Akute Parkplatz-Not: Wohin mit den Lkw?

Lkw-Parkplätze

Akute Parkplatz-Not: Wohin mit den Lkw?

Gestresste Fahrer, genervte Anwohner: Für Lkw fehlen Parkplätze. Forscher stellen eine Studie vor, wie das Problem gelöst werden könnte.

Die Bundesregierung erwartet eine Steigerung des Güterverkehrs von 38 Prozent bis 2030. Schon jetzt fehlen vielerorts Stellplätze für Lkw - mit negativen Folgen für Anwohner, Unternehmen und Fahrer. Am Freitag (13.10.2017) stellt die Niederrheinische IHK in Duisburg mit Umwelt-, Logistik- und Wirtschaftsforschern der Universität Duisburg-Essen eine aktuelle Studie dazu vor.

Im WDR-Interview erklärt der Volkswirt Andreas Hoene die Hintergründe - und bietet ein paar Lösungsideen.

WDR: Parkplatzsuche bei Lastwagen. Warum interessiert das Wissenschaftler? Ist das nicht einfach ein Problem der Lkw-Fahrer?

Andreas Hoene

Duisburger Forscher Hoene

Andreas Hoene: Natürlich sind Lkw-Fahrer am stärksten vom Parkplatzmangel betroffen, wenn sie lange Umwege fahren oder an unsicheren Orten parken müssen. Aber wenn immer mehr Lkw-Fahrer Parkplätze suchen, geht das auch die Allgemeinheit an.

Ein Fahrer, der stundenlang einen Parkplatz sucht, überschreitet eventuell seine Lenkzeit, ist gestresst durch knappere Lieferzeiten, verbraucht mehr Sprit oder verursacht sogar einen Unfall. Hier gilt es gemeinsam Lösungen zu finden.

WDR: Sie haben die Lage an einem Logistik-Umschlagplatz wie Duisburg untersucht, aber auch die Situation in ländlicheren Kreisen am Niederrhein. Was sind die wichtigsten Probleme? 

Hoene: Es ist eine generelle Knappheit an bewirtschafteten Parkplätzen vorhanden. Das führt dazu, dass Lkw auf Parkplätze in Gewerbegebieten ausweichen oder in Nähe von Wohngebieten parken. Dort fehlt es dann oftmals an Toiletten oder Mülleimern. Das wiederum löst Beschwerden von Anwohnern und lokalen Betrieben aus.

Jeder vierte Lkw-Fahrer muss regelmäßig mehr als 30 Kilometer entfernt vom Lieferort parken. So wird die Suche nach einem Stellplatz zur Lotterie. Vor allem nach 17 Uhr wird Parkraum extrem knapp. Dann sind Suchzeiten über 30 Minuten die Regel.

WDR: In ihrer Studie wird deutlich, dass sich das Problem teilweise aus den Benelux-Ländern ins benachbarte NRW verlagert.

Hoene: In den Benelux-Ländern werden Verstöße gegen die regelmäßige Wochenruhezeit von Lkw-Fahrern mit hohen Ordnungsstrafen geahndet. Zudem gibt es mittlerweile strengere Parkverbote abseits der Autobahnen und zugleich kostenpflichtige Park-Angebote für längere Wartezeiten an den Logistik-Hotspots wie z.B. Rotterdam.

Hinzu kommen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, z.B. Videoüberwachung und verschärfte Polizeikontrollen auf Parkplätzen. Das führt zu Ausweichfahrten auch nach NRW, sowohl der Lkw-Fahrer aber leider auch der organisierten Kriminalität.

WDR: Was verbirgt sich hinter dem Problem der "Planenschlitzer", das in der Studie erwähnt wird?

Hoene: Viele Autobahnparkplätze sind meist nur schlecht ausgeleuchtet. Das machen sich Kriminelle zu Nutze. Von parkenden Lkw werden die Planen aufgeschlitzt, die Ladung und teilweise auch Treibstoff gestohlen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer schätzt den Schaden durch Ladungsdiebstahl in Deutschland auf 300 Millionen Euro jährlich.

Besonders betroffen sind das Umland großer Häfen und die Transit-Autobahnen, z.B. die A2 und A3. Nach einer Studie des Transportversicherer KRAVAG wurde fast jeder vierte Ladungsdiebstahl in NRW verübt.

WDR: Was sind Ihre wichtigsten Empfehlungen an Staat, Kommunen und Unternehmen?

Hoene: Kommunen können mit Einschränkungen oder Parkverboten und dem Aufstellen von Mülleimern versuchen, den Auswirkungen des "wilden Parkens" Herr zu werden.

Zugleich sollten sie vorhandene Lkw-Parkplätze besser ausschildern. Sinnvoll sind auch telematische Parkleitsysteme, wie sie etwa am Duisburger Hafen geplant sind. Mit diesen könnten Lkw-Fahrer auch bei Verzögerungen frühzeitig auf freie Parkplätze umgeleitet werden.

Parkraum und bebaubare Flächen in Städten wie Duisburg sind meist knapp. Ein weiterer Vorschlag ist daher, dass Unternehmen auch Parkplätze gemeinsam betreiben oder ungenutzte Stellfläche auf ihren Firmenparkplätzen vermieten.

Tatort Rastplatz

WDR 4 Zur Sache | 10.04.2017 | 01:54 Min.

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Was den Transitverkehr auf Autobahnen angeht, so liegt es bei Bund und Land ausreichend Parkraum zu schaffen, z.B. auch in Kooperationen mit Autohof-Betreibern. Es muss nicht immer neu gebaut werden. Parkleitsysteme und Konzepte wie das kompaktere Parken von Lkws werden bereits in anderen Bundesländern umgesetzt, um vorhandenen Parkraum effizienter zu nutzen.

WDR: Selbst wenn alle Parkplatzprobleme gelöst sind, muss es nicht Ziel sein, mehr Transporte vom Lkw auf Schiene und Wasser zu verlagern. Oder ist der Trend zu mehr Lkw-Verkehr unaufhaltsam?

Hoene: Natürlich sind weiterhin Potentiale vorhanden, was die Nutzung kombinierter und anderer Verkehrsträger angeht. Ein anderer Verkehrsmix ist auch aus Klimaschutz-Gründen nötig.

In der Studie haben wir uns aber auf den ruhenden Straßengüterverkehr und das vorhandene Parkplatz-Problem konzentriert. Hier kann z.B. durch eine bessere Steuerung ebenfalls zu einer Vermeidung von unnötigen Verkehren und Emissionen beigetragen werden.

Das Interview führte Martin Teigeler.

Wo dürfen Lkw parken?

In Gewerbegebieten gelten für Lastkraftwagen die gleichen Regeln wie für Pkw. Außerhalb von Gewerbegebieten herrscht ein Parkverbot zwischen 22 und 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen für Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sowie Anhänger mit mehr als 2 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Es gibt Ausnahmen an speziell gekennzeichneten Lkw-Parkplätzen (Quelle: Studie IHK, Uni Duisburg-Essen).

Stand: 13.10.2017, 06:00