Viele offene Fragen zur Rückkehr zu G9

Viele offene Fragen zur Rückkehr zu G9

Von Sabine Tenta

Die angekündigte Rückkehr zu G9 durch CDU und FDP wirft viele Fragen auf. Die meisten von ihnen sind zurzeit noch unbeantwortet. Was wir sicher wissen und was nicht.

So überraschend wie die Nachricht der künftigen Koalitionäre über die Rückkehr zu G9 als Regelfall war – so ernüchternd waren die Antworten von Armin Laschet und Christian Lindner auf konkrete Nachfragen. Viele Details sind noch nicht geklärt.

Die groben Leitlinien

Das ist – beim derzeitigen Stand der Koalitionsverhandlungen - auch nicht weiter verwunderlich. CDU und FDP sind gerade dabei, die groben Leitlinien ihrer gemeinsamen Regierung festzulegen. Auch wenn es Facharbeitsgruppen gibt, die viele Details vorbereiten, so bleiben doch bei allen Themen noch viele offene Fragen.

Zwei Jahre Zeit bis zur Umstellung

Für die Rückkehr zu G9 in NRW sind bis zum Start im Schuljahr 2019/2020 noch mehrere Gesetzgebungsverfahren nötig. Auch Expertenanhörungen im Landtag stehen noch an. Dabei werden gewiss auch Vertreter von Gewerkschaften, Schulen und der Elternschaft zu Wort kommen.

Das ist bislang sicher

Gymnasien, die nichts unternehmen, werden ab dem Schuljahr 2019/2020 automatisch wieder zu G9-Schulen. Wenn eine Schule beim Turbo-Abi bleiben will, müssen die dortigen Gremien aktiv werden. Wer genau was in die Wege leiten muss, ist noch offen.

Für wen gilt G9 ab wann?

Sehr wahrscheinlich ist, dass G9 ab der fünften Klasse im Schuljahr 2019/2020 aufwachsend gilt. Das heißt, Schüler, die zum Startpunkt in der Mittelstufe sind, werden noch ein altes Turbo-Abi machen müssen. Das erste neue G9-Abitur würde dann im Schuljahr 2028/29 anstehen. Aber ganz sicher ist auch das nicht.

Christian Lindner sagte dazu am Mittwoch (07.06.2017): "Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass es nur im Aufwuchs geht. Man ist ja im Bildungsgang drin. Ich wüsste kein anderes Modell, auch aus anderen Bundesländern nicht, wo quasi mittendrin in der vollen Autobahnfahrt die Reifen gewechselt werden. Aber meine Vorstellungskraft ist ja ganz individuell, vielleicht gibt es ja andere mit mehr." Will sagen: Da ist noch Spielraum für Verhandlungen.

Wird es G9 als Halb- oder als Ganztag geben?

Dazu sagte CDU-Chef Armin Laschet: "Es wird weiter Ganztagsangebote auch für Gymnasien geben. Das gehört auch zur Wahlfreiheit, dass nicht nur Gesamtschulen als Ganztag organisiert werden, sondern auch Gymnasien. Aber das Angebot soll ein echtes G9 sein, das auch als Halbtag möglich ist."

Kann eine Schule G8 und G9 anbieten?

Eine Schule muss sich nach Aussage von Armin Laschet "prinzipiell für einen Weg entscheiden." Es sei aber denkbar, dass in der Zukunft Schulen langsamere und schnellere Wege zum Abitur anbieten können.

Wie viele zusätzliche Lehrer braucht man?

Sowohl Armin Laschet als auch Christian Lindner gehen von einem Lehrer-Mehrbedarf aus. Die G9-Gymnasien sollen mehr Lehrer erhalten und die G8-Schulen zum Ausgleich ebenfalls. Genau beziffern konnten sie den Mehrbedarf aber nicht. Ebenso offen sind noch die Fragen nach den Kosten, die damit verbunden sind.

Rückkehr zu G9: Umstellung wird Kosten verursachen

WDR 2 | 08.06.2017 | 02:12 Min.

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Was wird aus dem Volksbegehren für G9?

Marcus Hohenstein, Sprecher der Elterninitiative "G9 jetzt in NRW", sagte dem WDR, dass sie weiter Unterschriften sammeln werden. Wenn es jedoch tatsächlich ein echtes G9 gebe und eine relevante Zahl an Kindern mitmachen dürfe, könne er sich auch vorstellen auf die Initiative zum Volksbegehren zu verzichten. Doch zurzeit seien alle Aussagen noch sehr vage, darum gehe die Arbeit der Initiative weiter.

Stand: 08.06.2017, 16:18