Jacques Tilly: "Trump ist eine hochgefährliche Witzfigur"

Collage Donald Trump während einer Rede / Jacques Tillys Mottowagen Rosenmontagszug

Jacques Tilly: "Trump ist eine hochgefährliche Witzfigur"

Nach der Trump-Amtseinführung am Freitag (20.01.2017) ist vor dem nächsten Trump-Wagen im Rosenmontagszug: Aber kann man über die Politik des neuen US-Präsidenten überhaupt lachen? Ein Interview mit dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly.

Der Künstler Jaques Tilly hatte den neuen US-Präsidenten Donald Trump schon früh im Visier. Bereits zwei Mal hat er für den Karnevalsumzug in seiner Heimatstadt bissige Donald-Trump-Figuren entworfen - in diesem Jahr, dem Jahr seiner Amtseinführung, wird eine dritte Figur hinzu kommen.

WDR: Herr Tilly, von Ihnen ist überliefert, dass Sie Herrn Trump über Ihrem Schreibtisch hängen haben. Was für eine Lektion erteilt er Ihnen, indem Sie ihn tagtäglich ansehen?  

Jacques Tilly

Wagenbauer Jacques Tilly

Jacques Tilly: In der Tat hängt seit vielen Monaten seine Visage an meinem Schreibtisch. Schon ab letztem Sommer war ich überzeugt davon, dass er eine große Chance auf einen Wahlsieg hat. Denn ein Freund war damals aus den USA zurückgekehrt und hatte mir berichtet, dass Hillary Clinton überhaupt keine Chance hat. Mit diesem Bild wollte ich mich schonend daran gewöhnen. Aber noch immer kann ich es kaum nachvollzieren, dass auch nur irgendein Wähler diesem pöbelnden und lügenden Hetzer seine Stimme gegeben hat - ein Albtraum.  

WDR: Trump galt ja lange Zeit vielen ausschließlich als Witzfigur. War genau das - dass die Mächtigen ihn nicht ernst genommen haben - letzendlich sein Vorteil?  

Tilly: Er ist nach wie vor eine Witzfigur, wenn auch eine hochgefährliche. Klar haben ihn die gesamte politische Kaste und die Medien von Anfang an unterschätzt. Ein wirrer Präsident mit Tourette-Syndrom am Atomknopf, das konnte, das durfte nicht sein. Das wollte sich niemand vorstellen. Doch jetzt ist es bittere Realität. Und einige Typen seines Führungsteams, beispielsweise sein Chefstratege Stephen Bannon, sind ja noch bedrohlicher als Trump selbst. Bannon vertritt eindeutig rechtsradikales Gedankengut und redet gern von der Vorherrschaft der weißen Rasse.

WDR: Heute wird Trump ins Amt eingeführt, und es gibt bereits jetzt unzählige Trump-Karikaturen und Parodien. Ist das der richtige Umgang mit ihm? Oder müsste einem nicht jetzt schon das Lachen im Halse stecken bleiben?  

Tilly: Sein Wahlsieg ist ja nur ein Teil einer rechtspopulistischen Revolte, die momentan mit wachsendem Erfolg über den ganzen Globus fegt. Und natürlich muss man sie lächerlich machen, alle diese Le Pens, Wilders, Trumps, Orbans, Dutertes, Petrys, Höckes und all die anderen großmäuligen Aufschneider und Hochstapler. Man muss sie mit beißendem Spott übergießen, durch den Kakao ziehen, entlarven und bloßstellen - solange wir es noch können. Denn wenn die Entwicklung so weiter geht, sind auch unsere Freiheiten bedroht. Das ist eine Option, die ich durchaus für realistisch halte.

WDR: Gibt es einen Punkt, ab dem Sie sagen würden: Jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt entwickelt sich die Trump-Präsidentschaft so bitterböse, dass man keine Witze mehr darüber machen kann? 

Tilly: Politischer Humor und Satire sind ja keine Schönwetterveranstaltung. Gerade wenn es wirklich ernst wird, ist bissfeste Satire gefordert, die Orientierung gibt und die die Werte der Aufklärung und der Humanität hochhält.  

WDR: Wie weit sind eigentlich Ihre Überlegungen hinsichtlich des diesjährigen Karnevalswagens gediehen? Haben Sie schon genaue Vorstellungen vom diesjährigen Pappmaché-Trump?

Tilly: Darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Trump fängt ja heute erst an, seine abstrusen Vorstellungen in die Realität umzusetzen. Bis Rosenmontag sind es noch einige Wochen. In dieser Zeit kann er auf den verschiedensten Gebieten schon ordentlich Mist gebaut haben. Und das persiflieren wir dann auf einem kurz vor Rosenmontag gebauten Wagen. Wir wollen ja in Düsseldorf immer hochaktuell sein.

Das Gespräch führte Nina Giaramita

Stand: 20.01.2017, 06:45