Weniger Fördermittel für Islamverband Ditib

Weniger Fördermittel für Islamverband Ditib

  • Ditib soll deutlich weniger gefördert werden.
  • Islamverband wegen Nähe zum türkischen Staat umstritten.
  • NRW will unabhängigen Islamverband.

Der wegen seiner Nähe zum türkischen Staat umstrittene Islamverband Ditib soll im kommenden Jahr deutlich geringere Fördermittel von der Bundesregierung bekommen. Das ist der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine kleine Anfrage zu entnehmen, die die Grünen gestellt haben.

Nur noch knapp 300.000 Euro

Demnach beliefen sich die Zusagen für Projekte der in Köln ansässigen Türkisch-Islamischen Union im Jahr 2018 auf eine Gesamtsumme von 297.500 Euro. Nach einer Auflistung des Ministeriums sei dies rund ein Fünftel der 2017 gezahlten Fördermittel und weniger als ein Zehntel der 2016 gezahlten Mittel.

Für 2017, das Jahr nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei mit der folgenden Verhängung des Ausnahmezustandes, weist das Bundesinnenministerium dem Bericht zufolge Zahlungen von 1,47 Millionen Euro an die Ditib-Zentrale sowie Ditib-Teilverbände aus.

Der Schwerpunkt der Projektförderung liege wie schon im Vorjahr auf der Flüchtlingshilfe, heißt es in dem Bericht. 2016 habe der Bund 3,27 Millionen an die Ditib gezahlt.

Integrationsminister fordert Loslösung von Ankara

Der neue Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Joachim Stamp

Stamp willl eine unbhängige Ditib

Das Land NRW zahlt keine Gelder an den Landesverband, sondern an Einzelprojekte, erklärte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) im WDR-Interview. Daran werde sich auch nichts ändern. In diesen Projekten werde zum Teil hervorragende Arbeit geleistet, etwa im seelsorgerischen Bereich. Einzelne Ditib-Funktionäre dagegen orientierten sich zu stark an Ankara. Stamp will einen Loslösungsprozess unterstützen: "Ditib soll sich auf die Religion konzentrieren und nicht der verlängerte Arm Erdogans sein."

Stamp forderte eine klare Hinwendung nach Deutschland, mit Imamen, die in Deutschland ausgebildet werden und einem Islamunterricht, der sich an den hiesigen Lehrplänen orientiert. "Das ist ein Prozess, der absolut notwendig ist."

Integrationsminister will unabhängige Ditib

WDR 5 Westblick - Interview | 05.10.2017 | 06:26 Min.

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Beck will Kooperation auf den Prüfstand stellen

Die Grünen im Bundestag hatten die Bundesregierung nach dem Einfluss ausländischer Staaten, Parteien und Stiftungen auf islamische Gemeinschaften in Deutschland gefragt. Damit bezogen sie sich unter anderem auf Ditib, die nach dem gescheiterten Putsch in Verdacht geraten war, für die türkische Regierung bei der Jagd nach vermeintlichen Putschisten zu helfen.

Als Reaktion auf die Antwort der Bundesregierung forderte der scheidende religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, erneut, die Kooperation mit Verbänden wie Ditib, dem Zentralrat der Muslime oder Milli Görüs generell auf den Prüfstand zu stellen. Diese würden "aus dem Ausland gesteuert", sagte Beck dem "Kölner Stadtanzeiger" am Mittwoch (04.10.2017)

Stand: 05.10.2017, 16:38