Hartz-IV-Bezieher bleiben länger arbeitslos

[ARCHIV] Menschen stehen am Dienstag (01.02.2011) Schlange im "Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen - das jobcenter" in Gelsenkirchen.

Hartz-IV-Bezieher bleiben länger arbeitslos

Von Fabian Wahl

  • Hartz-IV-Empfänger in NRW bleiben immer länger ohne Job.
  • Im Durchschnitt 744 Tage ohne Arbeit.
  • Weiterbildungsmaßnahmen bringen nur wenig.

Die Arbeitslosigkeit von Hartz-IV-Beziehern dauert immer länger an. Arbeitsfähige Hartz-IV-Bezieher in Nordrhein-Westfalen waren 2016 im Durchschnitt 744 Tage lang ohne Job. Das waren 73 Tage mehr als im Jahr 2011, wie aus Zahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht.

Deutlich über dem Bundesdurchschnitt

Damit sind Langzeitarbeitslose in NRW deutlich länger auf die Hilfen angewiesen als im Bundesdurchschnitt. Wie die "Passauer Neue Presse" am Dienstag (11.07.2017) unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit berichtet, lag die Dauer der Arbeitslosigkeit im Bundesdurchschnitt bei 629 Tagen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann, sieht in dem Zusammenhang eine "logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands". Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden. Die Bundesregierung überlasse Millionen Menschen ihrem Schicksal, sagt Zimmermann.

Der Bonner Arbeitsmarktforscher Holger Bonin hält die Argumentation für zu kurz gegriffen. Durch die Hartz-Reformen sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen zurückgegangen, sagt Bonin vom Institut zur Zukunft der Arbeit dem WDR. Aus Angst, in Hartz-IV abzurutschen, hätten viele Arbeitslose auch gering qualifizierte Jobs angenommen.

"Harter Kern bleibt übrig"

"Wenn ein harter Kern von Langzeitarbeitslosen übrig bleibt, ist es klar, dass die Verweildauer steigt", sagt Bonin. Bei den Betroffenen kämen oft mehrere Problemlagen zusammen, darunter ein Alter über 50 Jahre, gesundheitliche Schwierigkeiten und eine schlechte Qualifizierung. Außerdem gibt es immer weniger Helferjobs für Geringqualifizierte.

Auch die beste Arbeitsmarktlage könne hier nicht helfen, meint Bonin. Selbst die Förderung weiterer Weiterbildungsmaßnahmen hält Bonin für wenig erfolgversprechend. Stattdessen komme es darauf an, die Betroffenen nicht zu isolieren und ihnen Programme zur sozialen Teilhabe anzubieten.

Die neue schwarz-gelbe Landesregierung hat im Koalitionsvertrag das Ziel ausgegeben, die Zahl der langzeitarbeitslosen jungen Menschen zu reduzieren. Die bestehenden Förderprogramme für Langzeitarbeitslose sollen kritisch auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Stand: 11.07.2017, 11:39