Kölner Anti-Erdoğan-Demo: Weitgehend friedliche Proteste

Kölner Anti-Erdoğan-Demo: Weitgehend friedliche Proteste

  • 25.000 Aleviten und Kurden demontrierten in Köln gegen Erdoğan
  • Eine Gruppe von Kurden attackierte Polizisten
  • Die Kundgebung verlief weitgehend friedlich
Kurdendemo Köln

Protestgesänge

Nach Angaben eines Polizeisprechers war eine Gruppe von 200 Jugendlichen, nach Polizeiangaben vermutlich Kurden, auf dem Rückweg von der Anti-Erdoğan-Demo auf der Deutzer Werft. Aus dieser Gruppe wurden laut Polizei vereinzelt Bengalos gezündet. Als Polizeibeamte das unterbinden wollten, wurden sie nach eigenen Angaben mit Steinen und Gegenständen beworfen. Eine zweite Gruppe von Kurden - knapp 100 Menschen - versuchte daraufhin offenbar, der ersten zu Hilfe zu kommen. Die Polizei setzte Schlagstock und Pfefferspray ein, um sie zurückzuhalten. Zwei Beamte wurden bei dem Einsatz leicht verletzt. Fünf Demonstranten kamen in Gewahrsam, einer wurde verhaftet.

Kurden kamen extra nach Köln

Die Demonstration von Aleviten gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Samstagmittag (12.11.2016) in Köln

An der Deutzer Werft fand die Kundgebung statt.

Insgesamt versammelten sich knapp 25.000 Aleviten und Kurden, um gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu demonstrieren. Veranstalter der Kundgebung "Ja zu Demokratie, Frieden und Freiheit - Nein zur Diktatur" war die Alevitische Union Europa, auch ein kurdischer Verein hatte zur Teilnahme aufgerufen.

Deutschland und EU sollen reagieren

Die Demonstranten warfen Erdoğan Willkür und die Missachtung fundamentaler rechtsstaatlicher Prinzipien vor. An die Bundesregierung sowie die Europäische Union appellierten sie, die türkische Regierung zur Abkehr von ihrer antidemokratischen Politik zu drängen. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, sagte, Präsident Erdogan nehme sich "Urlaub von der Pressefreiheit". Er nehme sich "frei von lästigen Fragen der Reporter, von kritischen Berichten über seine Politik, frei von kritischer Meinungsäußerung". Journalisten würden mundtot gemacht, beklagte Überall. "Schlimmer noch: Sie sind arbeitslos oder sie sitzen im Gefängnis." Der Chef der Journalistengewerkschaft rief zu Solidarität mit türkischen Kollegen auf.

Die Aleviten sind nach den Sunniten die zweitgrößte Konfession der Türken in Deutschland. Ihre religiösen Regeln sind weniger streng, viele Kurden in Deutschland sind Aleviten. Auch in der Türkei bilden die Aleviten mit schätzungsweise 20 Millionen Gläubigen nach den Sunniten die zweitgrößte Religionsgemeinschaft.

Kurden demonstrierten bereits

Bereits vor einer Woche waren etwa 6.500 Kurden durch die Kölner Innenstadt gezogen, um gegen Präsident Erdoğan zu protestieren. Die Kundgebung richtete sich insbesondere gegen die Festnahmen führender kurdischer Politiker.

Stand: 12.11.2016, 15:12