Das bedeutet das neue Düngerecht für NRW

Das bedeutet das neue Düngerecht für NRW

  • Neues Düngegesetz und neue Düngeverordnung kommen
  • Landwirtschaftliche Großbetriebe müssen künftig Buch führen
  • Naturschützer skeptisch, was Nitratbelastung im Grundwasser betrifft

Ab Mittwoch (01.02.2017) können auch Landwirte in NRW wieder ihre Gülle auf den Äckern ausbringen. Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür dürften sich bald ändern: Mit einem neuen Düngegesetz und einer neuen Düngeverordnung wollen Bund und Länder auf die hohen Nitratbelastung im Grundwasser und die entsprechende Klage der EU-Kommission reagieren. Wir erklären die Auswirkungen auf NRW.

Auf welche Änderungen müssen sich die Landwirte in NRW einstellen?

Landwirtschaftliche Großbetriebe, die viele Tiere haben, sollen laut Düngegesetz ab dem Jahr 2018 die Stoffströme bilanzieren. "Sie müssen alle Futter- und Düngemittel dokumentieren, die in den Betrieb rein- und wieder rausgehen", erklärt Katrin Wenz, Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Damit soll ein besserer Überblick geschaffen werden, wie viel Gülle am Ende anfällt und was damit passiert. "Das betrifft aber wahrscheinlich erst mal nur rund 12.000 von insgesamt etwa 270.000 Betrieben in Deutschland", sagt Wenz. Erst im Jahr 2023, so der Plan, müssen alle Höfe entsprechende Zahlen nachweisen.

Gülle-Düngung

Bauern in NRW müssen sich auf Änderungen einstellen

"Diese neue Bilanzierungsform passt noch nicht zu den bisherigen Grenzwerten für Gülle", sagt Jörn Krämer, Experte für Umweltpolitik beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV). Die Dokumentation sei deshalb schwierig, weil der Stickstoff im Boden eingelagert wird und den Pflanzen nicht direkt zur Verfügung steht. So entsteht ein Nährstoffüberschuss, den die Landwirte gar nicht so einfach festhalten können.

Bisher ist es so, dass Landwirte auf maximal 60 Kilogramm Stickstoffüberschuss aus Düngemitteln pro Jahr und Hektar begrenzt sind. Bis zum Jahr 2020 soll dieser Überschuss auf 50 Kilogramm pro Jahr gesenkt werden.

Die neue Düngeverordnung sieht außerdem vor, die Zeiträume auszudehnen, in denen Landwirte gar keine Düngemittel ausbringen dürfen. Auch für Gebiete mit hohen Nitratwerten kann das Land NRW künftig schärfere Regeln erlassen. "Das könnte Gebiete im Rheinland, am Niederrhein, sowie im Münsterland und Minden-Lübbecke betreffen", sagt Jörn Krämer vom WLV.

Wird das neue Gesetz dafür sorgen, dass es künftig in NRW seltener stinkt?

Nach dem neuen Düngegesetz soll Gülle künftig schneller in den Boden eingearbeitet werden. Dadurch soll weniger Ammoniak und Schwefelwasserstoff in die Luft gelangen. Besonders diese Stoffe sind für den unangenehmen Geruch verantwortlich. Ob es durch die neue Regelung tatsächlich weniger stinken wird, lässt sich aber nicht sagen.

Wird das Grundwasser durch das neue Gesetz weniger stark mit Nitrat belastet?

Da das neue Düngegesetz strenger sein soll als die bisherige Regelung, könnte Überdüngung besser eingedämmt werden. Weil die Stoffstrombilanz aber erstmal nicht für alle landwirtschaftlichen Betriebe gelten soll, zweifeln Naturschützer am Nutzen der neuen Regelung. "Sie muss eigentlich für alle Betriebe ab sofort gelten", sagt Katrin Wenz vom BUND.

Auch die in der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft zusammengeschlossenen Wissenschaftler und Wasserwerks-Betreiber befürchten, dass die geplanten Regeln aufgeweicht werden könnten. "Wir haben jetzt bereits viele Gebiete, in denen der zulässige Zielwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser deutlich überschritten wird", sagt deren Geschäftsführer Johannes Lohaus. "Da dürfen wir keine Ausnahmen zulassen."

Bleiben Gülle-Importe zum Beispiel aus den Niederlanden weiter erlaubt?

In den Niederlanden gibt es strengere Gesetze zum Umgang mit Gülle, deswegen werden jährlich rund 1,4 Mio. Tonnen Gülle in andere Länder exportiert. Ein Großteil davon geht nach NRW - allerdings werde diese Gülle bisher kaum erfasst, kritisiert der BUND. Entsprechend schwierig sei es daher auch, ein Verbot einzuführen.

"Es braucht eine bundesweit geltende Transportdatenbank für Gülle", sagt Katrin Wenz vom BUND. Diese ist im neuen Düngegesetz aber bisher nicht vorgesehen. "Es gibt den europäischen Binnenmarkt", sagt WLV-Experte Jörn Krämer. "Niederländische Gülle kann nicht anders behandelt werden als deutsche."

Ist das Ausbringen von Gülle vor dem 1. Februar auf jeden Fall illegal?

Wie bisher auch dürfen Landwirte Gülle oder sonstige Düngemittel mit hohem Stickstoffgehalt vom 1. November bis 31. Januar nicht auf Ackerflächen verteilen. Auf Grünland gilt diese Sperrfrist erst ab dem 15. November.

Im Einzelfall können Landwirte aber jetzt schon beantragen, dass die Sperrfrist verschoben wird, sodass sie beispielsweise ihre Äcker und Felder schon im Januar mit Gülle und Dünger behandeln können. Was sich durch die neuen Regeln ändern könnte: Die Länder könnten die Sperrfristen bei Bedarf ausdehnen.

Stand: 01.02.2017, 06:00