Heimatministerin will plattdeutsche Ortsschilder erlauben

Heimatministerin will plattdeutsche Ortsschilder erlauben

Nach dem Willen von NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach soll künftig auf Ortsschildern auch der plattdeutsche Name des jeweiligen Ortes stehen dürfen.

In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg sei das schon seit Jahren erlaubt, sagte die CDU-Politikerin der Zeitung "Neue Westfälische" am Donnerstag (26.10.2017). Vor allem die Fachstelle für Niederdeutsch im Westfälischen Heimatbund setzt sich seit Jahren für die Genehmigung der Ortsschilder mit plattdeutschem Zusatz ein.

Früher hatten die schwarz-gelbe Landesregierung und zuletzt auch die rot-grüne Regierung das abgelehnt und argumentiert, dass solche Schilder mit Zusatzbezeichnung für Autofahrer schwerer zu lesen seien.

Eine Reise durch NRW von Deppelt nach Düsseldörp

Hier wird platt gesprochen: Das soll jeder sehen, der in kleine und große Dörfer Nordrhein-Westfalens fährt. Die neue Heimatministerin will Untertitel auf Ortsschildern.

Montage: Ortscheingangsschild von Deppelt (Detmold)

Los geht unsere Reise an der Grenze zu Niedersachsen. Wer aus diesem Bundesland kommt, hat dort vielleicht an dem ein oder anderen Ortsschild schon eine abweichende Ortsbezeichnung gelesen, die lautmalerisch an eine andere Zeit erinnern mag. Was in Niedersachsen erlaubt ist, muss doch auch in Deppelt möglich sein, klagen Heimatvereine dieser größten Stadt im Kreis Lippe. In der früheren Residenzstadt hat das Deutsche Jugendherbergswerk seinen Hauptsitz. Deppelt ist den allermeisten als Detmold bekannt.

Los geht unsere Reise an der Grenze zu Niedersachsen. Wer aus diesem Bundesland kommt, hat dort vielleicht an dem ein oder anderen Ortsschild schon eine abweichende Ortsbezeichnung gelesen, die lautmalerisch an eine andere Zeit erinnern mag. Was in Niedersachsen erlaubt ist, muss doch auch in Deppelt möglich sein, klagen Heimatvereine dieser größten Stadt im Kreis Lippe. In der früheren Residenzstadt hat das Deutsche Jugendherbergswerk seinen Hauptsitz. Deppelt ist den allermeisten als Detmold bekannt.

Etwas weiter nördlich, die Werre flussabwärts, werden viele Kneipp-Kurgäste vermutlich auch ratlos vor den Toren von Iufeln stehen - und rätseln, ob das große "I" nicht doch ein kleines "L" sein könnte, damit die Aussprache leichter fällt. Nein, Iufeln ist denen, die sich für Geschichte interessieren, mindestens bundesweit bekannt für seinen Salzhandel im Mittelalter. Die westfälischen Plattdeutsch-Freunde setzen sich seit Jahren dafür ein, dass solche unter Einheimischen bekannte Ortsnamen wie dieser für Bad Salzuflen prominenter in der Öffentlichkeit platziert werden.

Aus dem Verkehrsministerium hieß es stets, untertitelte Ortsnamen wie Hiarwede könnten Autofahrer verwirren und ihre Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Hier in Hiarwede teilen die Einwohner dieser Hansestadt die Sorge nicht - auch wenn nicht jedem Fremden gleich deutlich wird, dass es sich um Herford handelt.

Mindestens zweisprachig scheinen die Menschen in dieser westfälischen Großstadt aufzuwachsen: Unter den Einwohner ist Göitsel, je nach Stadtteil, auch als Gütsel, Güütsel, Göitsel oder Guütsel bekannt. Die vielen Varianten sind womöglich auch ein Beleg dafür, dass sich hier viele Kulturen angesiedelt haben, seit der ersten Besiedlung im 17. Jahrhundert vor Christus. Heute gilt Gütersloh als Aramäer-Hochburg in Deutschland und ist auch bei Bücherfreunden bekannt.

Die neue Heimatministerin Ina Scharrenbach will eine niederdeutsche Untertitelung nur erlauben, wenn die jeweilige Kommune es wünscht. Nicht jedem Einwohner mag die plattdeutsche Version des Ortsnamens gefallen, sofern sich die Stadtoberen mal auf eine Version geeinigt haben. Pottland ist weder das Agrarland des Ruhrpotts noch weist es auf den Nebenfluss der Lippe hin. Die Version Patterbuorn lässt zumindest erahnen, wo die erste westfälische Universität ihren Sitz hat: in Paderborn.

Wer mal etwas anderes erleben will, fährt nach Ansbrich im Sauerland. Auch in dieser Stadt, wo die kleineren Flüsse Röhr und Möhne in die Ruhr fließen, soll das neue Verständnis von Heimat, das die Plattdeutsch-Freunde vermitteln wollen, sichtbar werden. Gastgeber des größten Volksfestes im Sauerland, der Hüstener Kirmes, ist Arnsberg.

In der Nachbarschaft von Ansbrich liegt, dem blauen Himmel etwas näher, Sonnern. Manch Ortsfremder meint das Geheimnis westfälischer Dialekte darin wiederzuerkennen, dass für die Zunge aufwändige Konsonanten weggelassen werden, um gleichzeitig Vokale anzutäuschen, die so sonst nicht in der Reinform vorkommen. Nur so lässt sich die plattdeutsche Variante von Sundern erklären.

Auch diese Metropole im Revier hat neben Düörpm noch andere dialektische Varianten parat - Großstadt eben. Neben Dörpen verbindet Düët'm oder Döët'm der ein oder andere Tourist - in Erinnerung an den letzten Urlaub in der Champagne - womöglich an ein prickelndes Ruhrgebietserlebnis. Die wenigsten wissen, dass sich hinter diesem Lokalkolorit Dortmund verbirgt.

Auch diese Großstadt, einst Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen, prahlt mit mehreren plattdeutschen Varianten: Neben Mööster finden auch Möönster und Mönster bei Einheimischen Verwendung. Ob solche Zusätze in den nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden wirklich eingeführt werden? "Wir haben Wichtigeres zu tun, als die Ortsschilder mit plattdeutschen Ortsnamen zu verhindern", sagt Heimatministerin Ina Scharrenbach, die sich im Moment um eine landesweite Erlaubnis kümmert, in der "Neuen Westfälischen" (Donnerstag, 26.10.2017).

Heimatministerin Scharrenbach will sich mit in der schwarz-gelben Landesregierung dafür einsetzen, dass die Dialektzusätze auf Ortsschildern noch in dieser Legislaturperiode kommen, also spätestens im Jahr 2022. Bis dahin könnten auch Ortsschilder mit der Aufschrift Stemmert aufgestellt werden. Der hochdeutsche Name der Kreisstadt geht zurück auf eine steinerne Furt, also eine unter Wasser stehende Straße. Steinfurt ist bekannt für die ältesten freistehende Konzertgalerie Europas.

Was die neue Heimatministerin Scharrenbach auf Drängen der Stiftung Westfalen-Initiative nun einführen will, hatten ihr CDU-Parteikollege Lutz Lienenkämper in seiner Zeit als Landesverkehrsminister (heute Finanzminister) und seine Nachfolger von der SPD stets abgelehnt. Das Aus haben die Plattdeutsch-Freunde auch in Ausn eher zähneknirschend hingenommen. Überregional bekannt ist Ahaus wohl wegen der Atommülltransporte, doch die Stadt an der niederländischen Grenze hat für Touristen viel zu bieten, etwa das Barock-Wasserschloss.

Die dörfliche Variante von Ausn, Aussenduerp, liegt nur ein paar Kilometer weiter nördlich. Nahezu null Verbindung ist hier zum hochdeutschen Namen zu erkennen: Ochtrup. Heimatministerin Scharrenbach wird im Landeskabinett für ihr Vorhaben noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Die Staatskanzlei von Ministerpräsident Armin Laschet hatte noch vor zwei Wochen den Vorschlag der Plattdeutsch-Freunde abgelehnt.

Diese Reise zu den kleinen und großen Dörfer Nordrhein-Westfalens mit plattdeutschen Ortsnamen führt weiter an der Grenze Richtung Rhein. Bokelt ist die zweitgrößte deutsche Stadt an der deutsch-niederländischen Grenze und heißt eigentlich: Bocholt.

Selbst in Baukem wird vermutlich nicht jeder wissen, um welche besungene Ruhrgebiets-Großstadt es sich handelt. Die sechstgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen ist vor allem bei Studierenden sehr beliebt. Touristen zieht es nach Bochum, um das Deutsches Bergbaumuseum oder eine Vorstellung im Schauspielhaus zu besuchen.

Als Watsche mag manch Einwohner die Eingemeindung von Wattenscheid zu Bochum empfunden haben. Der plattdeutsche Name für Wattsche liegt aber schon länger zurück.

Eine der treibenden Kräfte hinter der Plattdeutsch-Offensive auf Ortsschildern ist Ulrich Brackmann von der Fachstelle Niederdeutsch im Westfälischen Heimatbund. Ob für ihn die Reise in Düsseldörp endet? Heimatministerin Scharrenbach hat ihn jedenfalls in die Landeshauptstadt eingeladen, um das Ganze noch einmal zu besprechen. Wenn sie sich einigen, ist beiden ein Besuch auf "De Retematäng" zu empfehlen, der Ratinger Straße - Treffpunkt vieler Einheimischer abseits der längsten Theke der Welt.

Stand: 26.10.2017, 17:29