Porträt: Ein alter Partei-General tritt an

Der NRW-Verkehrsminister Michael Groschek

Porträt: Ein alter Partei-General tritt an

Von Sabine Tenta

  • SPD-Gremien einigen sich auf Groschek als neuen Vorsitzenden.
  • Klassische Parteikarriere im Ruhrgebiet.
  • Der 60-Jährige soll die Partei aus ihrer Krise führen.

Schneller als gedacht hat sich die NRW-SPD auf einen neuen Vorsitzenden geeinigt. Noch-Verkehrsminister Michael Groschek soll es nun richten.

Ein alter Partei-Haudegen

Michael Groschek, der in der Partei nur Mike genannt wird, war im Kabinett Kraft von 2012 bis 2017 Verkehrs- und Bauminister. Als ehemaliger Generalsekretär der Partei ist Groschek ein Garant dafür, dass jemand ans Ruder kommt, der sich bestens bei den Genossen an Rhein und Ruhr auskennt.

Klassische SPD-Karriere

Groschek ist ein Kind des Ruhrgebiets, 1956 wurde er in Oberhausen geboren. Der Sohn eines Konditormeisters und einer Hausfrau trat aus Begeisterung für Willy Brandt und dessen Ostpolitik mit 17 Jahren in die SPD ein.

Es folgte dann eine klassische SPD-Karriere: Vorsitzender der Oberhausener Jusos, Vorstandsmitglied im SPD-Ortsverein, Landtagsabgeordneter, von Düsseldorf in den Bundestag und als Minister zurück an den Rhein. Und zwischendurch Generalsekretär der NRW-SPD.

Störenfried für Rot-Grüne Harmonie

Die Rot-Grüne Koalition unter Kraft war im Vergleich zu den ersten Bündnissen der beiden Parteien in NRW von großer Harmonie geprägt. Umso mehr verärgerte der Bau- und Verkehrsminister Michael Groschek den Koalitionspartner, als er über eine "durchgrünte Gesellschaft" klagte und Infrastrukturprojekte durch "Egoisten im Mantel einer Bürgerinitiative" ausgebremst sah.

Der Übergangskandidat

Der 60-Jährige steht für viel Politikerfahrung - aber mit Sicherheit nicht für die Verjüngung der Partei. Deshalb gilt Groschek als Übergangskandidat. Er wird nun die Partei, die ein historisches Wahldebakel erlitten hat, wieder aufbauen und zunächst in eine erfolgreiche Bundestagswahl führen müssen.

Danach hat er noch die Europawahlen 2019 und die NRW-Kommunalwahlen 2020 im Blick, wie er am Freitag (19.05.2017) in der SPD-Parteizentrale ankündigte. Gut möglich also, dass dann ein anderer die Führung übernimmt, der dann auch als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf 2022 zieht.

Job "nicht vergnügunssteuerpflichtig"

Auf seiner Facebook-Seite, die lediglich ein Minimalprofil von ihm widergibt, aber keine aktuellen Posts, antwortet er auf die Frage: Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?: "Mir reichen die vorhandenen." An Selbstbewusstsein mangelt es ihm also nicht. Wie auch immer diese Gaben konkret aussehen - er wird sie alle brauchen, um die NRW-SPD zu führen. Er ist sich der Herausforderung durchaus bewusst und sagte zu seinem künftigen Amt als NRW-SPD-Chef: "Das ist kein vergnügungssteuerpflichtiger Job."

Stand: 19.05.2017, 17:46