Fukushima: Der GAU für Eon und RWE

Fukushima, RWE, eon

Fukushima: Der GAU für Eon und RWE

Von Rainer Kellers

  • Am Freitag (11.03.2016) vor fünf Jahren ereignete sich die Katastrophe von Fukushima
  • Das Unglück hatte drastische Auswirkungen auf viele NRW-Unternehmen, vor allem Eon und RWE
  • Hat der Ausstieg aus der Atomkraft den Ausstieg aus der Braunkohle erschwert?

Der Anfang vom Ende der deutschen Atomkraft begann am 11. März 2011 um 14:47 Uhr japanischer Ortszeit. Das bisher schwerste Erdbeben in der Geschichte des fernöstlichen Landes und die anschließende Tsunami-Welle führten zu Kettenreaktionen in mehreren Reaktorblöcken der Atomanlage von Fukushima. Es kam zu Kernschmelzen, radioaktives Material verseuchte die Umgebung des Kraftwerks, 170.000 Menschen wurden evakuiert. Fukushima ging als eine der fatalsten Umweltkatastrophen in die Geschichte ein.

Fukushima läutete einen Paradigmenwechsel ein

Anders als in Japan selbst führte Fukushima in Deutschland zu einem beschleunigten Ende der Atomkraft. Die gerade erst beschlossene Laufzeitverlängerung wurde aufgehoben, acht alte Atomkraftwerke abgeschaltet und der Ausstieg bis 2022 festgelegt.

Fukushima läutete eine Paradigmenwechsel ein. Und dessen Auswirkungen sind heute, fünf Jahre danach, in NRW deutlich zu spüren. Und das, obwohl an Rhein und Ruhr kein einziges kommerzielles Atomkraftwerk steht.

Gleichwohl haben mit Eon und RWE zwei der deutschen Energieriesen ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen. Beide Unternehmen hat der Ausstieg in existenzielle Krisen gestürzt.

Sie wurden von zwei gleichzeitigen Entwicklungen in die Zange genommen, meint Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Zum einen waren da die direkten Auswirkungen von Kraftwerksschließungen und kürzeren Laufzeiten. Die Unternehmen, die erst vor einem halben Jahr Laufzeiten bis weit in die 2030er Jahre erkämpft hatten, mussten plötzlich ganz anders kalkulieren. Frondel: "Es ist schon ein gravierender Unterschied, ob Sie ein Kraftwerk zwölf Jahre länger laufen lassen können. In dieser Zeit wären die Kraftwerke für Eon und RWE starke Gewinnbringer gewesen."

Eine Karte von Japan mit Standort Fukushima und dem Strahlungsradius

Das Unglück von Fukushima hat Japan verändert

Der Siegeszug der Erneuerbaren

Stattdessen fehlten plötzlich die sicher geglaubten Gewinne. Gleichzeitig kamen die fossilen Energieträger Kohle und Gas unter erheblichen Druck durch die Erneuerbaren. Deren Ausbau nämlich nahm nach Fukushima richtig Fahrt auf. Es kam zwar auch zu einem neuen Kohle-Boom. Doch immer mehr subventionierte grüne Energie ließ Strompreise und Gewinne schmelzen.

Frondel meint, die Politik habe sich nach der Atom-Katastrophe berechtigt gesehen, den Ausbau von Erneuerbaren voranzutreiben. Und zwar auf Kosten der großen Unternehmen und auf Kosten des Stromkunden, der die immer größere Umlage schultern muss. Frondel kritisiert das deutlich. Seiner Meinung nach hätte die Bundesregierung bei der Förderung der Erneuerbaren "auf die Kostenbremse treten müssen".

Das sieht Jan Dobertin vom Landesverband Erneuerbare Energien etwas anders. Auch er kommt zu dem Schluss, dass Fukushima zu einem "übergreifenden politischen Konsens" geführt habe: "Weg von der Atomenergie hin zu mehr regenerativer Energie." Dobertin beklagt aber, dass die Politik zu wenig für die Energiewende getan habe. Kürzungen bei der EEG-Förderung hätten zu einem starken Einbruch beim Ausbau der Photovoltaik und beim Biogas geführt. Jetzt drohe dieser Einbruch auch bei der Windenergie.

Arbeitsplätze, Dividenden, Millionenverluste

So unterschiedlich die Meinung der Experten, so eindeutig schlecht sieht die Situation von Eon, RWE und einigen Stadtwerken derzeit aus. Erst in dieser Woche haben die beiden Unternehmen Rekordverluste bekannt gemacht. Hunderte Arbeitsplätze werden gestrichen, RWE streicht den Aktionären zudem die Dividende - was in NRW vielen Städten Millionenverluste einbringt. Es herrschen Zweifel, ob die Unternehmen die Folgekosten von Atomkraft und Braunkohle überhaupt noch tragen können. Fukushima, so könnte man sagen, war für die großen Energieunternehmen der GAU.

Auch die Braunkohle ist endlich

Das sieht auch Wibke Brems so, die Energieexpertin der Grünen im Landtag. Die Politikerin sieht allerdings eine erhebliche Mitschuld bei den großen Unternehmen. Die nämlich hätten Investitionen in Erneuerbare "jahrelang verschlafen" und sich ganz auf Atomkraft und Kohle verlassen. 2011 dann, nach Fukushima, sei insbesondere RWE in einen Schock gefallen und habe trotz sinkender Gewinn-Margen weiter auf Braunkohle gesetzt. Dass aber auch die Braunkohle-Förderung endlich ist, wurde spätestens 2013 mit der Entscheidung zur Verkleinerung des Tagesbaus Garzweiler II deutlich. Brems meint, eigentlich müsste man nun über einen schnelleren Ausstieg aus der Braunkohle reden. Das aber sei politisch nicht ganz einfach. "Der Ausstieg aus der Atomkraft hat den Ausstieg aus der Braunkohle erschwert", sagt sie. Auch das eine Folge von Fukushima.

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) wollte sich gegenüber dem WDR übrigens nicht zu den Folgen von Fukushima äußern.

Stand: 14.03.2016, 17:24