"Kumpel Krefeld" gewinnt 2. NRW-Hackathon

Teilnehmer des 2. Hackathons des Landes NRW

"Kumpel Krefeld" gewinnt 2. NRW-Hackathon

Von Rainer Striewski

  • Land NRW lud zum Ideenwettbewerb nach Düsseldorf
  • Apps sollen Alltag der Menschen erleichtern
  • Zwei Dortmunder können sich über 5.000 Euro freuen

Er besteht nur aus Bits und Bytes, soll aber wie ein echter guter ”Kumpel“ bei Behördengängen etwa in Krefeld behilflich sein - daher auch sein Name: "Kumpel Krefeld". Vor zwei Wochen hatten die beiden Dortmunder Theo Steinhardt und Michael Tjupalow die Idee einer Chat-Software für städtische Verwaltungen, die den Bürgern beim Finden und Ausfüllen der richtigen Formulare unterstützt. Welches Formular brauche ich als Zugezogener? Was muss ich mit welchen Daten ausfüllen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten? All diese Fragen sollen Bürger künftig in einer Chat-Anwendung an die Stadtverwaltung richten können. In einem Online-Dialog wird ihnen dann Schritt für Schritt erläutert, welche Daten zur Bearbeitung benötigt werden. Auch ein Termin zur Unterschrift kann so direkt vereinbart werden.

Gewinner des 2. Hackathons des Landes NRW: Michael Tjupalow und Theo Steinhardt (rechts)

Stolze Gewinner: Michael Tjupalow und Theo Steinhardt

Der Clou dabei: Den Bürgern antwortet im Dialog kein echter Verwaltungsmitarbeiter, sondern ein Computerprogramm, ein so genannter "Bot". Das Programm analysiert dabei in Echtzeit die Eingaben der Chat-Teilnehmer, sucht entsprechende Antworten in seiner Datenbank - und kann auch Folgefragen richtig zuordnen. So entsteht ein Dialog, bei dem der Fragende im besten Fall gar nicht merkt, dass er sich mit einem Computer unterhält.

Ziel: Den Alltag der Menschen erleichtern

Die Anwendung der beiden Dortmunder ist zwar noch lange nicht fertig, erschien den Teilnehmern des NRW-Hackathons aber jetzt schon preiswürdig. 83 Teilnehmer waren am Samstag (03.09.2016) auf Einladung des Landes NRW in Düsseldorf zusammengekommen, um unter dem Motto "UpDATA your life" an Anwendungen zu basteln. Gefragt waren Ideen, wie mit Hilfe von Open Data, also frei verfügbaren Verwaltungsdaten, der Alltag der Menschen erleichtert werden kann. Einen Tag lang hatten die App-Entwickler Zeit, für ihre Ideen zu werben und zusammen mit anderen Teilnehmern des Hackathons an ihren Projekten zu arbeiten - ob im Bereich Programmierung, bei der Grafik oder der Konzeption. Dabei wurde schnell klar: Chat-Bots liegen derzeit voll im Trend. So wurde völlig unabhängig vom "Kumpel Krefeld" auf dem Hackathon etwa auch der "Botty.nrw" entwickelt. Der Chat-Bot soll Bürgern dabei helfen, ihre Freizeit besser zu planen. Schon nach wenigen Stunden "Lebenszeit" konnte er etwa Fragen zu Öffnungszeiten Bonner Schwimmbäder beantworten.

Kölner App "warnt" vor Knöllchen

Teilnehmer des 2. Hackathons des Landes NRW

Einen Tag lang wurde in Gruppen programmiert

Und noch ein "Bot" wurde auf dem Hackathon geboren: Der Kölner "Knöllchen-Bot", der auf einer Idee des WDR-Redakteurs Torsten Fischer basiert. Das Programm kann Auskunft darüber geben, wie hoch das Risiko ist, an der aktuellen Parkposition in Köln ein Knöllchen zu bekommen. Hinter dem "Bot" steckt eine Datenbank mit drei Millionen Kölner Knöllchendaten, die genau weiß, wann in welcher Kölner Straße in den letzten Jahren wie viele Knöllchen verteilt wurden. "Von den drei Millionen Knöllchendaten gehören einige auch mir", bekannte Hartmut Beuß, IT-Beauftragter der Landesregierung, bei der Projektvorstellung. Er hatte sichtlich Spaß an der Anwendung, konnte den Machern am Ende des Tages aber kein Preisgeld überreichen.

Screenshot der Anwendung "GOTO.nrw"

GOTO.nrw gibt Ratschläge, wo man hinziehen könnte

Denn prämiert wurden nur die drei Projekte, die in der Abschlussrunde von allen Teilnehmern die meisten Stimmen erhielten. Und das war neben dem ”Kumpel Krefeld“ auf dem zweiten Platz das Projekt "Mobilitysharing". Bei der Anwendung werden auf einer Karte Stationen unterschiedlicher Carsharing-Anbieter und Fahrradstationen angezeigt. "Wir wollen so jedem die Flexibilität bieten, jedes gewünschte Fahrzeug dann dort mieten zu können, wo man gerade ist", erklärt Entwickler Ernesto Ruge den Ansatz. Auf dem dritten Platz des NRW-Hackathons landete das Projekt "GOTO.nrw". Hierbei möchten die Macher der App den Nutzern Ratschläge geben, wohin man in NRW ziehen kann, wenn man denn die Stadt wechseln möchte. Hat der Nutzer einmal seine persönlichen Präferenzen festgelegt, werden ihm auf Knopfdruck passende und eher nicht passenden Regionen in NRW angezeigt.

Dialog mit den Bürgern

Hartmut Beuß, Chief Information Officer (CIO) des Landes NRW

Beuß lädt zur Diskussion um "Open.NRW"

Nach "Lernen im digitalen Wandel" im Februar war der aktuelle Hackathon unter dem Motto "UpDATA your life" bereits die zweite Veranstaltung dieser Art des Landes NRW. Die beiden Dortmunder Gewinner konnten sich dabei nicht nur über ein Preisgeld von 5.000 Euro freuen. Sie erhalten zudem Gelegenheit, ihre Idee auf dem "Open.NRW-Kongress" Ende Oktober in Duisburg vorzustellen. Dann lädt das Land erneut ein, diesmal aber nicht nur Entwickler, sondern alle an Open Data oder Open Government interessierte Bürger. Mit ihnen und auch einigen Landesministern möchte der NRW-IT-Beauftragte Hartmut Beuß dann über Transparenz, Bürgerbeteiligung und mehr Zusammenarbeit für NRW diskutieren. Zudem soll dort offiziell der "Open Government Pakt" für Nordrhein-Westfalen unterzeichnet werden.

Stand: 04.09.2016, 14:56