Sicherer durch die Stadt dank geschützter Fahrradspuren?

Sicherer durch die Stadt dank geschützter Fahrradspuren?

Von Anke Fricke

  • Köln muss überalterte Fahrradwege erneuern
  • Einführung von "Protected Bike Lanes" wird diskutiert
  • Eigene Radspuren sind in großen Städten wie London oder New York sehr erfolgreich

Angesichts kilometerlanger Staus setzen Großstädte verstärkt auf Radfahrer. Doch noch fehlt den meisten Städten die entsprechende Infrastruktur, und neue Fahrradwege sind teuer und brauchen viel Zeit. Metropolen wie New York , San Francisco und London haben ihre Städte mit sogenannten "Protected Bike Lanes" fahrradtauglicher gemacht. Dabei wird eine Spur der Straße durch Poller, Blumenkübel oder kleine Bordsteine vom Autoverkehr getrennt und bleibt den Zweirädern vorbehalten.

NRW-Verkehrsminister will "Protected Bike Lanes"

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) will die Idee auch in NRW aufgreifen. "So etwas könnte ich mir zum Beispiel auch in der lebenslustigen und modernen Stadt Köln vorstellen", sagte Groschek, nachdem er im Juni auf einer USA-Reise durch Chicago geradelt war. Tatsächlich wird in Köln derzeit heftig darüber diskutiert, ob man als erste deutsche Stadt "Protected Bike Lanes" einführt.

Ein schmaler Fahrradweg neben einer breiten Straße

Köln braucht neue Radwege

Denn der Radweg auf den Kölner Ringen - der um die Innenstadt führt - ist schmal, holprig und veraltert. Als er vor rund 25 Jahren gebaut wurde, gingen die Stadtplaner von 400 bis 500 Radfahrern pro Tag aus, heute sind es zehn Mal so viele. Ab Oktober will Köln die Radwegebenutzungspflicht auf den Ringen aufheben. "Nun müssen wir Lösungen suchen, wie Rad- und Autofahrer gemeinsam die Straße nutzen können", sagt Jürgen Möllers, Fahrradbeauftrager der Stadt Köln. Eine mögliche Alternative sind die geschützten Radwege.

Was ist an der abgetrennten Fahrradspur anders als beim Fahrradweg?

Der städtebauliche Reiz der "Geschützten Fahrradspur" liegt darin, dass man sie ohne große bauliche Veränderungen in den Verkehr integrieren kann. Während ein neuer Fahrradweg oft aufwendige Umbauarbeiten in der Stadt erfordert, lassen sich "Protected Bike Lanes" relativ schnell umsetzen. Man nimmt eine vorhandene Spur den Autofahrern weg, trennt diese mit Pollern oder Ähnlichem ab und ändert die Markierungen. Interessant ist die Lösung vor allem für Großstädte, in denen immer mehr Radfahrer unterwegs sind und zugleich mehrspurige Autostraßen vorhanden sind.

Ein Fahradfahrer auf einem geschützten Radweg in London

"Bike Protected Lane" in London

Was sind die Vorteile der geschützten Fahrradspur?

Eine baulich abgetrennte Fahrradspur bietet Radfahrern in erster Linie mehr Sicherheit und freie Fahrt. Weder parkende Autos, schnell aufgerissene Türen noch Lieferverkehr behindern die Fahrt. "Geschützte Radspuren passen zum Ziel, dass sich Radfahrer zwischen 8 und 80 Jahren sicher mit dem Fahrrad in der Stadt bewegen können sollten", erklärt Reinhold Goss vom Kölner Aktionsbündnis "Ring Frei". Davon sind viele deutsche Städte noch weit entfernt. Über die Kölner Ringe fahren derzeit nur wenige Familien, auf dem schmalen Weg zwischen parkenden Autos und Außengastronomie werden Kinder leicht übersehen. Zudem kommt es immer wieder zu brenzlichen Manövern, weil zum Überholen von langsameren Radfahrern der Platz fehlt.

Wo liegen die Probleme der "Protected Bike Lanes"?

Durch eine bauliche Trennung verschwinden die Radfahrer aus dem Blickwinkel der Autofahrer. Aber an Knotenpunkten treffen beide Verkehrsteilnehmer wieder aufeinander und müssen gemeinsam die Straße kreuzen: eine Herausforderung für jeden Stadtplaner. "In Kopenhagen hat man das so gelöst, dass man durch den Bordstein getrennte Radwege vor Kreuzungen wieder auf die Straße zurückführt", schildert Tilman Brachter, Leiter Bereich Mobilität beim Deutschen Institut für Urbanistik. Weiterer Nachteil der "Protected Bike Lanes": Die bauliche Begrenzung schränkt die Ausweichmöglichkeiten der Verkehrsteilnehmer ein. Daher muss die getrennte Fahrspur so breit sein, dass auch Räder mit Anhängern Platz genug zum Überholen haben.

Wann sind geschützte Fahrradspuren sinnvoll?

Grundsätzlich eignen sich "Protected Bike Lanes" eher für breite Straßen mit wenig Einfahrten. Nicht umsonst sind die Radspuren in den USA entstanden, wo Städte tendenziell über großzügige, mehrspurige Straßen verfügen. "In den eng bebauten deutschen Städten fehlt oft der Platz", sagt Brachter. Daher seien sie bislang auch noch nicht umgesetzt worden. "Bei uns wäre es derzeit nicht möglich, einen Pkw-Streifen abzugeben", bestätigt Guido Koops, Fahrradbeauftragter der Stadt Münster mit Blick auf den Autoverkehr. Die fahrradfreundlichste Stadt in NRW setzt seit Jahren auf eigenständige Radwege neben den Straßen. Auch in Bonn ließen sich von Straßen keine kompletten Spuren abtrennen. "Wir haben an vielen Stellen die Autospuren schmaler gemacht und so einen Schutzstreifen für die Radfahrer gewonnen", sagt Regine Jansen, Fahrradbeauftragte der Stadt Bonn.

ein Mann fährt auf einem breiten Fahrradweg durch New York

Viel Platz in New York

So können Rad- und Autofahrer die Straße gemeinsam nutzen:

  • Klassischer Radfahrstreifen - er wird mit Farbe und einer durchgezogenen Linie auf dem Boden markiert. Hier dürfen ausschließlich Radfahrer fahren.
  • Schutzstreifen ohne durchgezogene Linie - diese Spur dürfen Autofahrer überfahren, wenn keine Radler da sind.
  • Anteilig genutzter Fahrstreifen (Shared Bike Lane) - eine Fahrspur wird gemeinsam von Autos und Zweirädern genutzt. Bislang sind sie in Deutschland noch nicht zugelassen. Köln und Düsseldorf erwägen derzeit, ob sie ein gemeinsames Pilotprojekt für eine "Shared Bike Lane" initiieren wollen.
  • Protected Bike Lane - ein Fahrspur wird ausschließlich den Zweirädern vorbehalten und vom übrigen Verkehr baulich getrennt.

Wie geht es in Köln weiter?

Ob sich die Kölner für "Protected Bike Lanes" entscheiden, ist derzeit noch vollkommen offen. "Aus unserer Sicht wäre das wünschenswert", sagt Joachim Schalke vom ADFC Köln. Das Projekt hätte Pilotcharakter in Deutschland und sei zukunftsweisend. Bei der Stadtverwaltung werden derzeit verschiedene Möglichkeiten geprüft, wie der Radweg auf den Kölner Ringen umgeleitet werden kann. Eine entscheidende Frage ist dabei, ob der Autoverkehr noch ausreichend abfließen kann, wenn eine Spur wegfällt. Ab 2017 sollen die ersten Umsetzungen beginnen.

Stand: 09.09.2016, 00:00