Weitere Risse in belgischen Reaktoren bestätigt

Dampf steigt am 12.04.2016 aus dem Atomkraftwerk Tihange des Betreibers Electrabel

Weitere Risse in belgischen Reaktoren bestätigt

  • Untersuchung zeigt 70 weitere Risse im Reaktor Tihange 2.
  • Neue Schäden auch im Reaktor Doel 3 festgestellt.
  • NRW will indirekte Beteiligung an Tihange verkaufen.

Im belgischen Atomreaktor Tihange 2 haben Experten bei jüngsten Kontrollen weitere Risse entdeckt. Im Hochdruckkessel habe man bei einer Ultraschalluntersuchung 70 Risse mehr als bei der vorigen Inspektion im Jahr 2014 gefunden, antwortete der belgische Innenminister Jan Jambon auf eine parlamentarische Anfrage der belgischen Grünen.

Sicherheit "in keiner Weise infrage gestellt"

Die Sicherheit des Reaktors sei damit in keiner Weise infrage gestellt, erklärte Jambon nach Medienangaben vom Freitagabend in seiner Antwort von Mittwoch. Atomkraftgegner in Belgien und im benachbarten Deutschland kritisieren den Betrieb des Kernkraftwerks bei Huy hingehen seit Jahren als unsicher.

Die 70 zusätzlichen Risse habe man entdeckt, weil die Kamera bei der neuen Untersuchung anders positioniert worden sei, erklärte Jambon nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Einige frühere Hinweise würden dem Minister zufolge nach der neuen Kontrolle hingegen nicht mehr als Schäden beurteilt.

Atomaufsicht hatte keine Einwände gegen Wiederanfahren

Das Ergebnis der Prüfung insgesamt habe dazu geführt, dass die belgische Atomaufsicht keinerlei Einwände gegen ein Wiederanfahren des Reaktors erhoben habe. Die Atomaufsicht hatte Belga zufolge im Jahr 2015 insgesamt 3.149 Hinweise auf Schäden in Tihange 2 festgestellt.

Bisher unbekannte Schäden wurden auch im Reaktor Doel 3 nahe Brüssel registriert. Insgesamt habe man bei einer Ultraschalluntersuchung 300 neue Risse entdeckt, hieß es. Die Untersuchung fand demnach bereits im November 2016 statt. Auch hier sei die Sicherheit des Reaktors nicht gefährdet, teilten die Behörden mit.

Land Nordrhein-Westfalen will indirekte Beteiligung verkaufen

Am Freitag hatte das NRW-Finanzministerium dem WDR bestätigt, dass das Land Nordrhein-Westfalen seine indirekte Beteiligung an den vielfach kritisierten belgischen Atomkraftwerken verkaufen will. Demnach solle der Verkauf nächste Woche beschlossen und angewiesen werden.

Stand: 11.06.2017, 12:21