Wenn's im Dorf kein schnelles Internet gibt

Breitbandausbau

Wenn's im Dorf kein schnelles Internet gibt

Von Christian Wolf und Rainer Striewski

  • Bis 2025 soll es flächendeckendes, superschnelles Internet in NRW geben.
  • Netzausbau vor Ort klappt nicht immer.
  • Bereitschaft der Anwohner fehlt manchmal.

Fotos per E-Mail verschicken, WDR aktuell in der Mediathek anschauen oder einen Hollywoodfilm herunterladen - für viele ist so etwas im Alltag selbstverständlich. Doch ohne schnelle Internetverbindung bleibt der Zugang zum Netz versperrt. Vor allem im ländlichen Raum gibt es in NRW noch immer weiße Flecken. Verantwortlich sind dafür teilweise auch die Anwohner selbst.

"Teils geringe Nachfrage bei Glasfaser im Münsterland", hieß es erst Anfang der Woche. Deshalb werde etwa die Borkener Firma Deutsche Glasfaser auf den Glasfaser-Ausbau in der Innenstadt von Gescher (Kreis Borken) verzichten. In anderen Orten sei die Anmeldefrist verlängert worden, um doch noch genug Haushalte zu finden. Während die Politik Milliarden investiert, um das Land zu digitalisieren, wollen ausgerechnet die Betroffenen selbst davon nichts wissen?

Überzeugungsarbeit nötig

Aufgeschnittenes Glasfaserkabel mit rot leuchtenden enden

Mit Glasfaserkabeln sollen Haushalte ans schnelle Netz angeschlossen werden

Nachfrage bei der Deutschen Glasfaser. Das Unternehmen verlegt derzeit in vielen NRW-Kommunen schnelle Glasfaser-Technik - oder versucht es jedenfalls. "Wir haben teilweise ganz große Schwierigkeiten klar zu machen, was das für eine Entscheidung für die Zukunft ist", sagt Sprecherin Gerda Johanna Meppelink. Oftmals wüssten die Anwohner nicht, worum es genau gehe. Auch wirkten die nötigen Bauarbeiten manchmal abschreckend. Die Folge: Zu wenige Haushalte entscheiden sich für einen Vertragsabschluss.

Neben der Deutschen Glasfaser sind im Kreis Borken - wie in ganz NRW - auch andere Firmen wie die Deutsche Telekom, regionale Unternehmen oder auch Stadtwerke im Breitbandausbau aktiv. Damit die Unternehmen mit ihrer Versorgung beginnen können, muss jedoch häufig eine bestimmte Quote erreicht werden. "Wenn die Nachfrage nicht erkennbar ist, können wir auch nicht starten", erklärt Gerda Johanna Meppelink. Um wirtschaftlich solide arbeiten zu können, müssten sich etwa 40 Prozent der Haushalte in einer Gemeinde für die Glasfaser entscheiden. Und das klappe nicht in jedem Fall - wie aktuell etwa in Gescher.

"Wirtschaftlicher Ausbau kaum möglich"

Warum sich dort die rund 600 Anwohner in der Innenstadt nicht für den Glasfaserausbau begeistern können, ist auch der Stadtverwaltung ein Rätsel: "Man kann nur mutmaßen. Die aktuelle Versorgung mit Kupferleitungen ist wohl noch gut genug", erklärt Heike Twyhues von der Wirtschaftsförderung der Stadt Gescher. Das vermutet auch Dr. Sabine Rinck, Breitbandverantwortliche im Kreis Borken: "Der Leidensdruck in der Gescher Innenstadt ist offenbar nicht groß genug."

Damit sei Gescher aber eine Ausnahme: Andere Städte im Kreis Borken wären aktuell gut versorgt, zumindest im Innenstadtbereich, erklärt Rinck. Probleme bereiten der Breitbandverantwortlichen aber noch die Außenbereiche: "Da ist ein wirtschaftlicher Ausbau kaum möglich." Deshalb würden viele Kommunen hier auf Fördergelder von Bund und Land setzen. Doch dieser finanzielle Vorteil hat auch einen entscheidenden Nachteil: "Das dauert seine Zeit", weiß die Breitbandverantwortliche.

Auswahl der Orte

Nach Angaben der Deutschen Glasfaser wird bundesweit bei rund sechs Prozent ihrer Projekte die Nachfrage-Quote nicht erreicht. Der Ausbau findet dann nicht statt. Allerdings dürfte die Dunkelziffer noch höher liegen. Denn das Unternehmen sucht sich schon im Vorfeld nur die Kommunen aus, bei denen sie Erfolgschancen sieht. Indikatoren sind dabei unter anderem die Bevölkerungsstruktur oder die Unterstützung durch die Lokalpolitik.

Stand: 09.08.2017, 17:07