Frauenhäuser in NRW sind überlastet

Frauenhäuser in NRW sind überlastet

Von Sabine Tenta

  • Von 62 Frauenhäusern in NRW haben nur zehn freie Kapazitäten.
  • Bedarf an Schutz ist seit Jahren konstant hoch.
  • Neue Landesregierung will "solide Finanzierung".

Die Frauenhäuser in NRW sind eine wichtige Anlaufstelle für Frauen und Kinder, die unter häuslicher Gewalt leiden. Für das Jahr 2016 verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik 28.227 Strafanzeigen im Kontext "Häuslicher Gewalt".

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Autonomer Frauenhäuser NRW hat als Service auf ihrer Homepage eine Übersichtskarte mit allen 62 Frauenhäusern in NRW und eine Darstellung der Auslastung: Aktuell haben nur sieben Frauenhäuser Kapazitäten, um Schutz suchende Frauen mit Kindern aufzunehmen und weitere drei für Frauen ohne Kinder.

Konstant hoher Bedarf an Zufluchtsstellen

Die Zahl der Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und sich an Frauenhäuser wenden, sei seit Jahren konstant hoch, berichtet Claudia Fritsche von der LAG Autonomer Frauenhäuser. Seit Jahren übersteige die Nachfrage das Angebot an Plätzen. Die aktuellsten Zahlen liegen für das Jahr 2015 vor: Damals konnten 3.761 Frauen und 3.820 Kinder Zuflucht finden in einem Frauenhaus in NRW. 6.653 Aufnahmegesuche mussten abgewiesen werden. Wobei hinter einem Aufnahmegesuch oft eine Familie mit Kindern steht.

Von den 62 Frauenhäusern in NRW sind 28 autonom organisiert und der Rest in einer Trägerschaft beispielsweise der Caritas, der Diakonie oder der AWO.

Der eigene Wohnort ist die erste Wahl

"Es ist wichtig, dass die Frauen einen Platz in der Nähe ihres Wohnortes finden", betont Claudia Fritsche, denn sie bräuchten ihr soziales Umfeld. In dem seien auch die Kinder verwurzelt, beispielsweise über ihre Kita oder Schule. Doch wenn das Frauenhaus in der Nähe bereits überlastet ist, bleibt den Frauen keine andere Wahl als in einen anderen Ort zu gehen.

Die Finanzierung der Frauenhäuser

Die Finanzierung der Frauenhäuser sei seit über 40 Jahren ein Problem: 1976 wurde in Berlin das erste Frauenhaus gegründet und wenig später das Zweite in Köln. Sie wurden damals wie heute von viel ehrenamtlichem Engagement getragen, so Fritsche.

Heute lebe jedes Frauenhaus von einer Mischfinanzierung, erklärt sie. Diese steht auf vier Säulen: Da seien zum einen Fördergelder des Landes und zum anderen Zuschüsse der Kommune. Und es gebe teilweise Geld vom Bund. Eine weitere Finanz-Quelle seien Spenden. Doch die Akquise sei in dem Bereich sehr mühselig: "Man schmückt sich halt nicht gerne mit Gewalt gegen Frauen."

Hoffen auf neue Landesregierung

CDU und FDP schreiben in ihrem Koalitionsvertrag, dass die Frauenhäuser in NRW "unverzichtbare Arbeit" leisten. Sie versprechen: "Wir wollen für das Netz der Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen deshalb eine solide Finanzierung sicherstellen." Ein verheißungsvoller Satz. Was bedeutet er konkret? Das Gleichstellungsministerium teilte auf Anfrage mit: "Die bisherige Förderpraxis hat sich bewährt und soll weitergeführt werden." Darüberhinaus würden "weitere Mittelaufstockungen sowie die Flexibilisierung der Sachmittelförderung geprüft, um den Einrichtungen größtmögliche Planungssicherheit zu gewähren."

Die LAG hat die zuständige Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) eingeladen, aber bislang keine Antwort erhalten. Claudia Fritsche sagt: "Wir hoffen sehr, dass wir ins Gespräch kommen."

Nachtrag: Claudia Fritsche teilte am Dienstag (15.08.2017) mit, dass sich Gleichstellungsministerin Scharrenbach inzwischen bei der LAG Autonomer Frauenhäuser gemeldet und einen Termin vereinbart habe.

Stand: 15.08.2017, 16:50