen Predigten etwa am Abend des Todestages seines Vorgängers und zu Beginn der Aufbahrung in St. Gereon hat Woelki jedoch nach Angaben seines Presseamtes einen langjährigen Freund Meisners dazu eingeladen: Den Erzbischof von Esztergom-Budapest und Primas von Ungarn, Kardinal Peter Erdö.

Gut möglich, dass Kardinal Meisner sich das aber auch gewünscht hat, ebenso wie er sich bereits Lieder für seine Totenmesse erbat, "Adeste fideles" und "Segne du Maria". Meisner liebte die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch daraus werden Teile vorgetragen.

Bei der musikalischen Gestaltung ebenfalls die größtmögliche Form: Mit dabei sind Mädchenchor, die Herren des Domchores, die Domkantorei und auch das Vokalensemble Kölner Dom.

Die Beisetzung: Letzte Ruhe in der Bischofsgruft

Die Beisetzung findet am Ende des Gottesdienstes in der Bischofsgruft statt. Der verstorbene Kardinal hatte vor Fernsehkameras einmal deutlich gemacht, dass er bereits entschieden habe, wo er bestattet werde. Bei wichtigen Entscheidungen sei er an sein künftiges Grab gegangen, um angesichts des Todes richtig zu liegen. Der Ritus der Bestattung wird nicht neu erfunden, er trägt aber Meisners Handschrift.

Die Besucher: Weniger als erwartet

Bei Kardinal Höffners Beerdigung im Dezember 1987 waren Kanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker gekommen.

Bislang gibt es für die Meisner-Bestattung noch keine Hinweise auf teilnehmende Bundespolitiker. Zugesagt hat seine Teilnahme allerdings zumindest Ministerpräsident Armin Laschet. Die Bevölkerung muss sich entscheiden, ob sie Meisner am Trauerzug das letzte Geleit geben will oder im Dom dabei sein kann.

Der Dom wird bereits um 8.30 Uhr geöffnet und ist für Gläubige frei zugänglich.

In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass der Leichenwagen von den Malteser- und Grabesrittern begleitet werden sollte. So hatte es des Erzbistum Köln vorab angekündigt. Tatsächlich begleiteten auch Vertreter des Deutschritterordens Meisners Sarg.

Stand: 25.07.2017, 10:59