Ausbeutung in der Ausbildung?

Der medizinisch-technische Radiologie-Assistent führt unter anderem Röntgenuntersuchungen durch

Ausbeutung in der Ausbildung?

Von Thorsten Lenze

  • Ob "MTRA" oder "Orthoptist": Diese Ausbildungen werden nicht bezahlt
  • Das Krankenhaus sagt: Es gibt keinen Tarifvertrag und darum kein Geld
  • Die Azubis müssen am Wochenende jobben, um ihre Miete zu verdienen

Der Computer-Tomograph an der Düsseldorfer Uni-Klinik ist im Dauereinsatz - alle 15 bis 30 Minuten ein neuer Patient. Das Wartezimmer ist voll, dann kommt auch noch ein Notfall rein – Schlaganfall. Denis Schatilow bedient den CT, er fertigt Röntgenbilder an, spricht mit den Patienten, bereitet sie vor, eine 38,5-Stundenwoche. Der 21-Jährige ist in seinem dritten Ausbildungsjahr, rund ein Drittel ist praktische Fortbildung, zwei Drittel der Zeit drückt er die Schulbank. Und am Wochenende, wenn andere entspannen? Da muss Denis Schatilow kellnern, damit er seine Miete zahlen kann. Denn er bekommt von der Uni-Klinik keinen Cent Gehalt.

Kein Tarifvertrag – kein Geld

Der medizinisch-technische Radiologie-Assistent führt unter anderem Röntgenuntersuchungen durch

Der MTRA begleitet Röntgenuntersuchungen

Der Grund: Es gibt keinen Tarifvertrag. Die Ausbildungskosten an Krankenhäusern und Universitätskliniken tragen die Krankenkassen. Die bezahlen aber nur das, was gesetzlich festgelegt ist. Gibt es keinen Tarifvertrag, könnten die Kliniken zwar freiwillig etwas bezahlen, bekämen das Geld aber nicht zurückerstattet. Sie müssten dann woanders sparen, beispielsweise Lehrer entlassen. Die Folge, so der Ausbildungsleiter der Uni-Klinik Düsseldorf, Matthias Grünwald: „Die Qualität der Ausbildung würde leiden.“ Neben den MTRA sind auch Physiotherapeuten und Orthoptisten betroffen.

Trost: Guter Verdienst hinterher

Der medizinisch-technische Radiologie-Assistent führt unter anderem Röntgenuntersuchungen durch

Radiologische Untersuchungen gehören zu den Aufgaben des MTRA

Für Denis Schatilow – so viel steht fest – hat sich die Ausbildung trotzdem gelohnt, denn er wird von der Uni-Klinik übernommen. Den Vertrag hat er schon am Montag unterschrieben, obwohl die Prüfungen erst im Sommer laufen. Es gibt es zu wenige MTRA in Deutschland, die Kliniken greifen so früh wie möglich zu. Der Verdienst ist gut: 1700 bis 2200 Euro Einstiegsgehalt, nach Fortbildungen sind über 3000 Euro möglich. Dennoch: Dass er drei Jahre als Auszubildender Patienten versorgt hat, ohne dafür einen Cent zu bekommen, findet er immer noch nicht richtig.

Stand: 25.02.2016, 06:43