Gibt es genügend Lehrer für G9?

Lehrerin

Gibt es genügend Lehrer für G9?

Von Fabian Wahl

  • CDU und FDP wollen zurück zum G9.
  • Mehr Lehrer benötigt.
  • Chancen auch für Quereinsteiger.

Wie viele zusätzliche Lehrer werden für die Rückkehr zu G9 benötigt?

CDU und FDP gehen von einem Mehrbedarf an Lehrern aus. Den G9-Gymnasien sollen ebenso mehr Lehrer zugeteilt werden wie den G8-Schulen. Eine genaue Zahl nannten sie aber nicht. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft rechnet mit etwa 2.000 zusätzlichen Gymnasiallehrern.

Wovon hängt die Zahl ab?

Hier sind mehrere Faktoren relevant. Wie viele Schulen bleiben bei G8, wie viele kehren zu G9 zurück? Können sich Lehrer künftig mehr auf den Unterricht konzentrieren, weil parallel mehr Verwaltungsangestellte eingestellt werden? Wird das Abi nach neun Jahren stufenweise - etwa ab dem 5. Schuljahr - eingeführt oder auf einen Schlag für alle? Und wie viele Stunden stehen künftig im Stundenplan der Schüler?

Marcus Hohenstein von der Elterninitiative "G9 jetzt NRW" sagt, dass für ein G9 eigentlich gar keine zusätzlichen Lehrer nötig seien. Dies sei nur der Fall, wenn der Stundenplan so voll bleibe wie jetzt und ein zusätzliches Schuljahr einfach angehängt werde.

Wie groß ist der Lehrermangel momentan?

Im Vergleich zu anderen Schulformen stehen die Gymnasien noch gut da. Denn vom Lehrermangel sind vor allem Grundschulen betroffen. Aktuelle Zahlen zum Lehrermangel an den Gymnasien kann das jetzige Schulministerium nicht nennen. In der Datenbank für Bewerber sind aktuell landesweit 44 Stellen für Gymnasiallehrer ausgeschrieben. Ob die Zahl den tatsächlichen Bedarf wiedergibt, ist aber fraglich.

Das Schulministerium geht grundsätzlich davon aus, dass bis 2018/2019 4.500 Lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen (Sekundarstufe 2) in den Ruhestand gehen. Im Gegenzug sollen bis dahin 7.800 Lehrer für diese Schulformen ihren Vorbereitungsdienst absolviert haben. Demnach gäbe es zahlenmäßig sogar einen Überhang.

In welchen Bereichen sind Stellen offen?

Fakt ist, dass es bereits jetzt in bestimmten Regionen und bei bestimmten Fächerkombinationen einen Engpass an Gymnasien gibt. Wenn man sich durch die Stellanzeigen klickt, wird deutlich, dass vor allem in den sogenannten MINT-Fächern wie Informatik, Mathematik oder Physik Lehrer gesucht werden. Hier konkurrieren die Schulen mit der Industrie.

Zweitens ist die Lage regional sehr unterschiedlich. In ländlichen Regionen ist der Engpass spürbarer als in Ballungszentren mit Universitäten. In den Stellenanzeigen tauchen besonders Einsatzorte wie Geseke, Menden, Pulheim oder Werne auf, Großstädte wie Köln und Münster dagegen eher selten. Aus dem Schulministerium heißt es, dass manche Stellen über zwei, drei Jahre nicht besetzt werden könnten.

Wie viele Lehrerstellen wurden mit der Einführung von G8 gestrichen?

Mit Einführung des Abiturs binnen acht Jahren sind zahlreiche Stellen weggefallen. Nach dem Doppeljahrgang 2013 mit G8- und G9-Absolventen wurden in vier Schritten rund 2.000 Lehrerstellen gekürzt. Aktuell gibt es laut Schulministerium 45.000 Gymnasiallehrer, die sich auf 37.000 Vollzeitstellen verteilen.

Möglichkeiten, um bis zum Schuljahr 2019/2020, wenn G9 wieder Regel sein soll, weitere Lehrer zu gewinnen

Die mit Abstand meisten Lehrer werden durch das Lehramtsstudium gewonnen. Jedes Jahr werden laut Schulministerium landesweit 9.000 Referendare ausgebildet. Diese Zahl gilt allerdings für alle Schulformen. Außerdem bedeutet dies nicht, dass die Referendare auch anschließend an einer Schule in NRW unterrichten. GEW-Sprecher Berthold Paschert sagt, dass eine nennenswerte Größe nur für das Studium und die Ausbildung nach NRW kommt und anschließend das Bundesland wieder verlässt.

Außerdem dauert das Studium etwa fünf Jahre plus 18 Monate Referendariat. Wer heute anfängt zu studieren, wird also bis 2019/2020 ohnehin nicht fertig.

Was ist mit Quereinsteigern?

Der Lehrerberuf ist auch für Quereinsteiger geöffnet. Auf alle Schulformen bezogen werden jährlich allerdings nur einige hundert Personen gewonnen. Gerade in den MINT-Fächern ist es schwierig, Berufstätige aus der Wirtschaft abzuwerben.

Könnte man nicht einfach Pensionäre reaktivieren?

Das ist zum Teil schon möglich. Noch-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat hierzu bereits einige Maßnahmen beziehungsweise Anreize auf den Weg gebracht. Aber auch hiervon haben sich nur etwa 300 Lehrer überzeugen lassen. Außerdem ist die Reaktivierung von Pensionären wegen ihres Alters nicht zukunftsträchtig.

Stand: 11.06.2017, 06:30