U3-Betreuung: Verschuldete Städte mit Problemen

U3-Betreuung: Verschuldete Städte mit Problemen

Von Christopher Ophoven

  • WDR-Analyse: U3-Plätze fehlen besonders in hoch verschuldeten Städten.
  • Tageseltern statt Kita-Plätze.
  • Insgesamt fehlen in NRW über 20.000 U3-Plätze.

Ob Eltern einen Kita-Platz bekommen oder nicht, hängt auch vom Wohnort ab. Daten des NRW-Familienministeriums zeigen: Je höher die Pro-Kopf-Verschuldung einer Stadt ausfällt, desto weniger U3-Plätze in Kitas bietet sie an.

Das zeigt sich vor allem in Oberhausen und Duisburg, wo es für nicht einmal jedes dritte Kind einen Platz gibt. Im Gesamtvergleich schneidet Oberhausen allerdings nicht ganz so schlecht ab, weil die Stadt verstärkt auf Tageseltern setzt. Kein Einzelfall, sondern eine klare Tendenz, wie die Zahlen zeigen, die das Familienministerium im Frühjahr für das aktuelle Kindergartenjahr von den Jugendämtern einholt: Hoch verschuldete Städte halten besonders viele Plätze bei Tageseltern vor.

Die Kindertagespflege hat für die Städte viele Vorteile. Die Kapazitäten sind deutlich schneller aufgebaut. Zudem liegt das wirtschaftliche Risiko bei den Tageseltern, die ohnehin wenig verdienen.

Vergleichbar mit der Betreuung in einer Kindertagesstätte ist die Kindertagespflege allerdings nicht. Tageseltern müssen zwar einen Kurs absolvieren, aber: "Mit einer Erzieherausbildung lässt sich das nicht vergleichen", sagt Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut. Eltern würden daher für ihre Kinder Tagesstätten bevorzugen.

Über 20.000 Plätze fehlen

Insgesamt haben die Städte bei den U3-Betreuungsplätzen aber stark ausgebaut. Mehr als ein Drittel aller Plätze ist in den vergangenen fünf Jahren geschaffen worden. Ein massiver Anstieg - mittlerweile gibt es für 37,5 Prozent aller Kinder einen Betreuungsplatz.

Den Bedarf deckt das aber nicht ab, wie ein Bericht des Bundesfamilienministeriums von 2016 zeigt. In NRW wünschen sich 41,9 Prozent aller Eltern von Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Demnach würden über 20.000 U3-Plätze fehlen.

Regional sind die Unterschiede allerdings groß: Im Kreis Coesfeld gibt es für mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Die Stadt Gummersbach könnte für alle U3-Kinder einen Platz anbieten, doch dort wurden gerade mal ein Viertel der Kinder von den Eltern angemeldet.

Kaum Halbtagsplätze

Fast in ganz NRW sind die Betreuungsangebote auf 45 Stunden pro Woche ausgelegt - also auf eine ganztägige Betreuung. Verschiedene Erhebungen kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass viele Eltern ihre Kinder gar nicht so lange betreuen lassen wollen.

Dass trotzdem fast nur Ganztagsplätze angeboten werden, liegt daran, dass sich Halbtagsplätze für Tageseltern und viele Kitas finanziell nicht lohnen. Zudem wünschen sich viele Eltern größtmögliche Flexibilität. Bei Halbtagsplätzen beginnt die Betreuung allerdings in der Regel morgens und endet mittags. Für Eltern, die in wechselnden Schichten arbeiten, ist das ein Problem.

Nach den Daten des NRW-Familienministeriums gibt es beispielweise in Wuppertal nur einen einzigen 25-Stunden-Platz. Bei einer Erhebung des Deutschen Jugendinstitutes und der TU Dortmund von 2014 gab allerdings fast ein Drittel der befragten Eltern in Wuppertal an, dass sie lediglich eine Betreuung bis maximal 20 Stunden pro Woche benötigen. Nicht wenige Eltern bezahlen mitunter also den Preis für einen Platz in der Ganztagsbetreuung, obwohl sie ihr Kind früher abholen.

Wie zuverlässig sind die Daten?

Die Daten basieren auf den Vorab-Meldungen aller Jugendämter, die im Familienministerium gesammelt werden. Auf diese Zahlen beziehen sich sowohl die aktuelle als auch die ehemalige Landesregierung. Aufgrund kurzfristiger Änderungen in den Kommunen weichen die Zahlen vom aktuellen Stand aber immer leicht ab.

Als Problematisch erweisen sich die nie ganz aktuellen Bevölkerungszahlen - sie stammen vom 31. Dezember 2015 und sind vom Landesamt für Statistik. Sollte die Geburtenrate aber weiter steigen, würde die durchschnittliche Betreuungsquote sogar schlechter ausfallen als 37,5 Prozent.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut rate Eltern, Kinder in Kitas statt in Tagespflege-Einrichtungen anzumelden. Wörtlich hat er allerdings gesagt: "Wenn Eltern die Möglichkeit haben, zu wählen, dann gehen die Eltern in die Kita, weil das ein zuverlässiges, qualitativ hochwertiges und eingespieltes Angebot ist, das sie kennen und auf das sie sich bedingungslos verlassen können."

Stand: 28.08.2017, 06:00