Herausforderung Gewalt in der Pflege

Die Fixierung bzw. Fixation eines Patienten in der Krankenpflege durch Festschnallen am Handgelenk

Herausforderung Gewalt in der Pflege

Jeder zehnte Patient in der Pflege erlebt laut einer Umfrage unter Pflegekräften konkrete Gewalt. Gesundheitsminister Laumann fordert eine neue Kultur im Umgang mit Fehlern.

Am Freitag (15.09.2017) veröffentlichte das in Köln ansässige Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) einen Studienbericht zum Thema "Gewalt in der Pflege". In einer Zufallsstichprobe wurden gut 400 Pflegefachpersonen und -schüler befragt. 30,8 Prozent der Befragten gaben an, dass sie "eher häufig" bis "sehr häufig" erleben, dass "Pflegemaßnahmen gegen den Willen von Patienten und Pflegebedürftigen" durchgeführt werden.

Jeder zehnte Befragte (10,2 Prozent) gab an, "darüber hinausgehende Erfahrungen zur Gewalt von Pflegenden an Patienten und Pflegebedürftigen" erlebt zu haben. Die Zahlen sind erschreckend, aber nicht neu, denn sie bestätigen nach Aussage der Autoren des DIP die gängige Literatur zum Thema Gewalt in der Pflege.

Definition des Gewaltbegriffs

Zur Gewalt gehört für die Autoren der Studie beispielsweise "körperliche und sexualisierte Gewalt, verbale Übergriffe, Medikamentenmissbrauch, Missachtung der Privatsphäre, finanzielle Ausbeutung und Vernachlässigung von Pflegebedürftigen".

Minister Laumann: "Das ist erschütternd"

Karl-Josef Laumann, CDU (Archivbild)

Karl-Josef Laumann (CDU)

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zeigte sich im Interview mit Westpol sichtlich betroffen: "Das ist natürlich erschütternd." Gewalt in der Pflege sei "völlig inakzeptabel". Weiter sagte er: "So Zahlen schmerzen mich und machen mich sehr nachdenklich. Du stehst als Minister ja auch vor solchen Studien und denkst, was kannst du denn machen? Was ist die Möglichkeit, die ein Staat hat?"

Nicht noch mehr Kontrolle und Dokumentation

Das Problem lasse sich nicht durch noch mehr Kontrolle und Dokumenation in der Pflege lösen. Vielmehr sei es wichtig, eine Führungskultur zu entwickeln, bei der "diese Themen nicht unter den Tisch gekehrt werden" und Fehler offen zugegeben werden können. "Wenn ein Fehler passiert, ist das Vertuschen viel schlimmer, als es auszusprechen. Weil man dann auch Maßnahmen ergreifen kann, dass ein solcher Fehler nicht wieder passiert."

Arbeit an neuem Personalschlüssel bis 2020

Der Gesundheitsminister sprach auch den Personalschlüssel in der Pflege an. Das beste Verhältnis zwischen Pflegekräften und Patienten habe Bayern, den schlechtesten Sachsen. NRW liege im oberen Mittelfeld.

Mit Pflegewissenschaftlern sei vereinbart, dass sie bis 2020 "mit einer wissenschaftlich fundierten Aussage sagen, wie viel Personal braucht man mit welcher Profession, um das wirklich gut zu machen", so Laumann. Wenn diese Zahl vorliege, "werde ich in NRW auch alles daran setzen, dass das auch umgesetzt wird".

Stand: 17.09.2017, 06:00