Parteilos in den Landtag? Geht das?

Florian Marbach, parteiloser Landtagskandidat für den

Parteilos in den Landtag? Geht das?

Von Fabian Wahl

  • 18 parteilose Kandidaten wollen in den Landtag.
  • Wenig Unterstützung, kaum Chancen.
  • Florian Marbach aus Oberhausen im Wahlkampf.

Florian Marbach kommt im Wahlkampf ohne Luftballons, Rosen oder sonstige Werbeartikel aus. Lediglich zwei Wahlkampfplakate und einige Flyer hat der parteilose Landtagskandidat für den Wahlkreis Oberhausen I erstellt – in Eigenregie. "Ich habe 200 Euro Wahlkampfbudget, Parteikandidaten haben dagegen 20.000 Euro", sagt Marbach, der sein Geld als Beamter im Düsseldorfer Finanzministerium verdient. Seinen Wahlkampf bestreitet der 39-Jährige aus eigener Tasche.

Vom Feierabendmarkt zum Monatsmarkt

Marbach setzt auf das direkte Gespräch, einen Wahlkampfstand braucht er dafür nicht. Am liebsten ist er auf den Märkten unterwegs, so wie diesmal auf dem monatlichen Freitagsmarkt an Sankt Joseph in Oberhausen-Styrum. Es riecht nach frischen Waffeln und heiß frittierten Pommes. Als nebenan die Kirchenglocke läutet, beginnt Marbach seine Überzeugungsarbeit.

Erste Station ist ein Pavillon, wo Rentner oder ein paar Arbeiter zu Mittag essen. "Hallo, darf ich kurz stören? Haben Sie schon entschieden, wen Sie wählen", fragt er drei Seniorinnen, die ihren Erbseneintopf löffeln. "Von Politik habe ich gestern schon genug im Fernsehen gesehen", blockt ihn eine der Damen ab. Auch am nächsten Tisch bekommt Marbach eine Abfuhr. Marbach nimmt es sportlich, vielleicht auch, weil er Triathlet ist.

"Von jeder Partei das Beste"

Markt an St. Joseph in Oberhausen-Styrum

Wahlkampf auf dem Markt an Sant Joseph in Oberhausen-Styrum

Nächste Station: Bücherstand. Hier verwickelt er zwei Frauen in ein Gespräch. "Ich bin parteiloser Kandidat und nicht gebunden", erklärt Marbach. "Deshalb kann mir von jeder Partei die besten Ideen nehmen." In der Arbeitnehmerpolitik steht Marbach der SPD nahe, beim Thema Sicherheit der CDU und in bei Umweltfragen vertritt er die Ideen der Grünen. "Der Verdruss über die Parteien ist sehr groß", meint er. Seine Parteilosigkeit sieht er als Trumpf.

Es ist ein mühsames Geschäft, als parteiloser Kandidat anzutreten. Marbach hat keinen Parteiapparat im Rücken, der ihn unterstützt, nur seine Ehefrau. Auch in der heißen Wahlkampfphase geht er weiter seinem Vollzeitjob nach, inklusive zwei Stunden pendeln am Tag.

18 parteilose Kandidaten

100 Unterschriften musste Marbach, sammeln, um kandidieren zu dürfen. Dies hat er locker geschafft. Doch der Sprung in den Landtag ist noch nie einem parteilosen Politiker gelungen. Bei dieser Wahl versuchen es dennoch landesweit 18 Kandidaten. Erst bei Einzug in den Landtag erhalten sie eine Wahlkampfkostenerstattung.

Florian Marbach ist sich seiner geringen Chancen bewusst. "Ich bin weit davon entfernt, meinen Arbeitgeber auf eine fünfjährige Abstinenz vorzubereiten", sagt er und lächelt. Er hat eine positive Ausstrahlung. Er ist Optimist. "Ich möchte den Leuten anbieten, es besser zu machen", erklärt er. "Wenn ich nicht gewählt werde, habe ich es immerhin versucht".

Stand: 08.05.2017, 06:30