Städte im Kampf gegen Hitze und Starkregen

drohendes Unwetter

Städte im Kampf gegen Hitze und Starkregen

  • DWD rechnet mit mehr Wetterextremen wie Hitzewellen
  • Warnsystem wird deshalb ausgebaut
  • Kommunen ergreifen Gegenmaßnahmen

Laut DWD-Vizepräsident Paul Becker sind zwischen 1980 und 2013 in Europa allein 75.000 Menschen nur durch Hitzewellen ums Leben gekommen. "Übermäßige Hitze ist eine der größten Gefahren für das menschliche Leben", sagte er am Dienstag (14.03.2017). In Deutschland habe es nur durch die Hitzewelle im Sommer 2003 rund 8.000 Todesopfer gegeben. Der Wetterdienst der Bundesrepublik erwartet eine deutliche Zunahme heißer Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Sie könnten sich künftig vervierfachen.

Hitzewarnung auch per App und Newsletter

Aus diesem Grund verfeinert der Deutsche Wetterdienst sein Warnsystem. Ab 1. Juni sollen besonders ältere und kranke Menschen sowie Bewohner stark betroffener Städte gezielt vor Hitzewellen gewarnt werden. Tausende Pflegeheime, Altenheime, Krankenhäuser, Ärzte und Apotheker sollen möglichst frühzeitig über Hitzegefahren informieren - flankiert von Medien-Mitteilungen, Warn-Newslettern und Apps für Mobiltelefone. Bislang gab es solche Warnungen nur in pauschaler Form.

Sommersturm und Jahrhundertregen in NRW

Zunehmende Hitzeperioden und Unwetter in NRW haben in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen in Mitleidenschaft gezogen und Millionenschäden verursacht. Der Sommersturm "Ela" am Pfingstmontag 2014 hinterließ vor allem in Düsseldorf eine Schneise der Verwüstung. Sechs Menschen starben, über 100 wurden verletzt, der Schaden belief sich laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf rund 650 Millionen Euro. Zwei Tote, viele Verletzte und Millionenschäden gab es beim Jahrhundertregen im Münsterland im Juli 2014. Den Hitze-Temperaturrekord in NRW hält Duisburg-Hochfeld: Dort maßen die WDR-Meteorologen im Juli 2015 38,9 Grad.

Starkregen und Hitzewellen in NRW gab es ebenso im vergangenen Jahr, dem wärmsten überhaupt. Ganz besonders in Städten ist übermäßige Hitze ein Problem. Durch den Hitzeinsel-Effekt sind Städte generell wärmer als das Umland. Kommunen haben deshalb eine besondere Verantwortung. Stadtplaner und Klimaforscher haben Möglichkeiten gefunden, was Kommunen unternehmen können.

  • Maßnahmen an Gebäudefassaden: Das Stichwort heißt hier "Mehr Grün". Eine Dach- und Fassadenbegrünung kühlt nicht nur die Umgebung des Hauses, sondern auch die Innenräume. Ein Wiener Forschungsprojekt hat deutlich gemacht, dass die Begrünung einer 800 Quadratmeter großen Fassade die Kühlleistung von 45 Klimaanlagen übernehmen kann. Klimaanlagen erzeugen wiederum zusätzliche Abwärme und kosten Energie. Einige Kommunen wie etwa Düsseldorf haben für die Begrünung Förderprojekte aufgelegt.
  • Vor Gebäuden und auf Straßen: Auch Bäume sorgen für Abkühlung, weil sie unter anderem Schatten spenden. Dafür müssen sie aber konsequent und zahlreich gepflanzt werden. In Jena wurde getestet, welche Bäume extreme und lange Trockenheit in Stadtgebieten am besten aushalten. Dafür wurde in Eigenschaften wie Höhe, Kronenform, Kronendurchlässigkeit, Blattform und -farbe sowie Wuchsform unterschieden.

Mit der Baumbepflanzung sollte man es aber auch nicht übertreiben, sonst kann sich ein gegenteiliger Effekt einstellen. Wenn Alleen zu eng bepflanzt sind und Baumkronen ein dichtes, fast luftundurchlässiges Dach bilden, können die Abgase nicht abziehen und stauen sich. In stark befahrenen Straßen sollten Baumkronen deshalb aufgelockert werden.

  • Stadtplanung: Viele Städte sind so zugebaut, dass nur wenig Luft aus dem Umland einziehen und verbrauchte, stickige Heißluft abziehen kann. Luftschneisen sind deshalb notwendig. Möglichst viele Flächen sollten nicht bebaut werden. Der Abriss von bewohnten oder benutzten Gebäuden lässt sich aber schwer umsetzen. Dafür können nicht mehr bewohnte Gebiete wieder aufgebrochen werden.

Ein weiteres Konzept: Wasser in die Stadt bringen. Denn Wasserdunst kühlt die Luft ab. Am besten eignet sich ein kleiner Wasserlauf.

  • Materialien: Asphalt und Beton heizen den Boden auf, weil die dunklen Oberflächen und das Material Hitze gut speichern. Wenn Straßen und Gebäude heller werden, reflektieren sie das Sonnenlicht, statt es zu speichern. Parkplätze sollten nicht mehr betoniert, sondern Pflastersteine verlegt werden, in dessen Mitte Rasen wächst. Diese Rasenpflaster kühlen und nehmen bei Starkregen und Überschwemmungen Wasser besser auf als eine geschlossene Betondecke.
  • Vorkehrungen für den Ernstfall: Bei manchen Neubauten wird die Gefahr einer Überschwemmung bereits eingeplant. Tiefgaragen können dann im Ernstfall geflutet werden, ebenso Fußgängerunterführungen und Grünanlagen. Notwasserwege sorgen dafür, dass Wasser nur durch bestimmte Straßen fließt. Zisternen unter Parkanlagen sammeln Wassermassen, die später für die Bewässerung genutzt werden können.

Klima messen in Bonn

Die Hitze städtebaulich mit einplanen ist auch Gegenstand eines gemeinsamen Projekts des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), des DWD und der Stadt Bonn. Eine Klima-Messstation nahe des Bonner Stadthauses sammelt seit Oktober 2016 notwendige Daten, um die Ergebnisse von Simulationen des Stadtklimas zu überprüfen. Diese Daten bilden die Basis für die Entwicklung eines Internet-Tools, mit dessen Hilfe Bonn und andere NRW-Städte bestmögliche städtebauliche Anpassungsmaßnahmen ermitteln.

Stand: 14.03.2017, 17:45