Straftäter betreuen Flüchtlinge in Köln

Straftäter als Wachleute

Straftäter betreuen Flüchtlinge in Köln

Von Oliver Köhler

In Kölner Flüchtlingsheimen sind nach WDR-Recherchen bulgarische und andere aus dem Ausland stammende Wachleute im Einsatz, die bei der Polizei als Straftäter registriert sind. Bereits im Dezember wurde die Stadt auf die mangelnden Kenntnisse der Mitarbeiter hingewiesen.

Die Polizei hat die Stadtverwaltung darauf hingewiesen, dass die als Brandschutzhelfer eingesetzten Männer wahrscheinlich nicht in der Lage seien, bei einem Feuer dafür zu sorgen, dass Flüchtlingsunterkünfte evakuiert und entstehende Brände bekämpft werden. Nach Informationen des WDR sollen die Sicherheitsleute auf Nachfrage der Polizei weder gewusst haben, wo sich Feuerlöscher und Alarmeinrichtungen befinden, noch seien sie in der Lage gewesen, auf Deutsch Fragen zu einem Feuer zu beantworten. Diese Mitarbeiter haben Zugang zu sämtlichen Bereichen der Flüchtlingsunterkünfte und sind dort Tag und Nacht im Einsatz.

Stadtverwaltung räumt jetzt Einsatz von Bulgaren ein

Nach Beobachtungen des WDR nehmen die so genannten Brandschutzhelfer in Köln zum Teil auch Aufgaben des Wachdienstes wahr. In einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Humboldt-Gremberg waren sie an der Pforte als Wachleute eingesetzt. Die Kölner Stadtverwaltung hatte in der vergangenen Woche noch bestritten, dass in Flüchtlingsunterkünften bulgarische Brandschutzhelfer im Einsatz sind. Erst auf wiederholte Nachfrage des WDR hat die Stadt Köln zugegeben, dass doch Bulgaren in Flüchtlingsunterkünften beschäftigt werden. Jeder von ihnen habe aber ein Führungszeugnis und einen Qualifikationsnachweis vorgelegt.

Auch Vorstrafen wegen häuslicher Gewalt

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In der Kritik: Brandschutzhelfer in Kölner Flüchtlingsheimen

Doch nach Erkenntnissen der Polizei haben einige von ihnen Vorstrafen wegen häuslicher Gewalt oder Fahrens ohne Führerschein. Solche Vorstrafen tauchen in Führungszeugnissen nicht auf, wenn die Täter nur zu geringen Strafen verurteilt wurden. Unklar ist, wie Männer mit geringen deutschen Sprachkenntnissen eine Ausbildung zum Brandschutzhelfer absolviert haben. Die Ausbildung sieht nämlich laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung unter anderem eine theoretische Schulung in "Betrieblicher Brandschutzorganisation" vor. Gelernt werden sollen beispielsweise "Brandschutzordnung des Betriebes nach DIN 14096" oder " Sicherheitskennzeichnung nach ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“. Kaum vorstellbar, dass Mitarbeiter ohne oder mit unzureichenden Deutschkenntnissen solche Vorschriften verstehen und in Notsituationen umsetzen können.

Änderungen nach Polizei-Kritik

Die Kölner Stadtverwaltung hat nach der Kritik der Polizei dafür gesorgt, dass "die Personaleinsatzplanung hinsichtlich gut und weniger gut Deutsch sprechender Mitarbeiter optimiert und die Kontrollen durch Mitarbeiter mit Vorgesetztenfunktion verdichtet" werde.

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Auf die Dienste von Helfern angewiesen

Das Problem: Ohne qualifizierte Brandschutzhelfer dürften die meisten Notunterkünfte für Flüchtlinge nicht betrieben werden. Denn in den Turnhallen oder Bürogebäuden, die als Unterkünfte genutzt werden, gib es keine ausreichenden Brandschutzeinrichtungen. Die Stadt Köln ist deshalb auf die Dienste der Helfer angewiesen. In vielen Fällen werden sie von einem Sicherheitsunternehmen aus Essen gestellt. Diese Unternehmen arbeitet als Subunternehmer für das Bewachungsunternehmen, das für die meisten Flüchtlingsunterkünfte der Stadt Köln zuständig ist. Nach den Vorwürfen wegen sexueller Belästigung in einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Humboldt Gremberg hat das Sicherheitsunternehmen dort jetzt die bulgarischen Brandschutzhelfer ausgetauscht.

Stand: 23.02.2016, 10:43