Germanwings-Absturz: Angehörige schockiert über Piloten-Eltern

Germanwings-Absturz: Angehörige schockiert über Piloten-Eltern

  • Zweifel an Ermittlungsergebnissen zu Germanwings-Absturz
  • Familie von Co-Pilot Andreas L. will eigenes Gutachten vorstellen
  • Angehörige der Opfer fühlen sich provoziert

Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz mit 150 Toten hat sich am Montag (20.03.2017) erstmals die Familie des verantwortlichen Co-Piloten Andreas L. zu Wort gemeldet. Bereits in der Einladung zu einer Pressekonferenz am kommenden Freitag (24.03.2017), dem zweiten Jahrestag des Absturzes, bezweifelt der Vater von L. die "Annahme des dauerdepressiven Co-Piloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll". Er schreibt: "Wir sind der festen Überzeugung, dass dies so nicht richtig ist."

Vater eines Opfers: "Nicht passend, grotesk und absurd"

Die Eltern einer Schülerin, die bei dem Absturz ums Leben kam, sind insbesondere schockiert über die Terminwahl der Pressekonferenz. "Es ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle Angehörigen, das so zu platzieren und in die Öffentlichkeit zu bringen. Ich finde es einfach nicht passend, grotesk und absurd", sagte der Vater dem WDR am Dienstag (21.03.2017). Er ergänzte: "Hätte der Co-Pilot den Überlebenswillen gehabt, den sein Vater jetzt an den Tag legt mit seiner Aktion, hätte uns manches erspart bleiben können."

Der Vater der Düsseldorfer Opernsängerin Maria Radner verlor beim Absturz neben seiner Tochter auch seinen Schwiegersohn und sein Enkelkind. Er glaubt, das die Familie des Co-Piloten "nach Hilfe schreit" und rät ihr, "sich um einen guten Psychiater zu kümmern".

Opferanwalt: Unverantwortlich und geschmacklos

Auch der Berliner Opferanwalt Elmar Giemulla kritisierte die Ankündigung. "Ich finde das sehr schlimm", sagte er in der Dienstagsausgabe der "Rheinischen Post". "Sich genau auf die Sekunde zu dem Zeitpunkt äußern zu wollen, an dem vor zwei Jahren die Maschine abgestürzt ist, das ist unverantwortlich. Aus Sicht der Opfer ist das geschmacklos und dürfte für viele von ihnen belastend sein."

Er vermute, dass der Vater "eine Theorie verbreiten möchte, die seinen Sohn freispricht von jeglicher Schuld", sagte Giemulla. Dem "Spiegel" sagte der Opferanwalt: "Meine Mandanten werden das zu Recht als eine Provokation verstehen."

Eigenes Gutachten angekündigt

Derweil behauptet die Familie des Co-Piloten Andreas L., es seien viele Fragen unbeantwortet geblieben. Auch seien bei der Aufklärung der Ursachen Aspekte vernachlässigt worden. Nach eigenen Angaben hat die Familie den Luftverkehrs-Journalisten Tim van Beveren mit einem Gutachten beauftragt, das am Freitag in Berlin vorgestellt und erläutert werden soll. Neben van Beveren will sich auch Vater Günter L. den Fragen der Journalisten stellen.

Ermittler: Absichtlich gegen Berg gesteuert

Nach Überzeugung der französischen Ermittler hatte der Co-Pilot Andreas L. die Maschine am 24. März 2015 auf einem Linienflug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich gegen einen Berg gesteuert. Das sei "zweifelsfrei" so, bekräftigte am Dienstag auch der unabhängige Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt gegenüber dem WDR.

Alle Passagiere von Flug 4U9525 starben. Unter den Toten waren auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem westfälischen Haltern.

Stand: 21.03.2017, 20:53