So sollen die G9-Schulen in NRW funktionieren

So sollen die G9-Schulen in NRW funktionieren

Von Rainer Kellers

  • Landeskabinett beschließt Eckpunkte für G9
  • Umstellung beginnt am 1. August 2019
  • Fragen und Antworten zum geplanten G9-Gesetz

Die Landesregierung ist dem Wunsch vieler Eltern, Schüler und auch Lehrer entgegengekommen. In Nordrhein-Westfalen soll das Abitur wieder grundsätzlich nach neun statt nach acht Jahren gemacht werden. Diese Leitentscheidung steht, aber viele Details waren bislang noch offen.

Am Dienstag (14.11.2017) hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bei vielen Fragen für Klarheit gesorgt. Die Ministerin hat dem Kabinett die Eckpunkte des neuen Schulgesetzes vorgestellt.

Wann kehren die Gymnasien zu G9 zurück?

Die Umstellung beginnt am 1. August 2019 mit dem Schuljahr 2019/2020. Betroffen sind alle Kinder, die dann in der fünften und sechsten Klasse sind - also die heutigen Dritt- und Viertklässler. Die Viertklässler werden im Schuljahr 2018/2019 zunächst nach den Lehrplänen von G8 unterrichtet, bevor sie ein Jahr später als erster Jahrgang zu G9 wechseln. Alle älteren Kinder, die jetzt bereits auf einem Gymnasium sind, müssen das Abitur nach acht Jahren machen.

Bleibt G8 weiter möglich?

Ja, die Landesregierung hat den Gymnasien ausdrücklich Wahlfreiheit eingeräumt. Das heißt: Alle Gymnasien werden automatisch G9-Schulen, es sei denn sie entscheiden sich aktiv dagegen. Allerdings sind die Hürden dafür hoch.

Wenn eine Schule bei G8 bleiben will, muss die Schulkonferenz das beschließen. Dafür ist eine Mehrheit von Zweidritteln plus einer Stimme nötig. Schulkonferenzen sind zu gleichen Teilen mit Lehrern, Schülern und Eltern besetzt. Keiner der drei Blöcke kann also überstimmt werden.

Haben die Schulträger ein Veto-Recht?

Ja. Sie können einer Schule, die bei G8 bleiben will, das untersagen. Allerdings muss es dafür zwingende Gründe geben. Das Gesetz schreibt eine Bedürfnisprüfung vor. Wenn beispielsweise die Entscheidung für G8 den Bestand einer Schule gefährden würde - weil die Schüler wegbleiben - kann die Kommune einschreiten.

Bis wann müssen sich Schulen für G8 entscheiden?

Die Entscheidung muss spätestens zum 31. Januar 2019 gefallen sein. Ministerin Gebauer hofft aber, dass die meisten Schulen im Herbst 2018 Klarheit geschaffen haben.

Aber dann müssen die heutigen Viertklässler doch bereits angemeldet sein.

Das ist eines der Probleme im Gesetz. Wenn die Eltern der heutigen Viertklässler ihre Kinder an einem Gymnasium anmelden, können sie nicht sicher sein, ob es sich später für G9 oder G8 entscheidet. Schulministerin Gebauer will deshalb vorher ein Stimmungsbild aller Schulen erfragen. So sollen Eltern zumindest eine Vorstellung davon bekommen, welche Schulen zu G9 oder G8 tendieren.

Bei einer Probe-Abfrage im Regierungsbezirk Köln haben sich laut Ministerium von 150 Schulen 120 für G9 ausgesprochen. 20 hätten sich noch nicht entschieden, und nur drei seien für G8 gewesen. Bei den übrigen handelte es sich um Privatschulen, die frei entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten.

Können Schulen die Entscheidung später rückgängig machen?

Das ist möglich. Allerdings entscheidet dann nicht mehr die Schulkonferenz, sondern der Schulträger. Auch in diesem Fall muss er eine Bedürfnisprüfung durchführen.

Wie ändern sich die Lehrpläne?

Das ist noch nicht klar. Die Lehrplankommission soll Anfang 2018 die Arbeit aufnehmen. Sicher ist, dass die Schulministerin ein Fach Wirtschaft plant und dass Digitales eine größere Rolle spielen soll.

Wie viele Wochenstunden sind vorgesehen?

In den sechs Jahren der Sekundarstufe I sollen 188 Wochenstunden unterrichtet werden. Davon sind acht nicht verbindlich und können zum Beispiel für Förderunterricht genutzt werden. 188 Wochenstunden in sechs Jahren - das sind rund 31 Wochenstunden pro Schuljahr.

Gibt es künftig noch Nachmittagsunterricht?

Die Wochenstundenzahl ist so berechnet, dass ein Halbtagsunterricht bis zum Mittag möglich ist. Es wäre dann in der Regel nach der sechsten Stunde Schluss. Die Schulen können selbst entscheiden, wie sie die Unterrichtsstunden verteilen. G8 hingegen ist ohne Nachmittagsunterricht nicht möglich.

In welchem Schuljahr kommt die zweite Fremdsprache?

Dieser Punkt ist noch nicht geklärt. Derzeit kommt die zweite Fremdsprache in der sechsten Klasse hinzu. Die meisten Experten und Verbände - und auch Gebauer selbst - tendieren dazu, die zweite Fremdsprache wie früher erst ab Klasse sieben unterrichten zu lassen.

Wie viele neue Lehrer sind nötig?

Insgesamt seien im Endausbau - wenn alle Jahrgangsstufen umgestellt sind - 2.300 zusätzliche Lehrer nötig sind, sagt die Schulministerin.

Wer kommt für die Kosten auf?

Lehrer muss ohnehin das Land bezahlen. Allerdings entstehen auch Kosten, weil mehr Räume gebraucht werden. Diese Kosten müssen die Kommunen tragen. Die Landesregierung will jedoch für einen finanziellen Ausgleich sorgen. Sie erkennt an, dass bei der Umstellung auf G9 das Konnexitätsprinzip greift. Im Klartext: Wenn das Land G9 will, darf es die Kosten dafür nicht den Kommunen aufladen. Wie viel Geld das kostet? Dazu will und kann Gebauer noch nichts sagen.

Und was ist mit den älteren Kindern, die noch G8 machen müssen?

Die haben - was G9 betrifft - Pech gehabt. Schulminister Gebauer sieht keine Chance, G9 auch für ältere Kinder zu ermöglichen. Das G8 soll aber weiter verbessert werden. Wie genau, steht noch nicht fest.

Stand: 14.11.2017, 16:26