Der Feldhamster ist aus NRW verschwunden

Feldhamster im Feld

Der Feldhamster ist aus NRW verschwunden

Von Rainer Striewski

  • Spezialisten mit Nachzucht beauftragt.
  • Auch immer weniger Rebhühner, Feldlerche und Kiebitze.
  • Seeadler brüten erstmals wieder am Niederrhein.
  • Forderungen an neue Landesregierung.

Die Zeiten, in denen der kleine Feldhamster für große Auseinandersetzungen in NRW sorgte, sind vorbei. Vor über zehn Jahren noch reichte die bloße Existenz des Nagetiers aus, um ein Milliardenprojekt wie das Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath zu gefährden. Das schaffen die Tierchen heute nicht mehr, denn sie sind komplett aus NRW verschwunden.

"Letztes Jahr wurden die letzten fünf Exemplare für die Zucht entnommen", sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) in NRW am Dienstag (04.07.2017). Jetzt gehe es darum, die Population wieder aufzubauen. Dafür wurden die Exemplare niederländischen Spezialisten anvertraut, die in der Feldhamsterzucht bereits erfolgreich waren.

Rückgang bei Insekten "besorgniserregend"

Wolf helt im Wald

Der Wolf könnte bald zurück sein in NRW

Auch die Bestände von Rebhuhn, Feldlerche und Kiebitz befänden sich im freien Fall, sagte Tumbrinck. Auch der Rückgang bei Insekten sei "besorgniserregend". Hier hat sich der Bestand nach Angaben des NABU innerhalb von 20 Jahren auf ein Fünftel reduziert. Hauptgrund dafür sei der starke Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft.

Erfreulich dagegen: Arten wie Fischotter, Biber oder Kranich kehrten dagegen nach Nordrhein-Westfalen zurück. Eine Rückkehr des Wolfes wird zudem erwartet. Und erstmals seit langer Zeit kümmert sich ein Seeadler-Paar am Niederrhein wieder um seinen Nachwuchs.

Gute Gespräche mit Landesregierung

Optimistisch zeigte sich Tumbrinck auch nach ersten Gesprächen mit der neuen Landesregierung. "Ich sehe weiterhin positive Perspektiven, da wir einen breiten gemeinsamen Nenner gefunden haben", sagte der NABU-Vorsitzende nach einem Treffen mit Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) und ihrem Staatssekretär Heinrich Bottermann.

Die Ansätze im Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP lobte Tumbrinck zwar, betonte aber auch: "Papier ist geduldig, das muss auch umgesetzt werden."

NABU: "Weiter so" darf es nicht geben

Gleichzeitig ermahnte er die neue Landesregierung, Akzente für mehr Ökologie und Klimaschutz zu setzen. "Ein 'Weiter so' wie bisher in der nordrhein-westfälischen Landwirtschaft ist mit Blick auf die EU-Agrarpolitik weltfremd", so Tumbrinck.

Josef Tumbrinck

Tumbrinck: "Gute Gespräche mit Landesregierung"

Bei der Umsetzung der Natur- und Klimaschutzziele für NRW bedürfe es in erster Linie einer besseren finanziellen Ausstattung der Förderprogramme. Zudem seien "massive Restriktionen" beim Ausbau der Windenergie das falsche Signal. Auch ein ungebremster Flächenverbrauch schade nur Landwirtschaft und Naturschutz.

Bliebe es bei den Ankündigungen im Koalitionsvertrag, stehe zu befürchten, dass das aus Sicht von Ökologie und Klimaschutz verlorene Jahre für NRW und Deutschland werden.

Stand: 04.07.2017, 14:30