Roboter in der Arbeitswelt: Chance oder Bedrohung?

Ein Mann begutachtet einen Roboter der Firma Kuka

Roboter in der Arbeitswelt: Chance oder Bedrohung?

  • Digitalisierung verändert die Arbeitswelt
  • Verdrängt der Kollege Roboter Arbeitsplätze?
  • Ein Westpol-Rundgang auf der Hannover-Messe

Die Roboter-Technik wird immer ausgefeilter und ermöglicht zum Beispiel Greifarme, die der menschlichen Hand sehr ähnlich sind. So gehen Roboter dem Menschen bei der Bombenentschärfung zur Hand. Werden die Roboter zum Menschenersatz? Dieser Frage geht Westpol auf der Hannover Messe nach.

Auf der Industriemesse ist auch Johannes Kurth. Er ist Leiter der Entwicklungsabteilung der Kuka AG, einem weltweit führenden Maschinenbauer im Bereich Robotik. Der große Vorteil der Maschinen ist für ihn, dass "die Arbeitsinhalte, die dem Menschen schwer fallen, die ergonomisch ungünstig sind, auf den Roboter übertragen" werden können. "Wo der Mensch stark ist, in den kognitiven Dinge, in der Handfertigkeit, also Fertigkeit seiner Hände, das lassen wir beim Menschen."

Roboter für den Bierausschank

Zwei Roboter-Arme der Firma Kuka schenken ein Weißbier aus

Frisch ausgeschenkt vom Kollegen Roboter

Ebenfalls auf der Hannover-Messe zu sehen: Ein Tischtennis-Roboter. Er kann lernen und lehren: Mit 80 Berechnungen pro Sekunde erkennt er, ob sein Gegenüber ein Anfänger ist oder nicht. Ist das eher ein Fluch oder ein Segen? Was bedeutet das, wenn der Roboter den Bierausschank übernimmt: Wo bleibt da der Mensch, wird sein Arbeitsplatz irgendwann überflüssig?

Johannes Kurth von der Kuka AG ist sich sicher: "Ich glaube es entstehen neue Berufe, es werden bestimmte Tätigkeiten durch den Roboter ersetzt, aber es werden nicht ganze Berufe ersetzt werden. Natürlich verschiebt es sich hin zu denjenigen, die die Anlagen konzipieren, bauen und warten müssen."

Bis 2050 Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 25 Prozent denkbar

Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung kommt in seiner Studie "2050: Die Zukunft der Arbeit" zu einem anderen Ergebnis: Wenn sich nichts ändert, dann wird die globale Arbeitslosigkeit drastisch steigen. Bis 2050 möglicherweise auf fast 25 Prozent aller Erwerbstätigen: "Generell kann man davon ausgehen, dass eigentlich jeder Beruf und jede Tätigkeit in irgendeiner Form von künstlicher Intelligenz von Robotern betroffen sein wird."

Und das meint Wintermann ganz neutral: "Es ist mehr die Frage welche Art von Tätigkeit innerhalb eines Berufes ersetzt werden wird. Beispielsweise die Diagnose beim Arzt. Das kann eventuell heute schon ein Algorithmus sehr viel genauer herausfinden, woran sie erkrankt sind. Diese Arbeitsschritte bei der Medizin könnten von einem Roboter, von einem Algorithmus übernommen werden und der Arzt könnte sich auf die Kommunikation mit dem Patienten konzentrieren."

Gewerkschaft: NRW kann profitieren

Es trifft also alle Berufsgruppen. Und die Gewerkschaften - wie denken sie über die neuen Entwicklungen? Knut Giesler von der IG Metall meint, wenn NRW sich jetzt richtig aufstellt, wird das Bundesland davon profitieren: "Ich glaube nicht, dass der Roboter den Menschen ersetzt, weil am Ende ist jeder Programmieraufwand extrem aufwendig und der Mensch ist immer noch der flexibelste Anteil in solch einer Produktion."

Genau darum gehe es: "Diesen flexiblen Anteil in der Produktion, die dieser Mensch ist, als Stärke zu nutzen - in Verbindung mit der Digitalisierung. Dass wir gemeinsam damit die Produkte und die Prozess herstellen können, die auch in einem Hochlohnland, wie wir es sind und wie unsere Industrie auch ist, genau den Vorteil bringt um wirtschaftliche Arbeitsplätze und Produkte zu haben."

Netzwerk in OWL

Nordrhein-Westfalen steht vor weiteren Herausforderungen. Strukturwandel, demografischer Wandel und jetzt Digitalisierung und Automatisierung. Wie stellt sich NRW auf die neuen Entwicklungen ein? Wolfgang Marquardt arbeitet für ein Netzwerk in der Region OWL, für die OstWestfalenLippe GmbH: Das ist ein Zusammenschluss von rund 180 Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, der die Industrie beim technischen Wandel berät.

Marquardt sagt: "Die Digitalisierung wird viele Dinge auf den Kopf stellen. Gerade wenn man an neue Geschäftsmodelle denkt. Ein Google fängt jetzt an Autos zu bauen. Das heißt, da treten vollkommen neue Wettbewerber auf die Märkte und die Unternehmen müssen sich jetzt damit auseinandersetzen womit sie in fünf, in zehn Jahren Geld verdienen. Beispielsweise der Maschinenbauer: wir merken jetzt schon, dass immer mehr Geld im Service-Geschäft gemacht wird und weniger Maschinen verkauft werden."

Digitaler Wandel in allen Bereichen

Digitalisierung betrifft aber nicht nur Industrie- und Arbeitsmarktpolitik. Es geht auch um gesellschaftlichen Wandel um Veränderungen in allen Bereichen. Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung meint: "Im Bereich der Bildung sind sicherlich Bildungsreformen denkbar, wie können die digitalen Tools in die Curricula eingebaut werden der Schulen, der Universitäten, da gibt es bisher recht wenige konkrete Umsetzungen."

Aber wie könnte das aussehen? Programmiersprache statt Fremdsprache? Wie wir in Zukunft lernen und arbeiten werden, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Sicher aber ist: die neuen Technologien stoßen in immer neue Bereiche vor.

Weitere Themen bei Westpol am Sonntag:

Themencheck Innere Sicherheit: Einbrüche, Terrorgefahr, sogenannte Angsträume - die Debatte um die innere Sicherheit prägt den Wahlkampf. Wir haben uns die Programme von sieben Parteien genauer angesehen, den fünf aus dem Landtag und den zwei, die große Chancen haben, rein zu kommen. Was fordern sie, um NRW sicherer zu machen?

Heimatlose Kinder: Lutwi ist 14 Jahre alt. Das Leben des Jungen, der mit seiner Familie aus dem Kosovo über Serbien nach Deutschland geflohen ist, steht für die Situation von vielen tausend Flüchtlingskindern. Ihre Heimat kennen sie nicht wirklich, in Deutschland haben sie sich integriert - aber dann werden sie doch abgeschoben. Und das, obwohl ein Gesetz in vielen Fälle eine Abschiebung verhindern könnte. Doch die Familien werden darüber kaum informiert.

Stand: 30.04.2017, 06:00