Aachener Friedenspreis an türkische und deutsche Initiative

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Aachener Friedenspreis an türkische und deutsche Initiative

Von Wolfgang Deutz

Der Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr an die "Bürgerinitiative Offene Heide" bei Magdeburg und das "Komitee der WissenschaftlerInnen für den Frieden" in der Türkei. Der Verein Aachener Friedenspreis gab seine Entscheidung für die nationalen und internationalen Preisträger am Montag (09.05.2016) bekannt.

Im Januar dieses Jahres hat das "Komitee der WissenschaftlerInnen für den Frieden" einen an die türkische Regierung gerichteten Friedensappell veröffentlicht. Darin fordern die mehr als 1.100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Ende des Militäreinsatzes in den kurdisch geprägten Gebieten in der Türkei und rufen zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen für den Friedensprozess auf.

Türkische Preisträger werden verfolgt

Dieser Aufruf hatte für die beteiligten Hochschulen und Unterzeichner erhebliche Folgen: Immer wieder wurden Leib und Leben der Unterzeichner bedroht, berufliche Existenzen vernichtet und regierungskritisches Denken aus den Hochschulen verbannt, heißt es beim Verein Aachener Friedenspreis.

In einer Rede nach den Anschlägen in Istanbul Anfang des Jahres habe der türkische Präsident Erdogan die Komitee-Mitglieder als eine "Bande ignoranter, dunkler Gestalten" bezeichnet. Die Justiz solle, so Erdogan, das Nötige gegen diese "Landesverräter" tun. Nach dem Aufruf habe es massive Hetze in den Medien, persönliche Angriffe und Verhaftungen gegeben.

Engagement gegen Spaltung der türkischen Gesellschaft

Mit der Auszeichnung will der Verein Aachener Friedenspreis nach eigenen Worten die Wissenschaftler unterstützen und das Engagement gegen die Kriegspolitik und die Politik der Spaltung der türkischen Gesellschaft stärken.

Menschengruppe demonstriert auf Straße mit Transparent "Für eine zivile Nutzung der Heide"

Protest gegen die militärische Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide

Nationaler Preisträger ist die "Bürgerinitiative Offene Heide". Seit nunmehr 20 Jahren rufen die Initiatoren bei Hitze, Regen, Sturm und Schnee zu einem Protestmarsch mit anschließender Kundgebung in der Colbitz-Letzlinger Heide, nördlich von Magdeburg, auf. Dort befindet sich das wohl modernste Gefechtsübungszentrum von Bundeswehr und NATO.

Ziel der Initiative ist es, dass die Colbitz-Letzlinger Heide nach mehr als sieben Jahrzehnten militärischer Nutzung ein Lernort für die Versöhnung mit der Natur und den Frieden zwischen den Völkern wird. In diesem Monat fand der 265. Friedensmarsch durch das Heidegebiet statt. Während in den 90er Jahren noch Hunderte mitprotestierten, sind es jetzt in der Regel 40 bis 70 Menschen.

Aachen Friedenspreis wird zum Antikriegstag verliehen

Der Aachener Friedenspreis ist mit je 1.000 Euro dotiert und wird traditionell am 1. September, dem Antikriegstag, verliehen. Er geht seit 1988 an Menschen, die sich an der Basis für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Getragen wird er von rund 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen sowie etwa 350 Einzelpersonen, die im Verein Aachener Friedenspreis zusammengeschlossen sind.

Stand: 09.05.2016, 15:34