Big Data als Wahlkampfhelfer

Marco Schmitz betrachtet mit einer Wahlkampfhelferin die App

Big Data als Wahlkampfhelfer

  • Parteien setzen auf digitale Wahlkampfhelfer.
  • Apps zeigen, wo sich der Besuch lohnt.
  • Andere Länder sind schon weiter.

Marco Schmitz ist Landtagskandidat für die CDU. Derzeit ist er viel im Straßenwahlkampf unterwegs, schließlich steht die Landtagswahl vor der Tür. Unterstützt wird der 36-Jährige dabei nicht nur von seinem Wahlkampf-Team aus Fleisch und Blut, sondern auch von einer digitalen App. Die hat ihm für besonders lohnende Hausbesuche etwa das Düsseldorfer Zooviertel empfohlen.

Denn dort ist nach den Berechnungen des digitalen Helfers die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass er auf CDU-Anhänger trifft. "Wir haben eine Potenzialanalyse durchführen lassen von einem Dienstleister und haben von dem Adressen bekommen, wo gesagt worden ist, dass in diesen Stimmbezirken oder in diesen Straßenzügen die Wahrscheinlichkeit über 60 Prozent liegt, dass die Menschen da CDU wählen", erklärt Schmitz.

Viele Parteien setzen auf digitale Helfer

App der CDU

Wo wohnen potentielle CDU-Wähler?

Doch woher weiß das System, wo CDU-Sympathisanten wohnen? Die Daten basieren etwa auf alten Wahlergebnissen und gekauften Adressdaten. Doch die Software bietet noch tiefere Einblicke: Das System identifiziert beispielsweise auch Familien und Geringverdiener. So können Kandidaten bestimmte Zielgruppen passgenau mit ihren Argumenten ansprechen. Wahlkämpfer können in der App sogar Punkte sammeln und zum "Wahlkampf-Helden" aufsteigen.

"Connect17" und "Tür zu Tür"

"Connect17" hat die CDU ihre App genannt. Auch andere Parteien haben digitale Helfer im Einsatz. "Tür zu Tür" wurde etwa die Software der SPD getauft. Zusammen mit einem "Mobilitätsplaner" soll sie den Wahlkampfhelfern vor allem Viertel und Straßen anzeigen, wo jene Bürger wohnen, die für die Sozialdemokratie Sympathien haben, bisher aber ihr Kreuz nicht bei der SPD machten. Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit werden mit einem grünen Punkt angezeigt. Den Datenschutz will die Partei strikt einhalten: "Auf das Haus, auf einzelne Personen bezogene Daten haben wir nicht, erheben wir nicht und verwenden wir auch nicht", betonte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Auch die Grünen testen gerade eine Software, sie soll im Sommer vorgestellt werden.

Experte sieht noch "Luft nach oben"

Kampagnen-Manager Alexander Güttler

Güttler: "Sehr, sehr viel Retro"

In den USA, vor allem in Frankreich sind solche Systeme längst Standards, in NRW steht das Ganze noch ganz am Anfang. Der Kampagnen-Manager Alexander Güttler sieht beim Einsatz von digitalen Wahlkampfinstrumenten denn auch noch viel Luft nach oben: "Aus meiner Sicht ist sehr charmant, dass der Straßenwahlkampf in NRW wiederbelebt wird. Da kommt jetzt auch ein bisschen Big Data dazu, aber es ist eben auch sehr, sehr viel Retro."

Datenschutz engt Spielraum ein

In anderen Ländern gehen die Parteien noch einen Schritt weiter: "Viele bauen sich zu einem Thema eine eigene Follower-Base auf. Und wenn dann der Wahlkampf kommt, werden diese Leute mit zielgerichteten Nachrichten beschickt", erklärt Güttler. Das wäre dann "mehr als nur ein bisschen Big Data", so der Experte.

Der Politikwissenschaftler Christoph Bieber

Bieber: "In anderen Ländern präziseres Bild möglich"

Doch nicht alles, was in anderen Ländern machbar ist, ist hier auch erlaubt - beispielsweise bei der Auswertung von Daten: "Man kann in den USA auf sehr viel mehr verschiedene Daten zugreifen und sich so ein präziseres Bild vom möglichen Wähler machen", weiß Christoph Bieber, Politikwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen. Diese Möglichkeiten gebe es in Deutschland nicht. "Und das engt natürlich auch den Spielraum der digitalen Werber ein."

Stand: 07.05.2017, 06:00