Nach Putschversuch: Türken demonstrieren in NRW

Teilnehmer einer  Versammlung mit türkischen Fahnen vor dem Generalkonsulat in Essen

Nach Putschversuch: Türken demonstrieren in NRW

  • Über 10.000 Menschen bei Demos in NRW nach Putschversuch in der Türkei
  • Kundgebungen für den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan
  • In NRW lebende Türken zwischen Schock und Angst

Mehr als 10.000 Menschen haben in der Nacht zu Samstag (16.07.2016) in Nordrhein-Westfalen meist friedlich wegen des Putschversuches in der Türkei demonstriert. Laut "Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste" kamen bei der größten Demonstration in Essen "in der Spitze 5.000 Personen zusammen". Die Beamten sperrten die Straße vor dem Generalkonsulat weiträumig ab. Zur Unterstützung wurden Kräfte der Einsatzhundertschaft aus Bochum und Bonn angefordert. Laut Polizei gab es "keinerlei nennenswerte Störungen" bei der Demonstration für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Duisburg: Solidaritätsaktion für Erdogan

In Duisburg gingen bei einer Solidaritätsaktion für Erdoğan rund 3.000 Menschen auf die Straße. Laut Polizei trugen die Teilnehmer bei der nächtlichen Demonstration türkische Nationalfahnen und skandierten Parolen über Lautsprecher. Die Lage sei ruhig geblieben, es habe keine Zwischenfälle gegeben, berichtete ein Polizeisprecher. Am Abend bekundeten noch einmal 1.200 Menschen vor der Moschee im Stadtteil Marxloh ihre Solidarität mit dem türkischen Präsidenten.

Erdoğan genießt bei den Türken in NRW außergewöhnlich starke Rückendeckung. Bei der Präsidentschaftswahl 2014 stimmten drei Viertel für ihn. Zum Vergleich: Insgesamt kam Erdogan auf 51,8 Prozent der Stimmen, deutschlandweit waren es 68,6 Prozent.

Fensterscheiben eingeworfen

Auch in anderen Städten gingen viele in NRW lebende Türken auf die Straße, etwa in Düsseldorf, Köln, Bergheim, Bochum, Münster, Bergneustadt, Hamm, Paderborn, Siegen, Bielefeld und Gelsenkirchen. Dort belagerten am Samstagnachmittag zeitweise bis zu 150 Personen ein türkisches Café und warfen eine Fensterscheibe ein. Schon am Morgen hatte der Besitzer eine zerstörte Scheibe bemerkt. Laut Westdeutscher Allgemeiner Zeitung soll das Café der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahestehen, den Erdoğan für den Putschversuch verantwortlich macht. Der Staatsschutz ermittelt.

Angst vor Bürgerkrieg

Teilnehmer einer Demonstration mit türkischen Fahnen in Düsseldorf

Demonstration in Düsseldorf

Die Reaktionen in den türkischen Gemeinden NRWs auf den Putschversuch reichen von Schock über Angst um Angehörige bis Zuversicht. Viele befürchten, dass ihr Land vor einem Bürgerkrieg steht. "Keiner hat das erwartet", sagte zum Beispiel der 27-jährige Halil aus Düsseldorf. "Seit längerem sprechen wir darüber, aber dass ein Putsch passiert, in dieser Zeit? 2016?" Für ihn sei es, als würde die Türkei 20 Jahre in die Vergangenheit zurück stolpern.

Stand: 17.07.2016, 14:10