Die Linke zittert um die fünf Prozent

Die Landessprecher der Partei Die Linke, Özlem Alev Demirel und Christian Leye, enthüllen in Düsseldorf ein Wahlplakat

Die Linke zittert um die fünf Prozent

Von Daniela Junghans

Es ist alles andere als sicher, ob die Linke es zurück in den Landtag schaffen wird. Seit Monaten steht die Partei in Umfragen zur Landtagswahl bei fünf bis sechs Prozent.

Özlem Demirel soll es richten: Die 33-Jährige ist Spitzenkandidatin ihrer Partei und sie will die Linke zurück in den Landtag bringen. Doch leicht wird das nicht, seit Monaten steht die Partei in den Umfragen zwar konstant bei um die fünf Prozent, doch steigern konnte sie sich nicht. Daran hat auch der Wahlkampf nichts geändert.

Und weil Özlem Demirel zwar seit langem in der Partei aktiv ist, ab 2010 auch zur damaligen Landtagsfraktion ihrer Partei gehörte, aber trotzdem nicht sehr bekannt ist, setzt die Linke auf ihre Partei-Prominenz: Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi sind fester Bestandteil des Wahlkampfes in NRW. Sie sollen zusätzliche Stimmen holen.

Neues Design, altbekannte Themen

Die Landessprecher der Partei Die Linke, Özlem Alev Demirel und Christian Leye, enthüllen in Düsseldorf ein Wahlplakat

Die Linken wollen zurück in den NRW-Landtag

Zumindest optisch hat die Linke neue Akzente gesetzt. Fanden sich in den vergangenen Jahren auf den Wahlplakaten regelmäßig Textwüsten, die kaum jemand schnell erfassen konnte, setzt die Linke jetzt auf klare Botschaften. "Zeig Stärke" steht auf den aufgeräumten, tiefroten Plakaten; dazu ein kurzes Statement zum jeweiligen Thema. Im Hintergrund recken, je nach Thema, Frauen, Männer oder Kinder, ihre Faust kämpferisch in die Luft. Die Botschaft ist klar: mit der Linken kann man kämpfen.

Die neuen Plakate bringen zwar optische frischen Wind in den Wahlkampf, thematisch hat sich aber nichts geändert. Es gibt keine Überraschungen. Die Partei fordert einen höheren Mindestlohn, mehr Rente und die Abschaffung von Hartz4. Finanziert werden soll das und mehr vor allem durch höhere Abgaben für Besserverdiener - Stichwort: Millionärssteuer.

Die großen Themen der Partei spielen eher auf der Berliner Bühne. Für NRW will die Linke ein großes Investitionsprogramm starten: mehr Jobs, unter anderem in der Pflege, mehr Sozialwohnungen durch die Gründung einer landeseigenen Wohnungsgesellschaft und ein Sozialticket für 15 Euro pro Monat.

Viel Wählerpotenzial, aber reicht das?

Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht spricht in der Stadthalle in Gütersloh bei der Landesvertreterkonferenz

Auch Sahra Wagenknecht macht Wahlkampf in NRW

Mit diesen Themen und der aktuellen politischen Lage müsste es eigentlich ein Leichtes sein, für die Linke zusätzliche Stimmen zu bekommen. Die Piraten haben kaum Chancen, im Landtag zu bleiben. Viele ihrer Wähler suchen eine neue politische Heimat. Die Grünen verlieren ebenfalls Anhänger. Und von dort ist der Weg für Viele nicht weit zu den Positionen der Linken. Es gibt also mindestens zwei kleine Parteien, von denen die Linken Wähler bekommen könnten. Zumal der klassische Linken-Wähler längst nicht mehr alt und aus dem Arbeitermilieu ist. Ganz im Gegenteil: Viele Anhänger der Partei sind jung und gebildet. Meinungsumfragen zeigen das schon länger.

Und dann sind da ja auch noch enttäuschte SPD-Anhänger. Menschen, denen es nach sieben Jahren mit einer Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nicht spürbar besser geht. Die wenig verdienen, von Hartz4 leben müssen oder eine schlechte Rente bekommen. Trotz dieses Potenzials schafft es die Linke bislang nicht, ihre Umfragewerte deutlich zu steigern. Das mag auch an der AfD liegen, die gerade die klassischen Protestwähler anspricht, also auch einen Teil der Linken-Anhänger. Erschwerend kommt hinzu, dass die Linke mancherorts inzwischen als Teil des Establishments gilt, schließlich sitzt sie zumindest im Osten längst auch in Länderregierungen.

Gleichzeitig fürchten manch potenzielle Wähler wohl auch, die Partei sei noch immer so zerstritten wie früher. Das aber sei längst nicht mehr der Fall, sagt Spitzenkandidatin Demirel. Die Linke habe aus der Wahlschlappe 2012, als sie mit 2,5 Prozent aus dem Landtag flog, viel gelernt. Dazu gehöre auch, dass sie nicht das Bild vermitteln dürfe, "wir seien mehr mit uns selbst beschäftigt als mit den Problemen der Menschen." Denn das, betont Demirel, wollten die Menschen nicht, "und damit haben sie auch verdammt Recht!"

WDR 5 Westblick - Interview | 02.05.2017 | 16:15 Min.

Schafft es die Linke wieder zurück in den NRW-Landtag? In den Umfragen liegt die Partei bei fünf bis sechs Prozent, es wird also eine Zitterpartie. Wie will die Linke die Wähler überzeugen? Westblick-Interview mit der Spitzenkandidatin der Partei, Özlem Demirel.

Stand: 08.05.2017, 06:00