Weniger Teilnehmer bei verregneten Ostermärschen

Weniger Teilnehmer bei verregneten Ostermärschen

Früher gingen zu Ostern Hunderttausende für eine friedlichere Welt auf die Straße. Trotz Kriegen und Flüchtlingskrise waren es in diesem Jahr kaum 2.000 Menschen in NRW. Die Veranstalter wollen sich davon nicht entmutigen lassen.

Teilnehmer am Ostermarsch Rhein/Ruhr 2016

Auch am dritten Tag der Radtour im Rahmen des Ostermarsches Rhein-Ruhr nahmen nur ein paar Hundert Menschen teil. Beim Start in die letzte Etappe am Ostermontag (28.03.2016) in Bochum waren es gar nur 150, zum Abschluss in Dortmund waren etwa 300 Teilnehmer dabei.

"Wir sind ein bisschen wettergeschädigt", hatte Joachim Schramm vom Landesverband NRW der Deutschen Friedensgesellschaft schon am Ostersonntag (27.03.2016) festgestellt. An der Radtour von Essen nach Bochum am zweiten Tag des Ostermarsches Rhein-Ruhr nahmen nur 60 bis 70 Friedensaktivisten teil, später stießen weitere Teilnehmer dazu. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: die Zeiten, in denen Hunderttausende bundesweit auf die Straßen gingen, scheinen vorbei.

Für die Ostermarsch-Organisatoren kein Grund, Ostern zu Hause zu bleiben."Die Ostermärsche sind nicht der Zählappell der Friedensbewegung", sagte Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative am Sonntag. Golla kann sich das schwindende Interesse auch erklären: Angesichts der "Komplexität der Konflikte" wie in Syrien oder der Ukraine sei es für viele "schwierig, noch den Durchblick zu behalten". Dass sich nur noch wenige Menschen den Ostermärschen anschlössen, habe auch mit der Gesellschaftsveränderung und der "Hinwendung zum Privaten" zu tun.

Am Samstag (26.03.2016) hatte die Polizei in Bielefeld 500 Teilnehmer gezählt. Während in Duisburg immerhin noch rund 300 Menschen auf die Straße gingen, kam es in Münster mit 60 und Köln mit 30 Teilnehmern nur zu kleineren Kundgebungen. Ein Höhepunkt der Ostermärsche war am Samstag eine Kundgebung in Düsseldorf, bei der nach Schätzungen der Veranstalter bis zu 700 Menschen zusammenkamen.

Aktivisten prangern Deutschlands Rolle als Waffenexporteur an

Ein Teilnehmer des Ostermarsches trägt am 26.03.2016 in Düsseldorf  eine Fahne mit der Friedenstaube.

Unverzichtbares Symbol - die Friedenstaube

Im Mittelpunkt der Aktionen steht in diesem Jahr unter anderem die Frage nach den Ursachen der Fluchtbewegungen in der Welt und die Einflüsse deutscher und internationaler Politik darauf. Das Motto in Duisburg und Düsseldorf hieß "Erkennen, Verantwortliche benennen, Kriegsursachen beseitigen". Dabei prangern die Friedensaktivisten auch die Rolle Deutschlands als Waffenexporteur an.

"Die Ostermärsche stellen sich der Rüstungs- und Interventionspolitik der Großen Koalition entgegen und erinnern daran, dass mit militärischen Mittel kein nachhaltiger Frieden geschaffen werden kann", sagte Philipp Ingenleuf vom Bonner Netzwerk Friedenskooperative.

Die Ostermärsche der Friedensbewegung in NRW hatten am Karfreitag im Münsterland begonnen. In Dortmund hatten die Friedensaktivisten auf der Schlussetappe auch gegen den Rechtsextremismus demonstriert. Es gelte, Nazis und Rassisten entschlossen entgegenzutreten, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke. Mit diesem Ziel gedachten die Ostermarschierer an einer U-Bahn-Station in Dortmund eines Punkers, der dort vor elf Jahren von einem Neonazi erstochen worden war.

Stand: 28.03.2016, 18:30