Grüne strafen Spitzenkandidatin Löhrmann ab

Sylvia Löhrmann, Spitzenkandidatin der NRW Grünen, spricht auf dem Landesparteitag der Grünen in Oberhausen zu den Delegierten

Grüne strafen Spitzenkandidatin Löhrmann ab

Von Rainer Striewski

  • NRW-Grüne bestimmen Landesliste zur Landtagswahl
  • Sylvia Löhrmann mit Dämpfer zur Spitzenkandiatin gewählt
  • Quittung für Bildungspolitik

80,6. Diese Zahl wird sich Sylvia Löhrmann merken. Mit nur 80,6 Prozent der Delegiertenstimmen ist die 59-Jährige am Samstag (24.09.2016) erneut zur Spitzenkandidatin der NRW-Grünen bei der kommenen Landtagswahl gewählt worden. Sie fuhr damit das schlechteste Ergebnis unter den ersten zehn Listenplätzen ein - mit Ausnahme der Bewerber mit Gegenkandidaten. Vor fünf Jahren hatte sie noch 98 Prozent Zustimmung erfahren.

Sylvia Löhrmann (2.v.l.), Spitzenkandidatin der Grünen Nordrhein-Westfalen, macht mit Cem Özdemir (r), Vorsitzender der Grünen, Sven Lehmann (l) und Mona Neubaur am 24.09.2016 auf dem Landesparteitag der Grünen in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) ein Selfie

Damit erhielt Löhrmann auch parteiintern die Quittung für ihre umstrittene Schulpolitik. Lange hatte sie am "Turbo-Abi" G8 festgehalten. Erst kurz vor dem Parteitag brachte sie eine mögliche Reform ins Gespräch, bei der den Schülern ein individueller Weg zum Abi ermöglicht werden soll. "Wir werden auch die individuelle Lernzeit für jedes Kind mehrheitsfähig machen", erklärte sie bei ihrer Bewerbung um den Spitzenplatz. Gerade in der Bildungspolitik müssten aber noch "dicke Bretter" gebohrt werden, bekannte sie. Das gelte auch für die Inklusion, bestätigte Grünen-Parteichef Cem Özdemir in seiner Gastrede an die Delegierten. Doch er kenne eine, die bohre das dicke Brett - Löhrmann nämlich: "Und die ist auch irgendwann mal durch. Und dann klappt das mit der Inklusion", so Özdemir. Die Arbeit von "Hannelore und Sylvia" in NRW lobte er nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Art, wie Politik gemacht wird, als "stilbildend".

"Buh"-Rufe bei Remmels Bewerbung

Blumentöpfe stehen Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen auf der Bühne

"Es braucht mehr Grün im Land"

Deutlich mehr Zustimmung als Sylvia Löhrmann erhielt ihr Ministerkollege Johannes Remmel. Mit 89,51 Prozent wählten ihn die Delegierten auf Platz zwei der Landesliste - obwohl bei seiner Bewerbung deutlich "Buh"-Rufe zu vernehmen waren. Doch die hatte er selber ausgelöst - indem er eine Äußerung von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) zitierte: "Ein Gespenst geht rum in NRW. Das Gespenst der durchgrünten Gesellschaft", begann Remmel seine Bewerbungsrede. Doch das sei natürlich Blödsinn, stellte er schnell klar. Schließlich brauche es eher noch mehr Grün im Land: "Wir wollen Klasse statt Masse", führte er aus. Statt "Turbo-Kühen" brauche das Land artgerechte Tierhaltung und faire Preise - eben mehr Grün in NRW. Und weniger Kohle: "Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Die Abenddämmerung der Kohle hat längst begonnen. Der Kohle-Ausstieg geht nur mit uns", erklärte Remmel mit Blick auf die SPD. Damit grenzt er sich - im Gegensatz zu Spitzenkandidatin Löhrmann - deutlich vom Koalitionspartner ab. Obwohl auch Remmel als Umweltminister durchaus umstrittene Projekte wie Jagd- oder Naturschutzgesetz zu verantworten hat, scheint er mit seiner Hardliner-Politik bei den Grünen eher punkten zu können als Sylvia Löhrmann.

Kaum personelle Veränderungen

Cem Özdemir, Vorsitzender der Grünen, spricht am 24.09.2016 auf dem Landesparteitag der Grünen in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) zu den Mitgliedern

Rund 270 Delegierte bestimmen Landesliste

Selbst Gesundheitsministerin Barbara Steffens fuhr mit 83,52 Prozent ein besseres Ergebnis als Spitzenkandidatin Löhrmann ein. "Wir sind die Sozialpartei in NRW", erklärte Steffens in Oberhausen. Sie tritt auf Listenplatz drei an, gefolgt vom Fraktionsvorsitzenden Mehrdad Mostofizadeh, für den 81,72 Prozent der Delegierten stimmten. Über die besten Wahlergebnisse unter den ersten zehn Listenplätzen konnten sich Monika Düker (90,84 Prozent) und Arndt Klocke (90,57 Prozent) freuen.

NRW-Grüne stellen Spitzenkandidaten auf

WDR 5 Morgenecho - Interview | 24.09.2016 | 05:48 Min.

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60 Plätze auf Landesliste

Bei der Landtagswahl 2012 konnten die Grünen mit einem Wahlergebnis von 11,3 Prozent noch 29 Abgeordnete stellen. 2017 könnte das Ergebnis etwas schlechter ausfallen. Der NRW-Trend vom Mai 2016 sieht die Grünen derzeit bei 10 Prozent.

Stand: 24.09.2016, 17:21