Ditib: Verwirrspiel um Bespitzelung in der Moschee

DITIB Merkez Moschee in Duisburg Marxloh

Ditib: Verwirrspiel um Bespitzelung in der Moschee

  • Verwirrung um Spitzelei durch Imame
  • Ditib räumt Spionage von Gülen-Anhängern ein
  • Generalsekretär fühlt sich falsch zitiert

Deutschlands größter Islamverband Ditib hatte gegenüber mehreren Medien eingeräumt, dass einige Imame Informationen über Anhänger des Predigers Fethullah Gülen an die türkische Regierung weitergegeben haben, der in der Türkei als Staatsfeind gilt. Die entsprechende schriftliche Anweisung des türkischen Religionspräsidiums Diyanet sei aber nicht an die Ditib gerichtet gewesen, sagte Generalsekretär Bekir Alboga der "Rheinischen Post" und dem ZDF (12.01.2017).

Trotzdem seien dem einige wenige Ditib-Imame fälschlicherweise gefolgt. "Wir bedauern die Panne zutiefst und haben diesbezüglich auch mit Diyanet gesprochen", sagte Alboga. Auch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte er am Donnerstag, circa drei Imame seien dieser Anweisung gefolgt. An wen sich diese Anweisung ursprünglich gerichtet habe, wisse er nicht.

Doch wenige Stunden später schien Alboga seine Meinung geändert zu haben. Er ließ auf der Internetseite des Verbands verlauten, dass Ditib die Bespitzelung entgegen der Meldungen in den Medien nicht bestätigt habe. "Meine Aussagen als Generalsekretär beabsichtigten lediglich, dass die Vorwürfe ernst genommen und von DITIB weiterhin untersucht werden", erklärte Alboga. Man sei weiterhin um transparente Aufklärung bemüht. Schlüssig erscheint seine Richtigstellung nicht, zumal er seine Äußerungen aus der "Rheinischen Post" und "heute.de" anschließend auch noch gegenüber der dpa bestätigt hatte.

Ditib wegen enger Türkei-Verflechtung in der Kritik

Die Spitzel-Affäre war am Mittwoch (11.01.2017) auch Thema eines Gesprächs zwischen Ditib-Vertretern aus Nordrhein-Westfalen und der Landesregierung in Düsseldorf. Eine Sprecherin des Integrationsministeriums erklärte, die Regierung sehe den Verband weiter als Partner. Vertreter der Staatskanzlei und mehrerer Ministerien forderten von der Ditib, dazu beizutragen, dass innertürkische Konflikte nicht unrechtmäßig in NRW ausgetragen werden, berichtete die Ministeriumssprecherin.

Staatsnähe zur Türkei soll überprüft werden

Ein Gutachten soll die Organisation bis Jahresende auch auf eine Staatsnähe zur Türkei überprüfen und klären, ob eine unmittelbare Einflussnahme aus Ankara besteht. Die Ditib bleibt indes weiterhin in einem Beirat für den Islamischen Religionsunterricht an NRW-Schulen vertreten. Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im vergangenen Jahr stand der Islam-Verband wegen der engen Verflechtung mit dem türkischen Staat wiederholt in der Kritik.

Stand: 12.01.2017, 21:10