Kommentar zum Urteil über Leverkusener Rheinbrücke

Leverkusener Brücke

Kommentar zum Urteil über Leverkusener Rheinbrücke

Von Stefan Lauscher

Der Neubau der maroden Leverkusener Rheinbrücke kann nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von Mittwoch (11.10.2017) wie geplant vorangehen. Ein Stoßseufzer.

Das Leipziger Urteil hat eine klare Botschaft. Sie lautet: Die Planer haben die Risiken hinreichend ermittelt und beurteilt. Und auch bei der Frage Stelze oder Tunnel auf der Leverkusener Brückenzufahrt sehen die Richter keine unzulässige Vorfestlegung. Im Ergebnis: Der Bau der neuen Rheinbrücke kann im Frühjahr kommenden Jahres planmäßig beginnen.

Und ich füge gleich hinzu: Gott sei Dank! In der Stillstandsrepublik Deutschland geht scheinbar doch noch was. Mir jedenfalls ist heute ein Riesenstein vom Herzen gefallen.

Dhünnaue ist kein Monster

Stefan Lauscher

WDR-Redakteur Stefan Lauscher

Was die Giftmülldeponie angeht: Ich will da nichts klein reden. Natürlich gibt es Risiken, wenn man in eine bislang abgeschlossene Deponie eingreifen muss. Aber die Deponie Dhünnaue ist kein Monster: Sie ist umfassend untersucht, nur 8 Prozent der Deponiestoffe sind wirklich giftig, der Rest Bauschutt und anderes Füllmaterial. Und gerade mal vier von über 30 Brückenpfeilern sowie zwei Widerlager werden in die Deponie reingesetzt. Mein Eindruck: Die Planer gehen wirklich sorgfältig mit dieser Frage um; niemand agiert da leichtfertig.

Was bleibt, sind Ängste. Die kann ich verstehen. Aber mit Ängsten löst man keine Probleme.

System Straße gerät an seine Grenzen

Auf der anderen Seite: Es steht eine Menge auf dem Spiel. Dauerstau (am 10.10.2017 ein neuer Rekord von über 500 Kilometern im Berufsverkehr), marode Brücken, überlastete Autobahnen. Wirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe jeden Tag. Das System Straße gerät immer mehr an seine Grenzen.

Die Leverkusener Brücke ist längst zum Symbol geworden für die zerbröselnde Infrastruktur in Deutschland. Seit heute steht sie auch symbolhaft für die Frage, ob wir es jetzt schaffen, die Probleme schnell und zupackend anzugehen, oder ob wir weiter unsere Bedenken pflegen und zuschauen, wie es jeden Tag schlimmer wird.

Stand: 11.10.2017, 18:16